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Schönbuchbahn: Hubschrauber bringt 32 Signalmasten

Endspurt beim Streckenumbau - Start der Zugfahrten am 15. Dezember

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    Präzisionsarbeit aus der Luft: Der Helikopter bringt die Masten / Foto: Stefanie Schlecht

Das Warten und mehrfache Verschieben scheint endgültig ein Ende zu haben. Am 15. Dezember rollt die Schönbuchbahn nach zweieinhalb Jahren Elektrifizierungs- pause wieder über die Gleise. Vor dem Abschluss der Arbeiten kamen gestern noch unverzichtbare Teile angeschwebt: Die Signalmasten lieferte ein Helikopter aus der Luft - direkt auf die Schraublöcher.

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Hubschrauber bringt Signalmasten für die Schönbuchbahn
Ein Hubschrauber bringt 32 Masten der Schönbuchbahn. Das verlangt absolute Präzision bei Pilot und Bodencrew.
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Artikel vom 14. November 2019 - 18:08

BÖBLINGEN. Plötzlich wird es mal kurz ungemütlich am Haltepunkt Danziger Straße. Rund um die frisch betonierte Warteplatte faucht der Wind, Bäume und Sträucher biegen sich weg vom Gleisbett, Blätter schrauben sich mit wilden Kreiselbewegungen in den Himmel. Dort knattert ein Helikopter und bringt die Luft gewaltig durcheinander. In seinem Schlepptau: eine ziemlich schwierige Ladung, die sich mit heftigen Wirbelbewegungen dagegen wehrt, auf den Boden zu gelangen. Abdrehen, nächster Versuch.

Es ist kurz nach zwölf. Bereits seit dem frühen Morgen ist die Trasse der Schönbuchbahn zur Hubschrauber-Schneise umfunktioniert. Der Helikopter einer Hamburger Spezialfirma verteilt seine Last entlang der 18-Kilometer-Strecke: Bis am Abend muss er 32 Signalmasten dort hinbringen, wo diese die Fahrer der Schönbuchbahn bald auf ihrem Schienenweg lotsen werden. "Phase der letzten Aktivitäten" nennt Walter Gerstner, einer der Geschäftsführer des Zweckverbandes Schönbuchbahn, was da zwischen Dettenhausen und Böblingen in diesen Tagen abgeht.

Flugsicherung des Flughafens legt erst einmal ein Veto ein

Diese Aktivitäten sind kein Einsatz wie jeder andere. Das hat schon am frühen Morgen begonnen, als die Flugsicherung am Stuttgarter Flughafen den Hubschrauber zunächst einmal am Boden festnagelte: zu viel Flugbetrieb. "Bei diesem Wetter gehen hier die Flieger vom Stuttgarter Flughafen drüber", erzählt Klaus Heinevetter. Da muss ein Lastenesel mit Rotorblättern erst einmal hintenanstehen.

Heinevetter arbeitet bei der Firma BKK aus Braunschweig, die nicht nur für den Bau der Signaltechnik an der Strecke zuständig ist, sondern auch einiges zu sagen hat, bevor die Schönbuchbahn in Betrieb geht. "Ohne Signal kein Zug", sagt Walter Gerstner. Und das grüne Licht für die Strecke gibt es nur, wenn die BKK-Leute das notwendige Sicherheitszertifikat erteilen. "Wir hoffen", sagt Gerstner, "dass wir das Papier mit Stempel am 25. November haben". Dann erst kann der Probebetrieb beginnen. Eile ist angesagt.

Daher auch das Geknatter am Himmel über der Schönbuchbahn. Mittlerweile unternimmt der Flieger mit dem mächtigen Propeller auf dem Dach den zweiten Anlauf. Die Helfer auf dem wenige hundert Meter entfernten Lagerplatz haben das 500 Kilo schwere und rund sechs Meter lange Signal nochmals neu am Seil befestigt - wirbelsicher. Langsam drückt der Pilot das Fluggerät nach unten, mit einer kurzen Drehung schwenkt der Heli über den rund drei Meter breiten Korridor, den ihm die Oberleitungen als Manövrierfläche übrig lassen. Fertig machen für eine heikle Mission.

32-mal müssen die beiden Signallieferanten im Heli-Cockpit an diesem Tag höchste Konzentration und Fingerspitzengefühl aufbringen. Klaus Heinevetter spricht von einer "besonderen Herausforderung", wenn es darum geht, tonnenschwere Lasten an einem rund 20 Meter langen Seil zielgenau an den Bestimmungsort zu transportieren. Am Steuerknüppel sitzen daher Profis, versichert Heinevetter. Kapitäne der Luft, die schon mal Liftmasten die Berge hinauffliegen, oder - wie die Tage zuvor - in Bremen die Güterstrecke Richtung Hafen mit neuem Material versorgt haben.

Bahnmasten per Luftfracht: Das, räumen die Fachleute ein, ist durchaus nicht die alltägliche Art, Signale zu verteilen. Aber auch kein Luxus im Eisenbahner-Milieu. Klaus Heinevetter erklärt, dass vor allem die drängende Zeit und die Tatsache, dass das Gleis bisher nur mit Schrittgeschwindigkeit befahren werden darf, den Ausschlag zur Lufthilfe gegeben haben. Die klassische Variante per Schienenkran hätte bedeutet, dass nur drei Signale pro Tag an ihren Platz gehievt worden wären. Der Montagetrupp wäre so über zwei Wochen für alle 53 Masten (inklusive der kleinen Exemplare) unterwegs gewesen. Mit Hubschrauberunterstützung ist der Job in drei Tagen erledigt.

Der Mast pendelt jetzt so langsam seinem Bestimmungsort entgegen. Der Filigranarbeiter in der Heli-Kanzel hat das Metallteil zielgenau zwischen die Elektroleitungen hindurch gefädelt. Während der Mast sanft schwingend Richtung Boden sinkt, vibriert der Hubschrauber 20 Meter darüber einer Libelle gleich in der Luft. Vorsichtig bugsiert der Pilot die Signalsäule an seinen Bestimmungsort - ein riesiger Spiegel vor dem Cockpit und ein Kollege mit Funkverbindung sorgen für den notwendigen Kontakt zur Erde. Der Rest ist Job des Bodenpersonals: Vier Bahnarbeiter ziehen die Luftfracht nach unten, bis diese direkt auf den Bohrlöchern sitzt. Der Akkuschrauber kommt zum Einsatz, der Hubschrauber dreht mit einer eleganten Schleife ab zum Lagerplatz.

Die Mission am Haltepunkt Danziger Straße ist beendet. Ab sofort ist es amtlich und eine schwarze Acht auf dem Signal macht es deutlich: Schneller als 80 Kilometer in der Stunde wird an dieser Stelle in Zukunft nicht gefahren.