Instagram

In Gärtringen tummeln sich derzeit fünf Lamas - Besitzerin Miriam Herz stellt ihre Schützlinge vor

Ein Königreich für ein Lama

  • img
    Dreamteam: Casanova und seine Besitzerin Miriam Herz Fotos: Michael Bermel/Eibner

Der Hof "Kamele mit Herz" versteckt sich am Rande Gärtringens zwischen idyllischen Obstwiesen. Das KRZ-Mobil holpert über einen geschotterten Weg, bis umzäunte Weiden in Sicht kommen. Dort - unter schattenspendenden Apfelbäumen - walten fünf Lamas über ihr Königreich.

Artikel vom 06. September 2019 - 16:06

GÄRTRINGEN. Miriam Herz öffnet das Tor und ruft zur Begrüßung einmal über die Weide. Fünf Paar Ohren spitzen sich. Die Lama-Besitzerin holt einen Gartenschlauch heraus, woraufhin sich die ersten Tiere hurtig in Bewegung setzen. "Duschen mögen sie besonders gern", sagt ihre Besitzerin und lacht, als das erste Exemplar genüsslich den Kopf unter den Wasserstrahl hält. Die Abkühlung ist willkommen: Lamas stammen aus den Gebieten der Anden in Südamerika, wo in der Regel niedrigere Temperaturen herrschen. Große Hitze mögen sie daher nicht besonders. Von dem sichtlichen Spaß seiner Kumpanen angezogen, bewegt sich auch das letzte Mitglied der Truppe aus dem Stall in Richtung des erfrischenden Nasses - doch nicht ohne vorher zu begutachten, wer da eigentlich noch so im Gehege herumsteht.

Forschender Blick aus kugelrunden Augen

Während die KRZ-Schreiberin konzentriert versucht, die Szene auf Papier festzuhalten, schleicht es sich von hinten an und stupst vorsichtig mit seiner Nase gegen ihren Rücken. Überrascht dreht sie sich um und blickt direkt in die kugelrunde, dunkle Augen. Der Wimpernaufschlag: Oscar-verdächtig. Ruhig begutachtet das Tier die seltsame menschliche Erscheinung, während die Lama-Nase immer näher an das Gesicht des Eindringlings heranrückt.

Der erwidert den tiefgründigen, langanhaltenden Blick - und bekommt nach einigen Sekunden aufgrund des allseits bekannten Spuckverhaltens der flauschigen Gesellen dann doch unterschwellig ein mulmiges Gefühl. Schaut das Lama aus Neugierde her? Oder heckt es gerade einen teuflischen Plan aus, um gekonnt sein Frühstück im Gesicht seines starrenden Gegenübers zu platzieren?

Weitere Sekunden vergehen, in denen multiple Fluchtpläne gedanklich durchgespielt werden. Dann dreht das Lama ab und gesellt sich zu seinen Kumpanen unter die Dusche. Die Spuck-Alarmglocken haben also zu früh geläutet. Glück gehabt.

Währenddessen wischt sich die tiefenentspannte Schreiberin unbemerkt den Angstschweiß von der Stirn - doch die Spuck-Paranoia ist zumeist unbegründet, wie Miriam Herz auf Nachfrage erklärt. "Das ist ein Abwehrmechanismus, eine Art Kommunikation für die Lamas." Wenn ihnen also etwas nicht passt, dann kann es schonmal eine Ladung Mageninhalt geben. "Wenn man die Tiere anständig und fair behandelt, gibt es eigentlich nichts zu befürchten", sagt Miriam Herz.

Wer die Vierbeiner ärgert, muss sich jedoch auf etwas gefasst machen: Je nach Schwere des Vergehens variiert der Schärfegrad des Spuckens: Ein Spuckerle der Stufe eins beinhaltet lediglich das, was sich eben gerade im Mund befindet. "Das ist das harmlose Spucken", sagt Miriam Herz. Was bei Stufe zwei jedoch mit ordentlich Bums aus dem Mund katapultiert wird, kann in der Regel als echter Spucker bezeichnet werden. Die verniedlichende, schwäbische -le-Endung wäre hier fehl am Platz. "Da kommt dann der Mageninhalt rauf", sagt die Tierliebhaberin und fügt hinzu: "Lamas sind Wiederkäuer, das stinkt dann also ganz schön mächtig." Und in Deckung gehen ist kaum eine Option, fliegt der Mageninhalt der Lastentiere doch zuweilen bis zu drei Meter weit durch die Luft.

Doch auf dem Hof von Miriam Herz gibt es dazu keinen Anlass. Das Dusch-Spektakel lassen die Lamas mit sichtlicher Freude über sich ergehen. Als sie genug haben, ziehen sie sich still und heimlich wieder in ihre Ecken zurück.

Seit 2006 ist Miriam Herz in Gärtringen und gibt Besuchern die Möglichkeit, ihre Lamas kennenzulernen. Nach Voranmeldung können Interessierte die Tiere beispielsweise am Strick durch einen Hindernislauf führen oder das Gelände mit Grillstelle buchen.

"Lamas gehören zu der Familie der Kleinkamele. Sie sind sehr intelligent, aber eben auch ziemlich stur", erklärt Miriam Herz. Da übertrumpfen die Tiere sogar noch die bekannten dickköpfigen Esel.

Doch übelnehmen kann man es den Fellträgern mit den großen Augen nicht. Neugierig und verschmust machen sie jegliche Sturheit wieder wett. Und reinlich sind sie ebenfalls: Auf der gesamten Weide gibt es einige Kuhlen, in denen sie ihr Geschäft verrichten. "Im Gegensatz zu Dromedaren, gehen Lamas immer auf ihr Klo", erklärt Miriam Herz. Das mache das Ausmisten um einiges einfacher und weniger zeitintensiv, sagt die Kamel-Besitzerin.

Ein dicker Schmatzer für den Lieblingsmenschen

Langsam trottet eines der Lastentiere auf Miriam Herz zu und schaut neugierig, mit wem sie da spricht. "Das ist Casanova", sagt sie. Und prompt macht das Lama seinem Namen alle Ehre. Verschmust schmiegt es seinen Kopf an die Schulter seines Lieblingsmenschen. "Er verteilt auch immer gern Knutscher", sagt Miriam Herz und lacht, als Casanova mit seiner Schnute einen Schmatzer auf ihre Wange pflanzt.

Währenddessen legt sich am gegenüberliegenden Ende der Weide ein anderes Lama unter einen Apfelbaum in den Schatten und betrachtet entspannt das Geschehen von der Horizontalen aus. "Da müssen sie nur noch drauf warten, dass sich ein Apfel vom Baum löst", sagt Miriam Herz, die hier in Gärtringen offenbar ein wahres Königreich für ihre Lamas geschaffen hat. So lässt es sich doch wirklich aushalten.