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Sindelfingen grölt und tanzt bei Musiknacht

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Immer den Ohren nach ging es auch in diesem Jahr bei der Sindelfinger Musiknacht. 18 Bands lockten die Feierlustigen hinaus in die Kälte und hinein in die Kneipen und Bars, um Coversongs mitzugrölen und zu Klassikern zu tanzen.

Artikel vom 06. Oktober 2019 - 17:43

SINDELFINGEN. Auf Sindelfingens Straßen ist es ruhig, doch der erste Eindruck täuscht. Nur wenige Meter weiter aus den Bars und Kneipen der Sindelfinger Innenstadt dröhnen Gitarrenakkorde und donnern Schlagzeuge. Ein Blick durch die Fenster der Locations zeigt: Die Buden sind voll. Gecoverte Charts der Popband "Dragon Fire" schweben aus dem Sindelfinger Kaffeehaus, "Rising Crown" rocken im AURA Café, und der Rock 'n' Roll von "The Booze Bombs" bringt das "s'Café" zum Swingen.

Trotz Kälteeinbruch zieht die Sindelfinger Musiknacht auch dieses Jahr jede Menge Besucher an. Nur auf das Opening mit der Band "Inteam" auf dem Wettbachplatz musste kurzfristig verzichtet werden. "Bei der Kälte und dem Regen hätte es keinen Sinn gemacht, die Bühne aufzubauen", erklärt der Veranstalter Frank Ockert von der Firma X-Events. Dass das Opening ausfallen musste, sei für niemanden ein Problem gewesen. Denn Inteam spiele ihre 70er, 80er und 90er-Hits auch in der Funzel. "Wer also extra wegen dieser Band gekommen ist, der muss nicht darauf verzichten", winkt Ockert ab. Schon kurz nach Veranstaltungsbeginn ist das rustikale Lokal brechend voll. Vor der Bühne herrscht kaum ein Durchkommen, die Bedienungen haben Mühe, die Gäste mit Getränken zu versorgen. Das macht aber nichts, denn die meisten haben ohnehin nur Ohren für die rockigen Coversongs des Ludwigsburger Trios.

Ein paar Meter weiter im Wirtshaus zum Erdinger sitzen noch einige Leute bei ihrem Schnitzel, während "Michael & Friends" die ersten melodischen Töne auf ihren Akustikgitarren anstimmen. Die Heilbronner sind in dem Wirtshaus auf dem Wettbachplatz bereits bekannte Gäste. "Wir haben mit Absicht dieselbe Band wie im Vorjahr genommen", erzählt Erdinger-Mitarbeiter Elton Alves. Schließlich passe der Akustik-Rock-Mix zum Ambiente und den Gästen.

Für eine fröhliche Atmosphäre sorgen auch "Ruby Cifuente", die mit ihrem Reggae einen südamerikanischen Flair ins City-Treff-Café bringen. Oder "Renato Pantera y amigos", deren brasilianische Klänge ein bisschen Sonne und Sommer in das Corners-Steak-Restaurant zaubern. Trotz engem Raum hat sich hier auch schon die erste Salsa-Fraktion eingefunden und lässt zu dem südamerikanischen Sound die Hüften schwingen. Jeder Song stamme aus der eigenen Feder der mit bunten Batikshirts gekleideten Musiker. Bereits zum dritten Mal treten sie bei der Sindelfinger Musiknacht auf. "Wir kommen sehr gerne her", sagt Renato Pantera.

Und damit hat der brasilianische Musiker eine Gemeinsamkeit mit den Besuchern der Musiknacht. Thomas Wollny ist mit seinen Freunden bereits zum dritten Mal mit dabei - und immer geht er ins Planie Bistro, wo "The Pulz" mit Irisch Folk, Acoustik Britpop und Punk auf ihre Zuhörer warten. "Die Musik ist gut, eine tolle Band mit hoher Qualität", sagt der Böblinger und schmunzelt.

Im "Komödle" gelingt es derweil "Against the Wind" mit einem bunten Mix aus bekannten Hits sogar jüngeres Publikum anzuziehen. Die 18-jährige Sophie Fabula lauscht zum Beispiel mit ihrem Freund den New-Wave-Songs. Beide sind mit Abstand die jüngsten in der kleinen Kneipe. "Das ist schon ein bisschen was für Ältere hier", räumt Sophie Fabula grinsend ein, "aber uns gefällt die Musik." Einen Kritikpunkt haben die Darmsheimer jedoch an der Musiknacht. "Uns ist es ein bisschen zu teuer", sagt Sophie Fabula.

Mit dieser Meinung steht die junge Frau nicht allein da. Auch Paul Speidl und Lena Ruiz-Martin finden, dass der Preis gerade für jüngere Leute zu hoch sei. Trotzdem haben die Sindelfinger gute Laune und warten in der Pause darauf, dass "Die Diebischen Elstern" mit ihrem Punkrock-Programm in der Traube weitermachen. "Wir sind hauptsächlich wegen der Band hier, die haben wir jetzt schon öfters gehört", sagt der 18-jährige Paul Speidl. Immerhin sei so in Sindelfingen endlich mal wieder was los. "Nur auf den Straßen merkt man nichts davon", sagt die 19-jährige Laura Ruiz-Martin. "Die Bars sind voll, die Straßen sind leer."

Die Stadt ist in Bewegung und die Musik im Mittelpunkt

Wer das Tanzbein schwingen möchte, findet sich in der "Lounge Affair"-Bar ein, denn hier motiviert die Coverband "Diet Dope" die Menge zur Bewegung. Laut werden Hits wie "Take on me" oder "Otherside" mitgegrölt. Zum Abschluss empfängt die Band großen Jubel. Jede Menge Zuhörer erntet auch das lokale Punk-Rock-Trio "Goodbye Nasty". Sie überzeugen im urigen Ambiente des Irish Pub mit rockigen Cover-Songs. Seit zehn Jahren machen Bernd Nisch, Markus Hofer und Björn Bildhäuser nun schon zusammen Musik, alle drei kommen aus dem Heckengäu. Bei der Musiknacht sind sie nun zum ersten Mal mit dabei. "Der Auftritt macht echt Spaß", betont Sänger und Gitarrist Björn Bildhäuser, "schön, dass man hier nicht nur Hintergrundmusik ist. Die Leute hören wirklich zu."

Bei der Musiknacht treffen eine Menge Generationen aufeinander, die froh sind, wieder Live-Musik erleben zu können. Die Band "MYBUG" versetzen den "Leuchtturm" zurück in die 70er, der "Songman" lässt die Damenherzen im "Piccolo" schmelzen. In der Erdinger Lounge können Oldie-Liebhaber unter einer Kaminfeueranimation mit dem Künstler "One Plugged" auf ihre romantischen Kosten kommen, und das jüngere Publikum lässt es zur House-Musik von Dejay F. in der Dream Lounge richtig krachen.

Für Veranstalter Frank Ockert ist dieser Moment, wenn alles in Bewegung ist und jeder der Musik lauscht, der schönste. Der Weg dahin ist allerdings nicht leicht. "Ich würde mir auch von den Locations in Sindelfingen ein bisschen mehr Engagement wünschen", gibt Ockert zu, "einige haben für die Veranstaltung nicht mal Werbung gemacht, dabei ist das Event ja für sie selbst." Wenn er allerdings sehe, dass trotzdem alles funktioniert und jeder glücklich ist, dann habe sich der Aufwand gelohnt. "So ist das einfach, wenn alle an etwas glauben, dann klappt es auch."