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Umgestaltung Böblinger Elbenplatz: Weniger Spuren, mehr Grün

Der Böblinger Elbenplatz soll ein neues Gesicht erhalten: Mehr Platz für Fußgänger und Radler sowie ein verbesserter Verkehrsfluss

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    Mehr Grün, mehr Plätze, weniger Fahrspuren: So stellen sich die Stadtplaner von Bauchplan die Neugestaltung des Elbenplatzes vor. Grafik: Bauchplan

Er ist der am stärksten vom Verkehr umtoste Platz Böblingens: Den Elbenplatz kreuzen täglich zigtausende Autos, viele Fahrradfahrer und Fußgänger. Vor allem die Radler sollen künftig komfortabler über den Knotenpunkt kommen. Das bedeutet weniger Spuren für die Autos - dafür aber längere Grünphasen an den Ampeln.

Artikel vom 20. November 2019 - 12:42

BÖBLINGEN. Der Böblinger Elbenplatz, er gleicht einem gordischen Verkehrsknoten. Von allen Seiten strömen die Massen heran: Tausende Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger wollen täglich über die Kreuzung zwischen Brumme-Allee, Herrenberger, Stadtgraben- und Poststraße. Der Ausschuss für Technik, Umwelt und Straßenverkehr des Böblinger Gemeinderats hat am Dienstag den Versuch der Entwirrung unternommen: den Verkehr flüssiger gestalten, mehr Fußgänger von der Bahnhofstraße auf den Schlossbergring locken und vor allem den Radfahrern den Weg ebnen.

Hinter all dem steht der politische Wille der grünen Landesregierung, den Radverkehr spürbar anzukurbeln und schnelle Radwege auszubauen. Eine Zweirad-Autobahn entsteht derzeit zwischen Herrenberg und Stuttgart und verläuft mitten durchs Herz der Böblinger Unterstadt - den Elbenplatz. Bisher sind die Radwege dort aber nur Stückwerk: Wer von der Calwer Kreuzung stadteinwärts radelt, muss am Unteren See auf den Fußweg unter den Platanen ausweichen und sich über Zebrastreifen und Fußgängerampeln seinen Weg in Richtung Liststraße und damit der Verbindung nach Stuttgart suchen. Dem will man ein Ende machen: Die Radler sollen auf einer eigenen, 1,60 Meter breiten Spur über den Elbenplatz gelangen. Nur wie - daran schieden sich im Ausschuss die Geister. Denn einfach ist das nicht.

Tiefbauamtsleiter Frank Bader und Stadtplaner Dietmar Weber präsentierten zwei Alternativen. Variante A schlägt vor, die Pedaleure mehr oder weniger mitten auf der Herrenberger Straße Richtung Brumme-Allee zu führen, wo sie sich zwischen den nach rechts in die Poststraße abbiegenden Autos behaupten sollen. Vorteil: Längere Grünphase an der Ampel, zügigeres Vorwärtskommen. Nachteil: Unsicherheitsgefühl, da der Radstreifen zwischen zwei Rechtsabbieger-Streifen verläuft, die überdies viel Platz verbrauchen.

Variante B favorisiert einen Radweg rechts von der Rechtsabbiegerspur in die Poststraße (siehe Grafik). Vorteil: Eine zunächst übersichtlichere Situation für beide: Autos und Radfahrer. Außerdem bleibt dadurch genug Platz, um die Herrenberger Straße mittig durch eine Baumreihe zu zerteilen, die für Schatten sorgt. Nachteil: Um die Sicherheit für die Fußgänger an der Einmündung zur Poststraße zu gewährleisten, wird hier eine Fußgängerampel statt dem derzeitigen Zebrastreifen benötigt.

