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Obstbauverein: Experte zeigt den richtigen Baumschnitt

Landkreis-Fachberater Manfred Nuber kombiniert Expertenwissen mit unterhaltsamen Anekdoten

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    Aufgepasst: Manfred Nuber (rechts) erläutert das richtige Vorgehen Foto: Stefanie Schlecht

Artikel vom 23. August 2019 - 13:24

BÖBLINGEN. Idyllische Ruhe im Garten des Obstbauvereins Böblingen. Die Sonne scheint vom Himmel herab und taucht die Apfelbäume und Johannesbeersträucher in ein angenehm warmes Licht. Der Rasen ist frisch gemäht, und eine leichte Briese weht durch die Blätter. Lange hält die Stille allerdings nicht an, denn der Fachberater für Obst-und Gartenbau des Böblinger Landratsamts, Manfred Nuber, marschiert zügigen Schrittes und mit einer Rebschere bewaffnet in den Garten.

Zielstrebig steuert der 56-Jährige die Spindelbäume, an denen bereits die ersten Äpfel hängen, an und reißt einen der Äste mit bloßer Hand, ohne zu zögern, ab. Augenblicklich hat er die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Kursteilnehmer, die ihn nun ungläubig anschauen. "Das macht dem Baum nichts aus", beruhigt er die Anwesenden.

Manfred Nuber startet mit einer theoretischen Unterweisung, die er durch unterhaltsame Anekdoten aufzulockern weiß. Er erzählt davon, wie er bereits in seiner Kindheit seinem Vater half, Äpfelbäume zurecht zu schneiden - ganz nach dem Motto: Früh übt sich.

Die 57-jährige Martina Faigle aus Böblingen ist zum ersten Mal bei einem Sommerschnittkurs dabei. Sie wurde von ihrer Freundin Else Ulmer (67) überzeugt teilzunehmen. "Ich habe ein Gartengrundstück mit altem Baumbestand", erzählt Faigle, "allerdings bin ich beim Schneiden immer zu vorsichtig und will jetzt vom Fachmann lernen, wie es richtig geht." Else Ulmer hingegen besuchte bereits im Frühjahr einen Winterschnittkurs und ist seitdem Mitglied im Verein. "Bei mir ist es bereits der zweite Schnittkurs", berichtet die 67-Jährige, "man lernt immer was dazu." Auch Rainer Skarke aus Böblingen ist vor Ort. Der 60-Jährige verrät, dass er schon einige Male beim Schnittkurs war: "Ich möchte dabei sein, wenn Manfred Nuber die neusten Techniken und Erkenntnisse aus erster Hand an uns Hobbygärtnern weitergibt."

Wie der Apfel zu seinen roten Backen kommt

"Bevor Sie einen Trieb entfernen, müssen Sie schauen, ob Sie den Trieb noch gebrauchen können", erläutert der Experte. "Ein steiler Trieb bedeutet viel Wachstum und wenig Ertrag, ein flacher Trieb hingegen signalisiert eine große Ausbeute bei der Ernte." Anschließend informiert er die Teilnehmer darüber, dass der Sommerschnitt Vor- und Nachteile mit sich bringe. Doch er ist sich sicher: "Die Vorteile überwiegen bei Weitem." Beispielsweise hätte die Ausdünnung eine positive Auswirkung auf die Fruchtqualität. "Wenn man Triebe, die nicht benötigt werden, entfernt, kommt mehr Licht an die Früchte heran, und das ist wichtig für die Ausfärbung und den Geschmack des Obstes", erläutert der Referent, "ein Apfel hat nämlich nur dann schöne rote Backen, wenn er direktes Sonnenlicht bekommen hat."

Die Kursteilnehmer hängen förmlich an seinen Lippen, sind interessiert und stellen viele Zwischenfragen. Eine Kursteilnehmerin will beispielsweise wissen: "Wann sollte ich am besten mit den Sommerschnittarbeiten anfangen?" Der Experte macht sich mit seiner Rebschere an einem Spindelbaum zu schaffen und erklärt nebenbei: "Der optimale Beginn für den Sommerschnitt ist der 15. August."

Aber warum nicht schon vorher? "Wenn ich einen solchen Schnitt bereits im Juni oder Juli mache, ist der Saftfluss noch größer und dann kann es passieren, dass schlafende Knospen geweckt werden und sofort austreiben." Das Problem dabei: "Aufgrund ihrer schlechten Ausreifung erfrieren diese Triebe mit hoher Wahrscheinlichkeit im Winter", erläutert der Experte. Ab Mitte August könne man unbesorgt loslegen: "Da ist der Saftfluss soweit unten, dass diese Gefahr nicht mehr besteht", führt der Fachberater weiter aus.

Darüber hinaus verrät Manfred Nuber, dass er sich über die rege Beteiligung freue: "Wenn die Leute wissbegierig sind, mitdenken und bestimmte Zusammenhänge hinterfragen, finde ich das toll", sagt der Experte, "das war früher nicht so." Am Ende der Veranstaltung gibt Nuber den Teilnehmern noch einen scherzhaften Tipp mit auf den Nachhauseweg: Falls Hobbygärtner sich noch nicht sicher genug fühlen, Hand an die Obstbäume im Garten zu legen, bestünde noch die Möglichkeit, sich an den Bäumen des Nachbarn auszuprobieren.

 

  Am Samstag, 12. Oktober, veranstaltet der Verein sein alljährliches Mostfest. "Es findet immer Anfang Oktober statt und ist jedes Mal gut besucht", informiert der Vereinsvorsitzende Günter Schöck.