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Die Holzgerlinger Welt aus Kinderaugen

Beim Kinderpolitiktag in Holzgerlingen kommen die Viertklässler der Berkenschule zu Wort

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Neben Jugendlichen und Senioren sind jetzt die Kleinsten der Holzgerlinger Bürger an der Reihe: Beim ersten Kinderpolitiktag, den die Stadtverwaltung zusammen mit der Berkenschule ins Leben gerufen hat, stand Bürgermeister Ioannis Delakos allen Viertklässlern Rede und Antwort.

Artikel vom 03. Dezember 2019 - 17:36

Von Melissa Schaich

HOLZGERLINGEN. Gespenstige Stille herrschte in der Holzgerlinger Stadthalle. 140 Schüler der vierten Klasse haben hier einen Vormittag lang Bürgermeister Ioannis Delakos mit Fragen gelöchert. Dann sind alle ausgeflogen: Die kleinen Gemeindedetektive sind fast eine Stunde lang durch die Holzgerlinger Straßen gezogen und haben so entdeckt, was ihnen an ihrem Wohnort gefällt und was vielleicht eher nicht.

"Bei uns in Holzgerlingen steht Beteiligung verstärkt auf der Agenda", begründete Bürgermeister Ioannis Delakos die Veranstaltung. Und zwar sollen alle beteiligt werden. "Wir haben erst vor kurzem ein Jugendhearing abgehalten, dann haben wir den Jugendgemeinderat und auch einen Stadtseniorenrat, dort planen wir ebenfalls ein Hearing zu veranstalten", erzählte der Bürgermeister. Da sei es nur folgerichtig, auch die Kleinsten zu beteiligen. Und zwar direkt: "Wir meinen immer zu wissen, was Kinder brauchen, aber ich würde es gern von ihnen selbst hören und nicht von ihren Eltern", meinte der Schultes. Es sei wichtig, die Kinder schon früh an die Demokratie heranzuführen und ihnen zu zeigen, wie sie die Gemeinde aktiv mitgestalten könnten. "Und deswegen ist es für uns Erwachsene auch wichtig, eine andere Sprache anzuwenden, in der wir die Kinder erreichen."

Die Kinder sind mit Elan dabei

Deshalb führten auch die beiden Moderatoren Eva Wolters und Pablo Rebholz durch die Veranstaltung. "Was gefällt euch an Holzgerlingen? Was würdet ihr ändern? Fehlt euch etwas in der Stadt?" - All diese Fragen beantworteten die Kinder mit viel Elan. "Es ist wichtig, die Ideen der Kinder zuzulassen und sie ernst zu nehmen", erklärte Eva Wolters. "Da hilft es auch, dass Herr Delakos sich den ganzen Tag Zeit genommen hat. Die Kinder haben das Gefühl, dass hier ihre Anliegen auf Gehör stoßen", sagte Pablo Rebholz. "Man merkt, dass die Stadtverwaltung voll und ganz hinter der Aktion steht", fügte er hinzu.

Fragen über Fragen stellten sie an den Bürgermeister, der mit seinen Antworten kaum hinterherkam. Delakos ergriff während der Veranstaltung auch die Chance, zu erklären, was er eigentlich den ganzen Tag lang macht und welche Aufgaben eine Kommune zu erfüllen hat. "Formulare ausfüllen?", tönte da ein Vorschlag aus den Kinderreihen. Oder etwa: "Schauen, dass es keinen Streit gibt?"

Nachdem die Kinder eine Runde durch die Stadt gedreht hatten, folgte der sogenannte "Gallery Walk". Die Notizen, die sie sich während ihres Rundgangs aufgeschrieben hatten, wurden an Pinnwände geheftet, sodass alle die Ergebnisse betrachten konnten - auch der Bürgermeister. Die Erkenntnisse: Neue Spielgeräte auf den Spielplätzen sind bei vielen Kindern der Renner, die Überbleibsel des ein oder anderen Hundes ist vielen ein Dorn im Auge. Auch mit herumliegendem Müll haben viele der Kinder ein Problem. "Kann man da keine Videokamera aufstellen?", ruft es da, oder: "Vielleicht helfen auch Schilder?"

Mika und Bruno aus Holzgerlingen fanden beispielsweise, dass der Übergang zwischen neuem und alten Rathaus etwas aufgehübscht werden könnte. Von dem Kinderpolitiktag selbst waren sie begeistert: "Wir finden, dass das eine tolle Aktion ist", schlossen die beiden. Auch kreative Ideen fanden Platz auf den Pinnwänden: So schlug eine Gruppe beispielsweise vor, den Sandkasten an der Schule in einen Pool umzuwandeln und im Winter in eine Schlittschuhbahn.

Als sie mit Ioannis Delakos ihre Ideen besprachen, merkten die Kinder jedoch, wie schwierig es ist, Kompromisse zu schließen. Was die einen wollen, ist nicht immer unbedingt das, was die anderen gerne hätten. Der Bürgermeister erklärte: "Das ist die Aufgabe der Stadtverwaltung: Herauszufinden, was die Mehrheit will und immer auch die Meinungen der Minderheit im Kopf zu behalten, um dann eine Lösung zu finden."

Selbst zum Ende der Veranstaltung hin ebbte der Enthusiasmus der Viertklässler nicht ab. Eine nach der anderen schossen die Hände in die Höhe mit immer neuen Fragen für den Bürgermeister. Am Ende herrschte dann auch Jubel: Die Kinder schienen den Exkurs in die Kommunalpolitik sichtlich genossen zu haben.