Niemand wird den Ausschussmitgliedern vorwerfen können, sich nicht in aller Gründlichkeit mit dieser Frage befasst zu haben. Über zwei Stunden rangen die Räte um eine Lösung, fragten nach, wägten Für und Wider ab. Am Ende stimmten sechs der 14 Ausschussmitglieder für Variante A und acht für Variante B. Diese war auch von der Verwaltung favorisiert worden. Letztlich entscheiden muss es der gesamte Gemeinderat in seiner Sitzung am heutigen Mittwoch.

Deutlich weniger Diskussionsbedarf hatten die Räte zu den gravierenden Änderungen der Verkehrsführung am Elbenplatz für Autofahrer: Um die beiden Hauptrichtungen (von und zur Herrenberger Straße und zur Brumme-Allee) besser durchlassen zu können, sollen Autos künftig nur noch nach rechts aus der Stadtgrabenstraße abbiegen dürfen. Damit entfällt eine Ampelphase, in der beide Hauptrichtungen Rot haben und die Blechschlangen können länger abfließen. Markant: Der um den Schlossbergring kreisende Verkehrsfluss wird dadurch gekappt. Außerdem fällt auf der Herrenberger Straße je Fahrtrichtung eine Spur weg. Das soll Raum schaffen für eine Aufwertung der Fußgängerbereiche. Angedacht ist etwa, den Aufgang Richtung Marktplatz aufzuhübschen.

Die Planer rechnen damit, dass die Autofahrer nach und nach am Bonifatius-Platz rechts in die Sindelfinger Straße abbiegen und sich an der Kreuzung mit der Liststraße links einordnen, um über den Listkreisel in die Poststraße zu gelangen. Bedenken des Gemeinderats, dass sich die Händler in der Stadtgrabenstraße darüber empören, haben sich nach einer stichprobenartigen Umfrage unter den dortigen Ladeninhabern aber nicht bestätigt (siehe rechts). Das mag auch daran liegen, dass die Fahrbahn in der Stadtgrabenstraße auf eine Spur verengt wird - und abermals mehr Platz zum Flanieren entsteht.

Als die Verwaltung den Vorschlag im Mai auf den Tisch brachte, forderten die Räte durch die Bank einen Probebetrieb dieser Rechtsabbieger-Lösung. Und sie reagierten verschnupft, dass die Verwaltung diesen nun doch nicht umsetzen konnte. Der Grund: Die derzeitigen Baustellen auf der Herrenberger Straße lassen einen realitätsnahen Test nicht zu. Deshalb wurde das Tübinger Ingenieurbüro Schlothauer und Wauer mit einer Computersimulation beauftragt, die im Ratssaal gezeigt wurde. Wie kleine Ameisen wuselten die animierten Automobile durch den Verkehrsknoten - und zeigten, wo in Stoßzeiten Stau zu erwarten ist.

Rechtsabbieger verursacht in Stoßzeiten am Listkreisel Stau

Tiefbauamtsleiter Frank Bader: "Bei 100 Prozent Belastung ist sicher mit Rückstaus zu rechnen. Doch bei 80 Prozent der Spitzenlast funktioniert das System." Immerhin bringt die Vereinfachung der Ampelphasen eine deutlich verlängerte Umlaufzeit, wie die Verkehrsplaner die Länge der Ampelphasen nennen. Diese variiert je nach Verkehrsaufkommen zwischen einem Minimum bei wenig und einem Maximum bei viel Verkehr. Durch das Entfallen der Grünphase für die Links- und Geradeausfahrer aus der Stadtgrabenstraße, kann diese Zeit den anderen Grünphase zugeschlagen werden.

Stimmt der Gemeinderat zu, sollen die Änderungen bald kommen. Zum Baustart der A-81-Verbreiterung im Februar 2021 will man spätestens fertig sein. Dann ist mit viel Zusatzverkehr in der Innenstadt zu rechnen, da die vielen A-81-Baustellen viel Blech in die Innenstadt drücken werden. Kein Geheimnis blieb indes, dass dieser Effekt auch mit der neuen Verkehrsführung den Elbenplatz lahmlegen dürfte.