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Von Böblingen über New York nach Berlin - Der Jazz-Gitarrist Jo Ambros ist überall gefragt

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    Gitarrist Jo Ambros hat heute in Berlin ein eigenes kleines Studio Foto: Bernhard Kahrmann

Er kennt die Musikszene und diese ihn. Ambros ist ein vielbeschäftigter Gitarrist, den viele renommierte Künstler immer wieder gerne an Bord holen. Seine "Lehre" hat er wie die meisten Jazzer am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium absolviert sowie an der Böblinger Musikschule

Artikel vom 30. August 2019 - 12:40

BÖBLINGEN. Es hat eine ganze Zeit lang gedauert bis der Gesprächstermin mit der Kreiszeitung zustande kam. Ambros lebt mittlerweile seit 17 Jahren in Berlin. Gelegentlich weilt er aber im Ländle, besucht seine Eltern in Böblingen oder ist musikalisch mit alten Weggefährten zugange. So auch am Tag des Treffens mit der Kreiszeitung, an dem er sich mit Gitarrist und Songwriter Max Braun im Stuttgarter Theater Rampe trifft und zuvor noch mit Schlagzeuger und Hochschuldozent Manfred Kniel zum Musikmachen "just for fun".

"Meine favorisierte Stilrichtung heißt einfach: Musik!"

"Inzwischen mache ich gar nicht mehr so viel Jazz", sagt Ambros, "meine favorisierte Stilrichtung heißt einfach: Musik!" Der 46-jährige Gitarrist ist neugierig, was man mit seinem Instrument zu guter Musik beitragen kann. Generell sprechen ihn alle Saiteninstrumente an. "Ob Laute, Pedal Steel, Oud, Mandoline oder Banjo - auf diese Welt reagiere ich sehr stark". Und er spielt sie, neben seiner Gitarre, auf eine Art, die ihn zum gefragten Studiomusiker macht.

Nicht umsonst gehört er seit 2002 zum festen Wegbegleiter der weltbekannten US-amerikanischen Sängerin und Schauspielerin Helen Schneider, arbeitete unter anderem mit dem Klarinettisten Giora Feidman, dem Pianisten Les McCann oder der Balletttänzerin Márcia Haydé. Zudem ist er Partner des Gitarristen, Sängers und Komponisten Ron Spielmann, Mitglied der Mannheimer "Black Project"-Band oder des "Jazz Ensemble Baden-Württemberg". Er ist da, wo es was zu entdecken gibt. "Ich liebe es, ganz verschiedene Facetten an Menschen und verschiedene Situationen zu erleben".

Derzeit gehört er zur Formation des Chansonniers und Schauspielers Tim Fischer, mit dem er am 19. September (Louis Bührer Saal, Ludwigsburg) und am 4. Dezember (Theaterhaus, Stuttgart) einmal wieder in der Region zu hören sein wird.

"Als ich in der Grundschule eine Kassetten-Aufnahme mit Hawaii-Gitarre gehört habe, fing ich Feuer", schmunzelt Ambros. Er versucht sich in ersten Bands und Mitte der 10. Klasse wechselt er vom Otto-Hahn-Gymnasium aufs Albert-Einstein-Gymnasium, um neben dem Gitarrenunterricht bei Philipp Konowski (Jazz) und Gérard Krimmel (Klassik) in der Musikschule noch mehr musikalische Förderung zu erfahren.

Beide bezeichnet er als tolle Lehrer und AEG Bigband-Chef Tilman Jäger, der kurz nach Ambros auf diese Schule kommt, tut ein Übriges, um ihn voranzubringen. Schulkameraden wie Frank Lauber und Joachim Staudt - beide inzwischen renommierte Saxophonisten - oder Jogi Weiss (Schlagzeug) und Martin Simon (Kontrabass) spornen sich gegenseitig musikalisch an.

"Zu der Zeit habe ich jeden Tag in einer anderen Band gespielt; das müssen fünf bis sechs Bands gewesen sein und auch zuvor gab es verschiedene Ensembles in der Musikschule", wertschätzt er diesen Lebensabschnitt. Das "Miteinander" und soziale Aspekte stehen bei ihm ganz oben und dienen gewissermaßen auch als Wegbereiter für musikalische Entwicklung.

Der Genuss am Zusammenspiel, und dem daraus resultierenden musikalischem Wachsen, war sicher ein gewichtiger Grund, eine Musikerkarriere einzuschlagen. Ambros nimmt zunächst das Studium an der Musikhochschule Würzburg auf, wechselt aber bald nach Stuttgart, weil er doch noch sehr in Böblingen verwurzelt und mit der Stuttgarter Musikszene verbunden ist.

In Stuttgart hat Bernd Konrad, Saxophonist und Professor für Popularmusik und Jazz, Einfluss auf die Vergabe von Stipendien und ebnet Ambros den Weg an das Jazz Department der "New School University" in New York. "Das war ein super Jahr, super Dozenten und es entstanden Beziehungen zu weltbekannten Musikern", blickt er zurück.

"Ich schätze hier in Böblingen die Lebensart und das gute Essen"

Wieder in Europa, verlagert er seinen Lebensschwerpunkt bald nach Berlin, wo er mit anderen Musikern zusammen ein kleines Studio hat. "In Berlin probiert man vieles aus", sagt er und gewissermaßen ist die Spreemetropole auch ein "Melting Pot" für kreative Begegnungen. "Aber ich schätze hier in Böblingen, und generell in Süddeutschland, die Lebensart. Zum Beispiel das gute Essen! Und es herrscht so etwas wie ein Handwerkerstolz: Was man macht, macht man richtig!".

Die Qualitäten beider Welten findet er gut. Was er musikalisch abliefert entspricht auch dieser Pole: Handwerkliche Zuverlässigkeit und technische Beschlagenheit mit einfühlsamer Kreativität. Diese Eigenschaften und sein sympathisches Auftreten machen ihn zum Wunschpartner vieler Musiker.