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Baustart für den Radschnellweg von Böblingen nach Ehningen

Offizieller Beginn am Montag - Zwei Kilometer Strecke - Abschluss im Frühjahr 2020 geplant

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Artikel vom 10. September 2019 - 12:04

KREIS BÖBLINGEN. Winfried Hermann kam direkt von einem Termin in Zuffenhausen. "Eigentlich zwei ganz verschiedene Themen, und doch gehören sie zusammen", sagte der Landesverkehrsminister bei seinem gestrigen Besuch im Kreis Böblingen.

Der Autobauer Porsche hatte sein Taycan-Werk eröffnet, in den Elektro-Sportwagen werden große Hoffnungen gesetzt. Zwischen Böblingen und Ehningen wiederum fiel am Montagmittag der Startschuss für den Ausbau des Radweges zur Schnelltrasse. Dort PS-Stärke, hier Pedaltreter - Gegensatz und doch ähnliche Stoßrichtung. "Letztlich müssen zum Klimaschutz alle ihren Teil beitragen", setzte Hermann die Klammer um die beiden Termine, "und ich freue mich, dass auch die Automobilindustrie hier mitwirkt."

Im Kreis Böblingen werden die Radschnellwege ausgebaut, quasi die Autobahnen für die Radler. Man will die Fortbewegung komfortabler machen, letztlich im Idealfall Pendler zum Umstieg vom Auto auf das Fahrrad bewegen. Als erster Radschnellweg in ganz Baden-Württemberg wurde Ende Mai die Trasse zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart-Rohr eröffnet, jetzt steht die Neugestaltung des Bereichs zwischen der Tierheim-Kreuzung in Böblingen und dem Ortseingang von Ehningen an. "Kompliment für das Tempo!", sagte Hermann in Richtung des Böblinger Landrats Roland Bernhard.

Die zwei Kilometer lange Strecke wird auf vier Meter verbreitert (außer bei der Autobahnbrücke) und erhält eine solarbetriebene Beleuchtung. "Damit wird diese Distanz zwischen Böblingen und Ehningen für Pendler, Schüler und Freizeitradler noch attraktiver sein", sagte der Landrat, "mit dem Ausbau der Infrastruktur wollen wir die Voraussetzungen schaffen, die Menschen mehr auf das Fahrrad zu bringen." 1,65 Millionen kostet den Landkreis das Projekt, die Hälfte übernimmt das Land. Ursprünglich hatten die Planer 2,1 Millionen kalkuliert, doch trotz der angespannten Lage in der Baubranche hat man hier ein günstiges Angebot bekommen - zurzeit ein Glücksfall.

Dabei ist das Teilstück nur ein Baustein des geplanten Radschnellwegs bis nach Herrenberg. Wie die Trasse in Ehningen genau entlang verläuft, das IBM-Areal einbindet und dann weiter nach Gärtringen und Nufringen führt, müssen die Planer sich noch ausdenken. Parallel gibt es die Überlegung, den Radschnellweg von der Tierheim-Kreuzung über die Hulb und an der Schwippe entlang über den geplanten A81-Deckel an die Trasse Richtung Stuttgart anzubinden - doch das ist noch Zukunftsmusik.

Wie die Radwege durch die Stadt führen, bereitet Kopfzerbrechen

"So lange sollte man die Radler auch nicht warten lassen", betonte der ADFC-Kreisvorsitzende Peter Grotz, "die vernünftige Radwegeführung durch die Stadt muss dringend erfolgen." Was Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz sofort aufnahm. "Wie wir zwischen Elbenplatz und Postplatz verfahren, ist noch nicht klar", sagte er, "aber ich verspreche, dass wir diesen gordischen Knoten bald zerschlagen werden."

Im Frühjahr 2020 ist die Fertigstellung des Schnellwegs zwischen Böblingen und Ehningen geplant. Dann ist die Strecke nicht nur breiter und frisch asphaltiert, einige Aufs und Abs sind zudem ausgeglichen. Dass ein neuer Radweg viele Pedaleure anziehen kann, zeigen die Zahlen von der Schnelltrasse Böblingen-Stuttgart. 90 000 Fahrten seien dort inzwischen erfolgt, vermeldetet der Landrat, also etwa 1200 pro Tag. "2000 sind unser Ziel", so Bernhard.

Einziger Makel auf der Strecke im Böblinger Wald: ein Tempo-30-Schild, aufgestellt für den (sporadischen) Autoverkehr. "Da wundern sich die Fahrradfahrer", betonte ADFC-Chef Peter Grotz, "wo man es bergab doch eigentlich wunderbar rollen lassen kann." Was den Landrat zu einem spontanen Zugeständnis veranlasste: "Am Montag ist das Schild weg", kündigte Roland Bernhard an.

    Radnetz-BW und Radschnellweg
    Das Konzept Radnetz-BW wurde Anfang 2016 verabschiedet. Demnach soll ein flächendeckendes Netz von Fahrradverbindungen zwischen und in den Städten entstehen (wie Landstraßen beim Auto). Dazu gehört zum Beispiel die Strecke durch Böblingen über den Elbenplatz.
 
    Parallel dazu geht es darum, Radschnellwege für längere Strecken zu bauen - möglichst kreuzungsfrei und getrennt von anderen Verkehrsmitteln (quasi die Autobahn der Radler).
 
    Im Kreis Böblingen gibt es drei geplante Radschnellweg-Strecken. Die Verbindung von Stuttgart über Böblingen/Sindelfingen bis nach Herrenberg wird schon gebaut. Zudem gibt es Konzepte für Stuttgart-Leonberg-Weil der Stadt sowie Renningen-BB-Weil im Schönbuch.