Instagram

Wie arbeitet eigentlich ein Sportgericht?

Fußball: Im Fall K.F.I.B. Sindelfingen stellt sich die Frage nach einem Ausschluss vom Spielbetrieb - aber geht das so einfach?

  • img
    Wie wird Justitia im Fall K.F.I.B. Sindelfingen entscheiden? Einen Ausschluss vom Spielbetrieb kann das Bezirkssportgericht nicht allein verfügen Foto: Michael Weber/eib, Montage: Isabelle Zeiher

Schlimme Beleidigungen über 90 Minuten und nach dem Schlusspfiff tätliche Angriffe auf den Schiedsrichter durch Fußballer und Zuschauer - für K.F. Isa Boletini Sindelfingen wurden zuletzt Rufe nach einem Ausschluss aus der Kreisliga B, Staffel IV, laut. Aber wie arbeitet das Sportgericht des Bezirks Böblingen/Calw in so einem Fall überhaupt?

Artikel vom 24. Oktober 2019 - 18:50

KREIS BÖBLINGEN. Die zwei wichtigsten Antworten vorweg: Eine öffentliche Anhörung mit Angeklagten, Zeugen oder Anwälten, wie man es von Verhandlungen an regulären staatlichen Institutionen kennt, wird es nicht geben. Und: Das hiesige, vierköpfige Gremium könnte eine Disqualifikation aus dem laufenden Wettbewerb auf jeden Fall nicht allein bestimmen. Das Bezirkssportgericht ist zu so einer weitreichenden Maßnahme nicht befugt.

"Wir könnten einen Punktabzug anordnen, aber das bringt in der Kreisliga B ohne Abstieg eigentlich nichts", erklärt Sportrichter Heinz Bruckner aus Jettingen, der für die Staffel IV, in der K.F. Isa Boletini Sindelfingen kickt, zuständig ist. "Auch eine Geldstrafe interessiert viele Vereine heute eher weniger." Und besagter Ausschluss, der dem Klub ohne Zweifel wehtun würde? Falls das Bezirkssportgericht Böblingen/Calw diesen nach ausgiebiger Beratung tatsächlich für angemessen hielte - bei vier Mitgliedern müssten mindestens drei dafür sein -, müsste es den Fall wiederum ans Sportgericht des Württembergischen Fußballverbands weiterleiten. "Ein Urteil über einen Ausschluss kann nur der WFV fällen", betont Heinz Bruckner noch einmal.

Noch haben der stellvertretende Jugendsachbearbeiter und seine Kollegen Reinhold Lange (Vorsitzender), Patricia Ille (Stellvertreterin) und Martin Sowa (Jugendsachbearbeiter) sowieso nicht hinsichtlich des besagten Falls getagt. "Bisher wissen wir selbst nur über die Presse Bescheid, der angegriffene Schiedsrichter hat noch keinen Bericht abgegeben", erklärt Bruckner.

Zuletzt auch Abbruch bei Junioren - wegen Gewalt unter den Trainern

Grundsätzlich ist der Staffelleiter Ausgangspunkt eines Verfahrens. Natürlich nicht nur bei solch krassen Ereignissen wie diesen Sonntag in Deufringen, sondern auch bei mehr oder weniger simplen Platzverweisen, wenn über die Dauer der Sperre bestimmt wird.

"Bei Roten Karten holen wir erst Stellungnahmen ein - vom eigenen Verein und vom Gegner", schildert Heinz Bruckner. "Dann wird das dem Schiedsrichter vorgelegt, damit der sagen kann: ,Ja, so war es' oder ,Nein, so war es nicht'." Das alles läuft aber über den elektronischen Postweg ab. Keine Verhöre oder sonstiges, es geht schließlich immer noch nur um Fußball.

Schließlich beraten die vier Richter in einer Kammersitzung. Die ist dann tatsächlich auch eine persönliche Angelegenheit, das Quartett trifft sich. "Am Mittwoch haben wir über 20 Fälle bearbeitet", lässt Bruckner durchblicken. "Da waren auch nicht nur Platzverweise dabei." Als Thema kam beispielsweise ein Spielabbruch bei den C-Junioren auf den Tisch, als es zu Gewalt unter den Trainern kam. Isa Boletini ist leider bei weitem kein Einzelfall.

Über Urteile selbst und das Gesagte in den Beratungen darf der Jettinger natürlich keine Auskunft geben. Seine persönliche Meinung freilich steht fest: "Das Benehmen von einigen Spielern, Trainern und Zuschauern heutzutage ist doch nicht mehr schön oder normal. Früher hat es das so nicht gegeben." Heinz Bruckner hat - seit er 2011 Mitglied des Sportgerichts wurde - einiges erlebt. Was ihm generell besonders zu denken gibt: "Man wird immer wieder damit konfrontiert, dass Wahrheiten nicht ausgesprochen werden. Man wird belogen, nie will es einer gewesen sein."

Ob der ehemalige Staffelleiter im Juniorenbereich (1986 bis 2000) und Bezirksjugendleiter (2000 bis 2004) für seine Rolle und Urteile auch persönlich verbal angefeindet wird? "Haja, bissle", antwortet er nachdenklich. Ein dickes Fell müsse man sich da schon aneignen. "Manchmal ist es gar nicht schön, was man da zu hören bekommt." Das gehe über den formellen Einspruch hinaus. Von letzterem kriegt das Bezirkssportgericht sowieso nur vereinzelt etwas mit, denn der geht wiederum direkt ans Verbandsgericht des WFV. Vielleicht hat dieses ja auch am Ende im Fall Isa Boletini das letzte Wort.