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Ein Zeichen für die Nachhaltigkeit: Plastikfreies Picknick in Holzgerlingen

Bürger für Natur und Umweltschutz laden zum ersten plastikfreien Picknick in den Holzgerlinger Burggarten

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Schüsseln aus Edelstahl, Aufbewahrungsboxen aus Glas oder Abdeckfolien aus Bienenwachs. Alles ist erlaubt beim Picknick der Holzgerlinger "Bürger für Natur- und Umweltschutz" (BNU) - nur kein Plastik. Stattdessen sollen kunststofffreie Alternativen ein Zeichen gegen die Plastikflut setzen.

Artikel vom 09. September 2019 - 14:40

HOLZGERLINGEN. Im Holzgerlinger Burggarten leuchtet den Parkbesuchern schon am Eingang ein kleiner, gestreifter Pavillon entgegen. Die BNU (Bürger für Natur und Umweltschutz) haben Biertische- und Bänke darunter aufgebaut und mit allerlei Leckereien beladen. Obstsalat, Gemüsesticks mit selbst gemachten Dips, Hefezopf. Alles verstaut in Metallschüsseln- und Boxen, Gläsern oder auf Tellern. Aufbewahrungsmöglichkeiten, die keinerlei Plastik beinhalten. Und das ganz bewusst.

Denn Anlass des Picknicks soll sein, die Bürger zwanglos auf das Thema Konsum und Plastikflut aufmerksam zu machen. Leider macht das frühherbstliche Wetter diesem Vorhaben einen kleinen Strich durch die Rechnung. Außer einigen BNU-Mitgliedern hat sich auch eine Stunde nach Picknickbeginn noch niemand so recht zu dem gemütlichen Zusammensitzen getraut. "Das ist schade, aber wir hoffen trotzdem weiter, dass noch ein paar Leute dazu kommen", bedauert Antonietta Scarano Salemi, die das Picknick mitorganisiert hat. "Aber es geht uns auch vorrangig darum, einfach ein Zeichen zu setzen."

Keine Belehrung mit erhobenem Zeigefinger

Ein Zeichen gegen das Plastikaufkommen, das in den letzten Jahren extrem überhand genommen hat. "Einwegbesteck, häufig nicht nur aus Plastik, sondern auch in Kunststofffolien verpackt", zählt Antonietta Scarano Salemi kopfschüttelnd auf. "Obst und Gemüse werden in Plastikfolien gesteckt, es ist einfach übertrieben." Mit erhobenem Zeigefinger belehren möchten die BNU die Leute aber nicht. "Wir wollen mit dem Picknick nur demonstrieren, dass es auch anders geht."

Aber ist alles Plastik grundsätzlich schlecht? "Natürlich wurde das Material ja nicht grundlos erfunden", weiß Antonietta Scarano Salemi. "In der Medizin ist es ja beispielsweise sehr wichtig." Nur sei es mittlerweile einfach viel zu viel. "Aber ich denke, das hat auch etwas mit der Masse an Produkten zu tun", überlegt die Holzgerlingerin. Schließlich herrsche nicht nur in Sachen Verpackung, sondern auch unter den Produkten selbst ein gewaltiger Überfluss. "Das fällt einem auf, sobald man sein Denken umgestellt hat und bewusster einkauft", hat sie selbst beobachtet. "Wer auf Plastik verzichtet, wird gleichzeitig auch minimalistischer."

Heute geht es den BNU um Plastikprodukte, die man vor allem beim Essen ganz einfach vermeiden kann. Gerade bei Behältnissen gibt es da aber auch Grenzfälle. Was ist zum Beispiel mit der Tupperdose, die aus den deutschen Haushalten doch kaum wegzudenken ist? "Tupperdosen sind ein Beispiel für langfristig genutzte Behältnisse", erklärt Antonietta Scarano Salemi. Richtig genutzt seien diese auch lebensmittelecht und nicht gefährlich. "Die wegzuwerfen, macht also nicht viel Sinn, da das Hauptproblem von Plastik ja der lange Zeitraum ist, in dem es abgebaut wird." Tupperdosen solle man also ruhig weiter benutzen, nur eben keine neuen nachkaufen.

Denn auch hier gibt es alternative Möglichkeiten. So haben die Picknick-Teilnehmer ihre Sandwiches beispielsweise in Metalldosen mitgebracht. Und ein Stand der Greenpeace-Ortsgruppe Böblingen/Sindelfingen zeigt, dass es inzwischen sogar Alternativen für Frischhalte- und Alufolie gibt. "Bienenwachstücher sind da etwas ganz tolles", erklärt Wolfgang Buchmann, der den Stand auf Anfrage der BNU zusammen mit seinem Sohn Markus betreut. "Die lassen sich genauso gut ums Butterbrot falten wie eine Alufolie."

Seit einem Jahr interessieren sich Markus und Wolfgang Buchmann für das Thema Plastikfreiheit. Und haben ihr Leben nach und nach umgestellt, den Kunststoff komplett aus ihrem Haushalt verbannt. "Am Wichtigsten war mir persönlich der Verzicht von Plastik in Bezug auf Essen", erzählt Markus Buchmann. "In meinem Körper möchte ich diese Mikroplastikteilchen nämlich nicht so gerne haben."

Das Schönaicher Vater-Sohn-Gespann hat zum Picknick eine ganze Reihe von Tipps für einen plastikfreien Alltag mitgebracht. Und die beschränken sich nicht nur auf die Nahrung. So kann man Duschgel und Shampoo beispielsweise durch feste Seife ersetzen. Oder Putz- und Waschmittel aus Natron, Waschsoda und Zitronensäure leicht selbst herstellen. "Wenn man einkaufen geht, lohnt es sich auch, Behältnisse für Brot, Gemüse, Obst und Käse selbst mitzubringen", schildert Wolfgang Buchmann außerdem. "Da wird man heutzutage auch nicht mehr schief angesehen."

"Das Thema ist am Puls der Zeit"

Denn die Vermeidung von Plastik sei inzwischen für viele Leute ein Thema geworden. Auch Antje Rössler, die das Picknick mit ihrer Familie und Hund Forrest besucht, befasst sich inzwischen seit einem Jahr mit der Thematik. Die Holzgerlingerin erkennt aber auch die Problematik, die manche Kunststoff-Ersatzprodukte mit sich bringen. "Das Problem bei Metalldosen ist zum Beispiel, dass sie schwerer sind als Plastikdosen." Das sei gerade für Kindergartenkinder sehr ungeschickt. "Aber je mehr Leute für Plastikfreiheit sensiblisiert werden, desto mehr müssen ja auch die Konzerne darauf eingehen." Und vielleicht werde irgendwann ein neuer Ersatz gefunden. "Man sieht also, das Thema ist am Puls der Zeit", ergänzt auch BNU-Mitglied Jochen Schmidt. "Einige Menschen sind auf dem Weg zu einem bewussteren Leben."

Die geplante Mitpicknicker-Anzahl von 50 Leuten erreicht die BNU heute trotzdem nicht. Doch im Laufe der zwei Stunden trudeln zumindest einige Spaziergänger ein, bleiben stehen und suchen das Gespräch mit Markus und Wolfgang Buchmann. Und unter den Picknickern herrscht fröhliche Stimmung, die Diskussion ist unter genüsslichem Schlemmen der mitgebrachten Leckereien in vollem Gange. "Und das war ja unser Ziel", ist Antonietta Scarano Selemi zufrieden. "Keine Belehrungen, sondern ein ungezwungenes Zusammensein, bei dem unterschwellig Alternativen gezeigt werden."