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Neue Tanztheater-Produktion der Böblinger Kunstsschule

Die Böblinger DAT-Kunstschule präsentiert die Produktion "In Between" - Premiere am Samstag im Städtischen Feierraum

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    Eindrücke von der Probe: Tanja Treffler und Prisca Maier-Nieden (v. r.) mit dem Ensemble Foto: STS

Zwischen Kindheit und Pubertät befinden sich Kinder in einem schwierigen Alter: Sie sind noch keine Teenager, wie Kinder fühlen sie sich aber auch nicht mehr. Von dem Gefühl, überall "dazwischen" zu sein, handelt die neue Tanztheater-Produktion der Böblinger DAT-Kunstschule.

Artikel vom 19. November 2019 - 15:25

BÖBLINGEN. Das sieht ein bisschen nach Zeichenstunde im Städtischen Feierraum aus: Ein paar schwarzgekleidete Kinder sitzen vor kleinen weißen Quadern, in der Hand halten sie dicke Filzstifte. Die Kinder sind ganz vertieft in ihre Bilder. Dann, ganz plötzlich, steht eins nach dem anderen auf, präsentiert seine Zeichnung und erhebt die Stimme. "Ich lese gern", sagt eins der Kinder: "Ich bin hilfsbereit", ein anderes. So geht es für eine Weile weiter. "Ich kann gut schielen", "Ich bin immer pünktlich", "Ich mag Theaterspielen". Dann setzt wummernd ein cooler Musik-Beat ein und die Zeichenwerkstatt wird zum Tanzstudio.

Es ist nur ein kurzer Einblick, den die jungen Tanzdarsteller an diesem Nachmittag zeigen. Die Presse ist zu Besuch, um sich einen Eindruck von der neuen Produktion der Böblinger DAT-Kunstschule zu verschaffen. Die Abkürzung steht für "Dance, Art, Theater" und damit für die verschiedenen Sparten der Kunstschule. Kunstschulleiterin und Theaterpädagogin Prisca Maier-Nieden hat sich das Ziel gesetzt, die unterschiedlichen Sparten so oft wie möglich in gemeinsamen Projekten zusammenzuführen.

Dafür steht beispielhaft die neue Tanztheater-Produktion "In Between", bei dem drei Kinder der Theatersparte und sieben Tanzschüler(innen) zu einem Projektensemble geformt wurden. "Wenn man so will, haben wir sogar noch die Kunstsparte mit drin", witzelt Prisca Maier-Nieden mit Blick auf die Zeichnungen der Kinder. Diese sind ein wichtiges Element der Inszenierung, gelingen aber offenbar auch ohne fachliche Begleitung ganz gut.

Gemeinsam mit Tanzspartenleiterin Tanja Treffler inszeniert Prisca Maier-Nieden ein Stück, das sich um Kinder in einem ziemlich schwierigen Alter dreht. "Lückekinder" - so heißen 10- bis 14-Jährige in der Kinder- und Jugendarbeit. Sie füllen - wie der Name schon sagt - die Lücke zwischen Kindheit und Pubertät. Sie fühlen sich nicht mehr als Kinder, sind aber auch noch keine Jugendlichen - sie sind "in between", befinden sich also irgendwo dazwischen. Das bringt einige Komplikationen mit sich: Zum Beispiel bei der Suche nach der eigenen Identität. "Wer bin ich?", "Wer möchte ich sein?" und "Wo will ich dazu gehören?".

Diese Fragen stellen sich auch die junge Darsteller. Nachdem sie anfangs in der Musikschule in der Herrenberger Straße geprobt haben, üben sie jetzt inmitten des fertigen Bühnenbilds und mit allen Requisiten im Städtischen Feierraum. Hier wird am kommenden Samstag auch die Premiere stattfinden.

