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Glosse: Die Redaktion der Kreiszeitung erhält täglich Mails - darunter das ein oder andere Kuriosum

Herr Schönbuch ist heute nicht zu erreichen

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    Wenn Herr Schönbuch und Herr Redaktion gerade nicht im Haus sind, verantworten Sandra Schumacher (links), Martin Müller und Melissa Schaich das Ressort Schönbuch und Gäu Foto: tag

Artikel vom 13. September 2019 - 15:13

SCHÖNBUCH. Der Beruf von Journalisten ist vielfältig. Mal kämpfen sie sich durch Wälder, dann besuchen sie eine Pressekonferenz oder sitzen in einer Polizeistreife und beobachten, wie die Ordnungshüter ihrem Job nachgehen. An anderen - weniger aufregenden - Tagen widmen sie sich allerdings einer Aufgabe, die einige an den Rand des Wahnsinns treibt: E-Mails auswerten und beantworten. In dem Schwall von Informationen drohen die einen oder anderen unterzugehen. Der Trost: Der Untergang ist begleitet von einem Schmunzeln, wenn nicht gar einem herzhaften Lachen. Denn zu den Highlights des täglichen Mail-Austauschs gehören Exemplare, die bereits durch die Anrede Verzweiflung und gleichzeitig ein gewisses Amüsement auslösen. So ist vor allem das Ressort Schönbuch/Gäu von einer Marotte geplagt, die in zunehmender Dichte auftritt. Deshalb fühlt sich das Ressort nun gezwungen, sein Schweigen zu brechen.

Es geht um elektronische Schriftstücke, die mit der Anrede "Sehr geehrter Herr Schönbuch" beginnen. Ein kleiner Lichtblick: Nur wenige dieser E-Mails stammen aus der Leserschaft, die in der Regel weiß, dass in der Redaktion ihrer Zeitung keine Holzköpfe sitzen.

Trotzdem werden die Redakteure und Redakteurinnen des besagten Ressorts regelmäßig als ein Waldgebiet - das zweifellos schön ist, aber eben doch eine Ansammlung von Bäumen darstellt - bezeichnet. Oben drauf bekommen die zwei weiblichen Schreiblieseln des Ressorts vorgegaukelt, sie müssten eigentlich dem männlichen Geschlecht angehören. Etwas genauer darüber nachgedacht, ist die Ansprache zwar grundsätzlich falsch, in ihrer Falschheit aber doch konsequent. Denn es heißt ja schließlich DER Schönbuch. Offensichtlich muss dann die Anrede auch mit "Herr" erfolgen. Wenn DIE Schönbuch existieren würde, wäre die richtige Anrede natürlich "Frau Schönbuch". Gender-Gerechtigkeit und so.

Doch wer sich noch am Strohhalm der grammatikalischen Korrektheit festhält, wird im Folgenden enttäuscht. Denn mit der Anrede "Sehr geehrter Herr Redaktion" erlischt auch der letzte Funke Hoffnung für die deutsche Syntax. Die Erleichterung, nicht mehr als ein Stück Wald bezeichnet zu werden, wird also in der ein oder anderen E-Mail enthusiastisch ersetzt durch grammatikalischen Nonsens. Um Verwirrungen ein für alle Mal zu beseitigen: Die Herren Redaktion und Schönbuch empfangen heute keine E-Mails. Sie sind auf dem Amt - zur Namensänderung.