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Herzenswunsch-Hospizmobil des DRK Böblingen startet am 15. Oktober

Das Rote Kreuz will die letzten Wünsche schwerkranker Menschen erfüllen

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    Das DRK startet nach langer Planung und viel Engagement am 15.Oktober endlich mit dem Herzenswunsch Hospizmobil Foto: Stefanie Schlecht

Ein letztes Mal die Füße in den Sandstrand stecken, noch mal Meerluft schnuppern, dem Lieblingsverein von der Tribüne aus zujubeln, bevor man stirbt: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Böblingen erfüllt Menschen, die nicht mehr lange zu leben haben, ihren letzten Wunsch.

Artikel vom 01. Oktober 2019 - 14:36

KREIS BÖBLINGEN. Gerade dann, wenn es einem nicht gut geht, weil man krank, schwach oder einsam ist, denken Betroffene häufig an die Dinge zurück, die sie bereits gemacht haben oder träumen von den Momenten, die sie noch nicht erleben durften. Fehlt einem die Kraft, die Zeit oder das Geld, bleiben die Gedanken Luftschlösser - ferne Visionen, die niemals in Erfüllung gehen werden.

Mit dem Projekt "Herzenswunsch-Hospizmobil" hilft der DRK-Kreisverband Böblingen ab dem 15. Oktober denjenigen, die sich ihre Wünsche nicht mehr selbst erfüllen können, weil ihnen das passende Fahrzeug fehlt. Mit einem ausgemusterten Rettungswagen und 20 000 Euro für die benötigte Ausstattung fährt das DRK-Team die Erkrankten zu ihrem letzten Wunschziel.

Das kostenlose Angebot und alle weiteren technischen Anschaffungen, aber auch Übernachtungen, Konzertkarten und andere Wünsche sollen allein durch Spenden getragen und von Ehrenamtlichen umgesetzt werden. Zehn Helfer erklärten sich schon bereit, das Projekt zu unterstützen, die meisten kamen aus dem Hospizbereich - weitere 20 bis 30 sucht der Kreisverband noch. Jeder könne unterstützen, sodass sich ein buntes Team aus Bürgern, Hospizbeschäftigten und Rettungsdienstlern zusammenfindet. Die Helfer greifen dann Catherina Doppke, der Wunschkoordinatorin, bei der Vorab-Planung und Begleitung der Ausflüge unter die Arme.

Das Wünsche-Erfüllen birgt auch Risiken, auf die sich die Helfer gefasst machen müssen. "Es kann vorkommen, dass Patienten bei der Durchführung sterben", sagt Michael Steindorfner, Präsident des Kreisverbandes, "die Helfer werden davor aber geschult."

Als Michael Steindorfner vor einem Jahr ins niederbayrische Straubing reiste, legte er den Grundstein für das neue Projekt. Wenn er schon in Straubing sei, so dachte Steindorfner damals, dann müsse er bei den Kollegen vom Bayrischen Roten Kreuz vorbeischauen. Die haben schon seit dem Frühjahr 2018 das Herzenswunsch-Mobil. "Als ich zurückkam, war ich begeistert", sagt der DRK-Präsident, "ich wollte das Projekt nach Böblingen holen. Wir haben hier also sofort mit den Planungen angefangen."

Viele Formulare, Erklärungen und Gespräche später stellte der Kreisverband nun den neu gestalteten Rettungswagen vor. Geschwungene schwarze Lettern schmücken den Wagen: Herzenswunsch-Hospizmobil. Von innen sieht das Auto aus wie ein gewöhnlicher Krankenwagen: beigefarbene Wandverkleidung, Beatmungsgerät, Metalltrage, kleines Blickfenster in die Fahrerkabine. "Zusätzlich haben wir einen CD-Player installiert, damit sich die Patienten bei der Fahrt beschallen lassen können", sagt der Rettungsdienstleiter Gerhard Fuchs. Ein für die Wunsch-Ausfahrten angepasstes Auto ist ein Zukunftsziel. "Wenn wir genügend Spenden gesammelt haben", sagt Michael Steindorfner.

Ziel des Ganzen: Schwerkranken die schwere Lebensphase vor dem Tod zu erleichtern. "Die Leute wissen, dass sie nicht alleine sind", sagt Steindorfner, "sie sollen schöne Stunden verbringen und Kraft tanken für das, was noch bevorsteht." Dabei ist es egal, ob der Betroffene noch mal den warmen Sand zwischen den Zehen spüren, mit Helene Fischer gemeinsam "Atemlos" trällern oder die Hochzeit seiner Tochter miterleben möchte.

Das DRK sucht Lösungen für alle Herzenswünsche

"Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt", sagt der DRK-Präsident, "natürlich muss ein Arzt zuvor zustimmen, dass der Patient den Ausflug ohne medizinische Bedenken antreten kann." Allerdings werden keine Luxusausfahrten damit finanziert. "Die meisten wünschen sich gewöhnliche Dinge", sagt Steindorfner, "uns steht es aber nicht zu, Herzenswünsche zu bewerten." Auf eine spezielle Frage hatte er jedoch keine Antwort. Fährt das Herzenswunsch-Hospizmobil auch in die Schweiz, wenn es der letzte Wunsch eines Patienten ist, sein Leben durch aktive Sterbehilfe zu beenden? "Das müsste unser Gremium entscheiden."

Jeder könne kurz vor Start des Projektes auf der Webseite des DRK-Kreisverbandes (http://www.drk-kv-boeblingen.de) seinen Herzenswunsch einreichen. Ob er aus dem Landkreis kommt oder nicht, sei vorerst unwichtig. Anschließend wird die gesundheitliche Lage abgeklärt und das Gremium aus einem Arzt, erfahrenen Rettungsdienst und Pflegekräften, Betreuern und Organisatoren entscheidet, ob und wie der Wunsch erfüllt wird. "Wenn ein bestimmtes Ziel nicht umgesetzt werden kann, weil der Betroffene beispielsweise keine acht Stunden Autofahrt bis zum Meer aushalten würde, versuchen wir eine andere Lösung zu finden", sagt Steindorfner.

Mehr Informationen zu dem Projekt und der Möglichkeit daran mitzuwirken, gibt es bei Catherina Doppke unter der Telefonnummer (0 70 31) 6 90 44 44 oder unter der Adresse herzenswunsch@drkbb.eu per Mail.