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Die Sindelfinger Jugendfeuerwehr wird 25

Die Jugendfeuerwehr Sindelfingen feiert ihr 25. Jubiläum - 44 Kinder und Jugendliche üben das Bergen, Helfen, Löschen

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    Wasser marsch! Die Jugendfeuerwehr Sindelfingen übt an einem abbrennenden Holzstapel Foto: red

Was einst als Experiment 1994 mit gerade mal fünf Köpfen begann, ist zu einer etablierten Gemeinschaft geworden: Die Jugendfeuerwehr Sindelfingen feiert ihr 25-Jähriges. 44 Kinder und Jugendliche üben das Bergen, Helfen, Löschen. Ein knappes Drittel von ihnen bleibt der Truppe dauerhaft erhalten.

Artikel vom 16. September 2019 - 16:57

SINDELFINGEN. Es waren auch damals schon die Nachwuchssorgen, die zur Gründung der Jugendfeuerwehr Sindelfingen führten. Hans Klemm, damals der Kommandant der Blauröcke, sah allen Grund, junges Blut anzuwerben. Andere Feuerwehren im Kreis hatten teilweise schon Jugendliche rekrutiert. Böblingen aber noch nicht. Auch diese Städte-Rivalität war womöglich ein Grund für den heutigen Ehrenkommandanten, in der Angelegenheit Gas zu geben.

"Wir betraten damals absolutes Neuland", schmunzelt der heute 76-Jährige. Fand aber auch sogleich Mitstreiter. Beispielsweise in Klaus Finkbeiner, der den ersten Jugendwart gab. Klemm: "Wir besprachen die Sache im Feuerwehr-Ausschuss, wo es hieß: Okay, wir probieren es. Wenn es je nicht funktioniert, können wir es immer noch sein lassen." Ein recht pragmatisches Herangehen. Klaus Finkbeiner setzte den Hut auf, fuhr "x-mal" nach Leonberg, wo ihm Kreisjugendfeuerwehrwart Peter Igl wertvolle Impulse mit auf den Weg gab.

Denn es mussten ja organisatorische Strukturen geschaffen werden. Und die Frage geklärt, wo beispielsweise die "kleine" Arbeitskleidung für die Buben und Mädels herkommen sollte. Das Eintrittsalter für den Nachwuchs wurde auf 14 Jahre festgelegt. "Im Nachhinein ein Fehler", weiß Hans Klemm. Warum? Weil im Teenie-Alter schon wichtige Weichen gestellt worden sind - beispielsweise Fußball/Sportverein, Musik oder andere Freizeitaktivitäten. "So was entscheidet sich schon mit elf, zwölf", so Klemm. Folge: Das Eintrittsalter in die Jugendfeuerwehr wurde auf zwölf Jahre gesenkt; mittlerweile sogar auf zehn.

Ein Alter, wo die Faszination großer roter Feuerwehrautos und von Blaulicht natürlich groß ist. "Der Ansturm reißt seither nicht ab", freut sich Pressesprecher Pascal Russ.

Andererseits gilt es, nun acht Jahre bis zum möglichen Eintritt in den Aktivendienst zu überbrücken, die Jungs und Mädels bei Laune zu halten. Eine lange Zeit. Damit sie nicht zu lange wird, muss den für die Betreuung Zuständigen einiges einfallen - zwölf Feuerwehrmännern und -frauen, die die 44 Nachwuchsretter unter ihren Fittichen haben. Alle 14 Tage dienstagabends trifft man sich in der Feuerwache (die Ferien ausgenommen) im eigenen Jugendraum. Da geht es - auch - um Theorie. Vor allem aber auch um die Praxis.

Attraktiv: 24-Stunden-"Dienst" mit Übernachtung in der Feuerwache

Spielerisch und jugendgerecht werden kleinere Löschangriffe geübt. Dann wird das Strahlrohr beispielsweise auf eine kleine brennende Holzhütte gerichtet oder einen lichterloh abfackelnden Holzstapel. Alles, was moderne Feuerwehr-Fuhrparks so in sich haben, wird beschnuppert, spielerisch eingesetzt. Leitern zum Klettern beispielsweise. Und natürlich wird auch die Erste-Hilfe-Leistung geübt. Etwa das, was unsereins Führerscheinbesitzer längst wieder verlernt hat - die stabile Seitenlage.

