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Stefanie Wald aus Sindelfingen: In der Wolle gefärbt

Stefanie Wald kehrt zurück zu ihren Sindelfinger Ursprüngen - in frühere Räume von Holzdrechsler Martinus Merz im Storchenhaus

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    Back to the roots - zurück zu den (Sindelfinger) Wurzeln: Stefanie Wald ist jetzt mit ihrem Laden "Wald-Wolle" im Storchenhaus - gleich neben dem elterlichen Haus, das sie tief in der Wolle gefärbt hat Fotos: Dannecker

Tiefer in der Wolle gefärbt kann man kaum sein: Stefanie Wald hat in der Römerstraße in Stuttgart neun Jahre lang ihren Wollladen samt Werkstatt betrieben. Nun ist sie an ihre Wurzeln zurückgekehrt. Das Storchenhaus in der Kurzen Gasse 12, das Nachbarhaus zu ihrem elterlichen, beherbergt seit Kurzem die \"Wald-Wolle\".

Artikel vom 02. Dezember 2019 - 17:13

Von Sigfried Dannecker

SINDELFINGEN. Samstagvormittag in den früheren Räumen von Holzkunstdrechsler Martinus Merz: Im Raum hinter dem Ladengeschäft sitzen drei Damen und stricken, bis die Nadeln glühen. Zwei sind aus Stuttgart gekommen, eine aus Tiefenbronn (mit öffentlichen Verkehrsmitteln!) - und alle fühlen sich pudelwohl. "Es fehlt nur noch der Kachelofen", lacht das Trio, das keinen Namen preisgeben und auch nicht abgelichtet werden will. Ansonsten aber freundlich ist und auskunftsfreudig. "Die Stefanie", wie sie Stefanie Wald nennen, kenne man ja schon aus ihrer Zeit im Stuttgarter Heusteigviertel. Und reist ihr nun halt hinterher. Treuer Fanclub. "Sie ist eine echte Fachfrau", so die drei Damen. Samstags ab 11 ist künftig Strickkurs im Hause Wald(-Wolle).

Vom Schaf zum Schal - über alle Generationen hinweg

Hier kann man Wolle kaufen, die sehr speziell eingefärbt ist. Nämlich neben der reinen Farbe auch mit einer Mission. Denn die 46-jährige Sindelfingerin verkauft vorwiegend heimischen Rohstoff. Ihre Wolle bekommt sie von diversen Schäfereien. Beispielsweise von Sabine Krüger ("Krügerland"), bei deren offenen Stalltüren in Magstadt Stefanie Wald immer für Vorführungen rund um die Wollverarbeitung mit dabei ist. Werden dann live die Schafe geschoren - zur Freude der Besucher - , bekommt Stefanie Wald ihren Teil davon ab. Schmutzig zwar. Aber das rasierte Fell, das zu vermarkten schwer wäre, kann man waschen, so belassen, spinnen, färben, verkaufen.

Ein kurzer, ein nachhaltiger Weg für die Überzeugungstäterin. Sie wirkt ein wenig wie aus der Zeit gefallen - und ist doch zugleich so etwas wie eine Speerspitze des ökologischen, jedenfalls konsequenten Fortschritts. "Ich liebe Wolle - immer schon", erzählt die gelernte Herrenschneiderin, die zuletzt noch ein zweijähriges Studium zur Handarbeitslehrerin für Waldorfschulen absolviert hat. Ein Kosmos, in den die 46-Jährige zweifellos passt. Auch in der Altenpflege ist sie schon tätig gewesen - in der Gerontopsychiatrie, und hat ihr Steckenpferd Wolle mit Altersdementen gepflegt. Im Haus der Familie vermittelt sie ihr Wissen ebenso, bei Projekten an Grundschulen und in Kindertagesstätten. Dann heißt es "Vom Schaf zum Schal". Buchbinden, Korbflechten - auch das zählt zum Kompetenzen-Kanon jener Frau, die man auch vom Handwerkermarkt her kennt. Da zeigt sie noch jedesmal Präsenz - mit einem Stand am schönen elterlichen (Fachwerk-)Haus.

Von hieraus sind ja auch die Gene übergesprungen. Mutter Anneroese Wald spann auch schon Wolle, fertigte Wandteppiche und gab Spinn- und Webkurse. Ihr Vater gründete zusammen mit seiner Frau 1977 auch eine kunsthandwerkliche Werkstätte, stellte Webstühle und Spinnräder her. "Das tut er bis heute - in kleinen Stückzahlen und auf Nachfrage. Er hat noch eine Werkbank und ist eben ein Workaholic", lacht die Tochter über ihr lehrreiches Elternhaus, das sie in der Wolle gefärbt hat.

Ihr Handwerk und ihre Ware - das Storchenhaus und der Laden darin mit seinem Meister-Eder-und-sein-Pumuckl-Charme bieten eine stimmige, lichtdurchflutete Kulisse. Stefanie Wald ist froh um diesen Ortswechsel. Im Subparterre in Stuttgart habe sie solche Bedingungen nicht vorgefunden. Nun hofft Stefanie Wald auf viel Zulauf. Bei ihr gibt es nicht nur Werkstatt und Wolle, sondern auch einen Kosmos drum herum als "Beiprodukt". So verkauft sie etwa knallbunte Einkaufstaschen aus Filz einer Bekannten. Und "Waldseifen". Die haben aber mit ihrem Namen nichts zu tun, sondern mit der Waldseifenschule und -Manufaktur von Susanne Albert aus dem Nordschwarzwald.