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Feiern auf Renninger Bauernhof sorgen für Ärger

Bergehalle auf dem Kindler-Hof wird zur Event-Scheune, die das Gelände beschallt, beleuchtet und die Ämter beschäftigt

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    Auf Facebook kursieren Bilder der Scheune als Party-Location Foto: red

Eine alte Halle auf dem Bauernhof umgestalten und als Veranstaltungshalle vermieten - diese Idee hatte Landwirt Martin Kindler vom gleichnamigen Hof in Renningen. Doch das Konzept stößt manchem Pferdebesitzer sauer auf. Und ruft das Renninger Rathaus sowie das Landratsamt auf den Plan.

Artikel vom 29. Oktober 2019 - 17:42

RENNINGEN. Die Wut ist Peter Geiger anzumerken. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin hatte der 63-Jährige bis zum Sommer 2018 vier Pferde im Stall von Martin Kindler in Renningen untergebracht. Doch Mitte Juni des vergangenen Jahres mussten die beiden eines davon, einen 21-jährigen Hannoveraner-Wallach, einschläfern lassen. Der Grund: mehrfache Koliken, wie Entzündungen des Pferdedarms genannt werden. Diese kommen im Reitsport durchaus vor und können verschiedene Ursachen haben: von der Futter-Unverträglichkeit bis zu erhöhtem Stress.

Geiger ist sich sicher, dass Letzteres bei seinem Pferd die Ursache war. Denn Hofbesitzer Martin Kindler vermietet seit April 2018 in direkter Nachbarschaft zu den Pferdeställen eine Halle als sogenannte Event-Scheune.

Über eine Agentur kann die urige Location für Hochzeitsfeiern oder andere Festivitäten angemietet werden. Neben dem obligatorischen Catering gehört dazu meist ein Discjockey inklusive Beschallung und Lichtorgel. Im Internet finden sich leicht Bilder von der Halle - hochzeitlich dekoriert. Darunter die angetanen Kommentare der Festgäste. Den Sommer über war laut Peter Geiger hier an so gut wie jedem Samstag bis in die frühen Morgenstunden Party angesagt.

"Das war offensichtlich zu viel für unser Pferd. Es bekam nach diesen Feiern regelmäßig Koliken. Im August 2018 mussten wir es erlösen." Offenbar litten auch andere Pferde auf dem Hof unter dem samstäglichen Lärm, sagt Geiger. Nicht wenige Pferdebesitzer hätten woanders eine Bleibe für ihre Rösser gesucht. Über zehn sollen es gewesen sein, die dem Kindler-Hof den Rücken gekehrt hätten.

Den Vorwurf, mit seinem Geschäftsmodell die Gesundheit der bei ihm eingemieteten Pferde zu gefährden, lässt Landwirt Martin Kindler nicht gelten: "In unserem Stall stehen fast nur erfolgreiche Turnierpferde, manche von ihnen reiten sogar beim Reitturnier in der Schleyerhalle. Von denen hat noch nie eines Beschwerden gehabt." Da beide uneinsichtig sind, landet der Fall vor Gericht.

Kindler: "In dem Fall mit dem Pferd von Peter Geiger schließe ich nicht aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Lärmbelastung durch eine Feier auf dem Hof und der Stresskoliken gegeben haben mag. Doch bewiesen ist das nicht." Kindler und er einigten sich zwar gütlich: Der Hofbesitzer beteiligt sich an den Tierarztkosten, die im fünfstelligen Bereich lagen. Doch der Streit ist damit noch nicht beigelegt. Geiger beobachtet in den Monaten danach, dass das Treiben in der Halle weitergeht. Schließlich befasst sich auch das Renninger Rathaus mit der Angelegenheit.

Denn die neue Nutzung dieser einst als Bergehalle deklarierten Scheune muss genehmigt werden. Themen wie Brand- und Lärmschutz und Zufahrtswege seien nicht darauf ausgelegt, heißt es auf dem Rathaus. "Sechs bis acht Veranstaltungen in einer Bergehalle pro Jahr wären völlig in Ordnung", zitiert Stadtbaumeister Hartmut Marx die entsprechenden baurechtlichen Bestimmungen. Doch spätestens seit Juni 2019 sei die Zahl für dieses Jahr bereits überschritten und deshalb würden Bußgeldbescheide fällig. Dabei müsste Betreiber Martin Kindler die Regeln kennen, nimmt die Bußgelder offenbar in Kauf. Schließlich gab es genügend Schriftverkehr und sogar Vor-Ort-Besuche von Stadtbaumeister und Mitarbeitern des Landratsamtes.

Technischer Ausschuss lehnt neue Nutzung ab

Nicht nur die Fehlnutzung der Bergehalle, vor allem der mangelnde Brandschutz ist den Aufsichtsbehörden ein Dorn im Auge: "Bei einer Ortsbesichtigung haben wir uns einen eigenen Eindruck von fehlenden Brandschutz-Wänden und Fluchtwegen verschafft. Sogar eine Galerie wurde eingezogen, die nicht im ehemaligen Baugesuch vorgesehen war. Es fehlt an Bauplänen, die unbedingt noch beizubringen sind", schüttelt der Ortsbaumeister den Kopf über die mangelnde Kooperationsbereitschaft. Pikantes Detail: Hartmut Marx muss am Wochenende nur aus dem Fenster seines Hauses in Malmsheim schauen, um die beleuchtete Szenerie zu sehen. Er wohnt in Sichtweite des Hofes.

Kindler versucht daraufhin, die neue Nutzung im Nachhinein genehmigen zu lassen, weshalb der Antrag wenig später im Technischen Ausschuss des Renninger Gemeinderats auf der Tagesordnung steht. Doch der lehnt Kindlers Antrag auf Nachgenehmigung für eine Veranstaltungshalle ab. "Da hätten wir uns alle unglaubwürdig gemacht gegenüber anderen Landwirten, die Ähnliches vorhatten und ebenfalls abschlägig beschieden wurden. Schließlich müssen wir jeden gleich behandeln", betont Stadtbaumeister Marx. Bisher fehlt die offizielle Genehmigung für den dauerhaften Partybetrieb noch immer.

Landwirt Martin Kindler will sich damit nicht abfinden. Er hat beim Regierungspräsidium Widerspruch gegen den Beschluss des Technischen Ausschusses eingelegt. "Mir ist klar, dass nur acht Veranstaltungen pro Jahr in solch einer Bergehalle im Jahr erlaubt sind. Wir sind momentan dabei, diese neue Nutzung nachgenehmigen zu lassen - als Diversifizierungsmaßnahme, welche auch vom Land Baden-Württemberg gefördert wird." Dennoch räumt er ein: "Die Nachgenehmigung liegt noch nicht vor."

Von der Stadt Renningen fühlt er sich außerdem ungerecht behandelt. Kindler: "In Mötzingen wurde ein gleiches Vorhaben vom Gemeinderat einstimmig genehmigt als gleiche Kulturscheune für Feste und Hochzeiten. Die Stadt Renningen jedoch ist anderer Ansicht, obwohl ich mir nur ein zweites Standbein aufbauen will. Ich berufe mich jedoch auf den Grundsatz: Gleiches Recht für alle." Auf den beruft sich auch die Stadt Renningen. Es scheint, als würden sich beide Seiten so schnell nicht einig. Bis dahin läuft der Event-Betrieb in der Scheune weiter. Trotz Bußgeld-Bescheiden. Und manch verärgertem Pferdebesitzer.