Lückekinder gelten in der Forschung als die "vergessene Gruppe", zitiert das Programmheft einen Zeitungsartikel aus der FAZ. Im Gegensatz zu fast allen Altersgruppen gibt es demnach nur wenig Forschungsliteratur zu diesem Alter und auch die meisten Erziehungsratgeber geben dazu wenig Antworten. Dabei hat sich die Lebenswelt der Kinder im letzten Jahrzehnt drastisch verändert: Smartphones machen das Internet mit all seinen Möglichkeiten, Verführungen und Gefahren allgegenwärtig. Auf Plattformen wie TikTok und Instagram sind auch schon Grundschüler aktiv - sie posten Bilder und Videos, präsentieren sich in schicken Outfits und vergleichen sich mit anderen Altersgenossen.

Die Inszenierung greift dieses Thema auf: In einer Szene stolzieren einige Darsteller - im Programm heißen sie die "coole Gang" - mit Designertasche und Smartphones herum, machen Selfies und prahlen mit ihren Luxus-Accessoires. Daneben gibt es aber auch die anderen: die "Uncoolen", die Schüchternen und die "Nerds".

Zum Inhalt: Hauptfigur ist Mia (Gjosefina Pervorfi). Sie findet für sich keinen Standpunkt: Der besondere Bruder, dem sie sich sehr verbunden fühlt und die neue Schule mit den neuen Freundinnen lassen sich nicht unter einen Hut bringen. Mia gerät zwischen die Fronten: Sie tanzt, weil ihr die Worte fehlen, ist verzweifelt und fühlt sich schließlich ausgestoßen und hässlich.

Die "In Betweenies", wie die Kinder im Programmheft genannt werden, befinden sich also nicht nur altersmäßig überall dazwischen. In der multimedialen Inszenierung kommen noch eine Reihe weiterer Spannungsfelder zum Vorschein, die das Stück für Kinder ab zehn Jahren ebenso wie für Eltern sehr sehenswert machen.

Sehenswert für Kinder und Eltern

Für das Tanztheater haben die Nachwuchsschauspieler gemeinsam mit der Regisseurin und der Tanzlehrerin eigene Erfahrungen und Gefühle verarbeitet. Das heißt aber nicht, dass sich hier jeder selbst spielt. Die zehn Ensemblemitglieder schlüpfen auch in andere Rollen und versetzten sich damit in die Köpfe von Mitschülern, Freunden, Eltern und Geschwistern.

Bekommt das eine oder andere Kind da nicht Lust auf einen Spartenwechsel? Schauspiel statt Tanz? Oder umgekehrt? Das ist wohl nicht der Fall. Zwar versichern auf Nachfrage alle Beteiligten, dass ihnen die Projektarbeit "ganz viel Spaß" gemacht habe. Deswegen aber die Tanzschuhe an den Nagel zu hängen, oder den Städtischen Feierraum gegen die Musikschule zu tauschen, kommt für sie nicht in Frage.

Es spielen: Isabel Aragones Salgueiro, Alessia Chiarello, Sofie Dullin, Sarina Hänel, Juli Henne, Chunxiao Li, Gjosefina Pervorfi, Charlotte Rade, David Sabljic und Ronja Sundermann. Kostüme: Corina Walter, Regieassistenz: Benita Koch.

Die Premiere findet am Samstag, 23. November, um 19 Uhr im Städtischen Feierraum statt. Weitere Vorstellungen sind am Sonntag, 24. November, um 18 Uhr, am Freitag 29., und Samstag, 30. November, jeweils um 19 Uhr sowie am Dienstag, 3. Dezember, um 10.30 Uhr und 14 Uhr, am Freitag, 6., Samstag, 7., und Samstag, 14. Dezember, jeweils um 19 Uhr und am Sonntag, 15. Dezember, um 18 Uhr. Karten zum Preis von zwölf, ermäßigt acht Euro können unter Telefon (0 70 31) 669-1632 beziehungsweise unter KiJuTheater@boeblingen.de per Mail reserviert werden.