Jeder zweite Teil dieser Treffen ist gesplittet. Denn die Feuerwehr als öffentliche Institution begreift sich ja auch als Einrichtung, die was für die Jugendarbeit generell tun will. Dann steht vieles auf dem Plan, was den Kids gefällt: Spieleabende etwa, Schnitzeljagden mit Fackellauf, Ausflüge, Zeltlager. Auch darf dann mal in der Feuerwache übernachtet werden mit simuliertem "Echt-Einsatz" wie bei einer Berufsfeuerwehr, sprich: Alarm. Ein 24-Stunden-Dienst, der offensichtlich bestens ankommt. Dann werden alle drei Schulungsräume als Schlafsäle belegt, darf der Fuhrpark genutzt werden, wird gemeinsam gekocht, gegessen und hernach abgewaschen.

Das Engagement der Jugendfeuerwehr innerhalb der städtischen Jugendarbeit werde von Jahr zu Jahr größer, sagen Tobias Kaufmann (24), der Jugendwart, und Nico Haug (27), sein Stellvertreter (übrigens beide Abkömmlinge aus der Jugendabteilung). Highlight dieses Engagements sei die Teilnahme an der Kinderspielstadt Simsalon, die alle zwei Jahre im Glaspalast stattfindet. "Diese Arbeit hält bis heute an und hat sich zum größten Nachwuchsgarant für die Jugendfeuerwehr entwickelt", so das Duo.

Mit ihren 44 Köpfen hat sich die Sindelfinger Jugendfeuerwehr in ihren dunkelblauen T-Shirts mit "JF"-Logo vor lodernder Flamme zu einer der stärksten Jugendwehren im ganzen Landkreis entwickelt. Gehören die "Großen" ihren jeweiligen Abteilungen Sindelfingen, Maichingen oder Darmsheim an, ist diese Kategorisierung bei den "Kleinen" aufgehoben. Das gilt auch für die Schauübungen, mit denen die Jugendfeuerwehr regelmäßig für sich und ihre Arbeit - und damit für weitere Zugänge - wirbt. Das nächste Mal übrigens am kommenden Sonntag, wenn die Maichinger Floriansjünger Tag der offenen Tür haben.

Klemm: "Ein gutes Gefühl, anderen mal in Not helfen zu können"

25 bis 30 Prozent derer, die einmal im Kindes- und Jugendalter angefangen haben, bleiben der Erwachsenenabteilung erhalten, wechseln also mit 18 in den "aktiven Dienst", wissen Tobias Kaufmann und Nico Haug. Und wer mit 15 noch mit an Bord sei, der bleibe es zumeist. Zwei der ursprünglich mal fünf Neulinge von vor 25 Jahren sind heute noch dabei: Thomas Schnaufer, heute Hauptamtlicher, und Iris Dorner, Gruppenführerin. Manche der Jungen brächten es weit, grinst Ex-Stadtbrandmeister Hans Klemm - wie Thomas Rebmann, Schönaichs Kommandant, oder Markus Ferber, Weil im Schönbuchs Abteilungskommandant.

Mit der Unterstützung, die sie bei ihrem Chef Rainer Just erhalten, ist das Leitungsteam Kaufmann/Haug zufrieden. Auch mit der Hilfe der öffentlichen Hand. Man wisse überall, dass Nachwuchs für eine weiterhin schlagkräftige Feuerwehr ganz wichtig sei. Das ist für Feuerwehr-Oldie Hans Klemm auch der entscheidende Unterschied zu Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche in anderen Vereinen, die Klemm gar nicht abwerten will. Aber bei der Feuerwehr komme das gute Gefühl hinzu, anderen Menschen in Not helfen zu können.