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Böblinger Mountainbiker: Große Sprünge in kleinem Wäldchen

Fünf 14-jährige Böblinger bauen auf der Diezenhalde zwei Mountainbike-Strecken für Jugendliche - mit Genehmigung der Stadt

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    In einem kleinen Wädlchen am Fuße der Diezenhalde bauen Tim Negeler (Bild) und seine Kumpels sich eine Geländestrecke für Mountainbikes Fotos: Stefanie Schlecht
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    Noah Cvetnic (14) wagt manch waghalsigen Sprung auf der noch unfertigen Strecke
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    Jugendliche bauen eine eigene Mountainbike-Strecke am Fuße der Diezenhalde. Auf dem Fahrrad zeigt Tim Negeler, was schon zu befahren ist. Foto: Stefanie Schlecht

Die Reifen: dick. Die Motivation: hoch. Auf der Diezenhalde bauen fünf Jugendliche ein Parcours für Mountainbiker. Dort wollen sie nach Herzenslust durch den Wald brettern und waghalsige Sprünge vollführen. Alles mit Erlaubnis der Stadt. Im Winter soll der "Track" im Dreck fertig werden. Die Idee kam aus dem Internet.

Artikel vom 10. September 2019 - 13:17

BÖBLINGEN. Ein Wäldchen im Nordosten der Stadt am Fuße der Diezenhalde - abgelegen, verwildert, leicht zu übersehen. Eigentlich verirrt sich hier kaum jemand hin. Nur vereinzelt nehmen Fußgänger die Abkürzung am Löschteich vorbei Richtung Stadtgarten. Ein Ort, wie geschaffen für Tim Negeler, Arne Neuberger, Julius Pohl, Matti Spitzl und Noah Cvetnic. Die fünf Freunde sind fahrradbegeistert. Und haben hier ein perfektes Domizil gefunden.

Nachdem die 14-Jährigen auf dem Videoportal Youtube gesehen haben, dass man für den Bau einer Montainbike-Strecke ein Waldstück zugewiesen bekommen kann, fackelten sie nicht lange. Und gingen beim Böblinger Oberbürgermeister Stefan Belz in die Bürgersprechstunde. Der Grünen-OB - selbst häufig mit dem Fahrrad unterwegs - leitete die beiden weiter zum Böblinger Jugendreferenten Frank Kienzler.

Der sprach mit dem Leiter der Stadtgärtnerei, Oliver Henke, der der Biker-Clique eine Fläche auf der Diezenhalde zuwies. Die fünf haben somit den offiziellen Segen, in dem kleinen Waldstück eine Mountainbike-Strecke für Jugendliche zu bauen. Gesagt, getan: In den Sommerferien haben sie mit dem Bau losgelegt. Beim Besuch der Kreiszeitung geben sie einen ersten Einblick - und zeigen schon mal, was sie drauf haben. Doch noch ist die Strecke nicht fertig.

Ein richtig durchgeplantes Konzept haben sie nicht, aber die jungen Herren haben sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie man so ein Mountainbike-Parcours interessant gestalten kann. "Zuerst schauen wir, wo wir fahren wollen, dann schauen wir, was man da machen kann und dann wird es einfach umgesetzt", sagt Tim Negeler. Völlig frei dürfen sie sich indes nicht austoben.

Die Jugendlichen bekamen Auflagen, wie beispielsweise einen Mindestabstand zu Gärten und Koppeln einzuhalten. Außerdem soll die Strecke nicht als Treffpunkt für juvenile Saufgelage dienen und die Lärmverordnung gilt ebenfalls. Um dem vorzubeugen, wurde die Kreiszeitung gebeten, den genauen Standort nicht preiszugeben. Die Auflagen müssen erfüllt werden, denn die Stadt haftet für die Strecke.

Zwei Schanzen sind diesen Sommer bereits fertig geworden. Eine davon ist sogar schon befahrbar, während die andere noch etwas abgesichert wird. Tim Negeler und Noah Cvetnic zeigen beeindruckende Sprünge und es wird deutlich, dass den Jungs das Projekt am Herzen liegt. Genervt erzählen sie etwa von lästigen Ameisen, die immer wieder die Strecke entlanglaufen und ihren Proviant anknabbern. In der Nähe der Strecke befindet sich ein kleiner Weiher, an dessen Ufer sich immer wieder Obdachlose einfinden und dem Alkohol frönen. Laut der Gruppe bleibt dort viel Müll liegen, welchen sie dann entsorgen dürfen. Das nehme viel Zeit in Anspruch, sagt Matti Spitzl. Die Obdachlosen seien wenig einsichtig. Immer wieder lassen sie ihren Unrat liegen und scheren sich nicht darum.

Stundenplan lässt kaum Zeit

Bis die erste der zwei Strecken fertig ist, wird es noch eine Weile dauern. "Da jetzt die Schule beginnt, werden wir nicht viel hier sein", erklärt Arne Neuberger. Tim Negeler geht davon aus, dass sie mindestens sechs Monate benötigen, um den Bau des ersten Parcours abzuschließen. "Sicherlich werden wir im Winter viel schaffen", sagt er. Die fünf nutzen ihre Ferien, da der volle Stundenplan keine Zeit zum Bau lässt.

Die zwei fertigen Schanzen lassen bereits erahnen, wo die Strecken mal verlaufen sollen. Doch ganz fertig werden sie wohl nie, da man sie häufig ausbessern und instand halten muss. Der Erdboden, die Äste, sowie die Lehm-Schlamm-Konstrukte müssen alle wasserfest sein und regelmäßig überprüft werden. "Wer anpacken kann und selber ein Mountainbike-Fan ist, darf uns gerne helfen", sagt Tim Negeler. Er betont aber, dass der Parcours der Jugend vorbehalten sei. Auf deren medialen Kanälen suchen die fünf weitere Anhänger: Auf der Instagram-Seite @pr0tat0riders zeigen die Jungs nicht ohne Stolz, welche großen Sprünge sie in dem kleinen Wäldchen gerade machen.