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Lieblingsplatz im Wald: Förster Achim Klausner zeigt uns ein neues Biotop in Holzgerlingen

Serie Lieblingsplätze im Wald (2 von 3): Förster Achim Klausner führt die KRZ zum Alten Steinbruch und zum neuen Biotop

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    Paradies für Amphibien: Im Holzgerlinger Forst, zwischen dem Alten Steinbruch und der Weihdorfer Wiese, hat Forstrevierleiter Achim Klausner mit einigen fleißigen Helfern ein neues Biotop angelegt - Gemeinsam mit der KRZ sucht er nun einen Namen für das kleine Idyll Fotos: S. Schlecht

In den Ferien gehen viele Menschen auf Reisen, um die schönen und versteckten Orte der Welt zu entdecken. Dabei warten einige von ihnen direkt vor unserer Haustür. Die KRZ hat Förster aus der Region zu ihren Lieblingsplätzen im Wald begleitet. Achim Klausner hat uns den Alten Steinbruch in Holzgerlingen gezeigt.

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Lieblingsplätze im Schönbuch - Teil 2
Förster Achim Klausner zeigt uns einen seinen Lieblingsplätze in seinem Forstrevier.
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Artikel vom 22. August 2019 - 12:05

HOLZGERLINGEN. Früh am Morgen herrscht reger Betrieb in Holzgerlingen. Fleißige Hausfrauen und -männer erledigen Einkäufe in den Geschäften rund um die Ortsmitte, während schaffige Handwerker Hammer und Bohrmaschine auf den örtlichen Baustellen schwingen. Autos flitzen im Minutentakt durch die Straßen und die junge Generation tobt fröhlich lachend irgendwo hinter dem Schönbuch-Gymnasium herum. Auch mitten in den Ferien steht das Leben in der Stadt alles andere als still.

Ein wenig ruhiger geht es auf dem Parkplatz am Waldfriedhof zu. Nur ein paar vereinzelte Jogger, Wanderer und Erholungssuchende kommen auf ihrer Durchreise zum Schönbuch um diese Uhrzeit hier vorbei. Und Forstrevierleiter Achim Klausner, der heute seinen Lieblingsort im Wald ansteuert: Den Alten Steinbruch und das dahinter gelegene, nigelnagelneue Biotop.

Damit Förster und andere Besucher, die das frisch aufgehübschte Fleckchen aufsuchen wollen, sich zwischen all den Bäumen nicht verlaufen, weisen Rabe Fritz und Eule Emma ihnen den Weg. Genauer gesagt: Den Holzweg - einen 3,1 Kilometer langen Wanderlehrpfad mit insgesamt 14 Stationen, den die Stadt bereits 2007 eingerichtet hat.

Rund 15 Gehminuten vom Parkplatz entfernt, hinter einem Schaubienenstand und der Weihdorfer Wiese, die vermutlich auf die längst in Vergessenheit geratene ehemalige Ortschaft Weihdorf zwischen Holzgerlingen und Schönaich hinweist, schlüpft Achim Klausner zwischen den haushohen Bäumen hindurch. Und befindet sich damit an seinem heutigen Zielort.

Bunte Farbtupfer und dunkle Schatten

Nur wenige Schritte vom geschotterten Waldweg entfernt hat sich in der tiefen Grube des ehemaligen Steinbruchs ein kleiner Tümpel gebildet. Lilafarbene Weidenröschen, Blutweiderich und dunkelgrüne Farne schmiegen sich dicht an dicht an seine steile Uferkante. Im Schutz der bunten pflanzlichen Farbtupfer und unterhalb der leicht trüben Wasseroberfläche flitzen einige Schatten umher. "Manchmal sieht man hier auch die Frösche springen", sagt Achim Klausner. Heute lässt sich allerdings keiner der quakenden Gesellen blicken. Vielleicht sind sie bloß kamerascheu. Vielleicht haben sie sich aber auch einen anderen Ort zum vormittäglichen Herumplanschen gesucht.

"Früher haben die Leute hier Stubensandstein abgebaut", erklärt der Förster, der für die Forstreviere Holzgerlingen und Schönaich verantwortlich ist. "Aus diesem Material ist auch der Ulmer Münster gebaut, weil es so hart ist." Ob die Holzgerlinger in früheren Zeiten eine eigene Sandmühle besessen haben, um den Rohstoff zu verarbeiten, ist heute nicht mehr bekannt. "Vielleicht haben sie den Stein auch nach Rohrau in die dortige Mühle gebracht", überlegt Klausner.

Direkt hinter dem Tümpel ragt stolz eine riesige Fichte in die Höhe. Seit rund 120 Jahren wächst sie an dieser Stelle, reckt ihre langen Äste von sich und bildet für etwaige Waldbewohner und -besucher ein schützendes Dach. Einige ihrer Wurzeln verwandeln den Waldboden hinter dem Steinbruch in eine Buckelpiste, andere schlängeln sich überirdisch auf der anderen Seite den rauen Stein hinab. "Was der Baum hier macht, ist ziemlich imposant", meint Achim Klausner. Denn obwohl diese Lebensbedingungen für die Fichte eher suboptimal sind, scheint sie sich an Ort und Stelle pudelwohl zu fühlen. Und Hitze und Trockenheit aufgrund der klimatischen Veränderungen auf der Welt zu trotzen.

"Man kann es vielleicht mit dem Menschen vergleichen", erklärt Klausner den guten Zustand des Baumes. "Wenn du immer wohlhabend bist, viel zu essen hast, in einer bestens klimatisierten Wohnung wohnst und dann plötzlich in eine Krisenregion kommst, ist das für dich ein Schock und du gehst ein. Wenn du es allerdings nie wirklich gut hattest und immer schon mit wenig auskommen musstest, dann macht dir der letzte Sommer auch nix mehr aus."

Aber vielleicht ist es ja auch ein wenig den kleinen Holzgerlingern zu verdanken, dass die Fichte sich an ihrem kärglichen Leben erfreut. Denn mindestens einmal im Jahr darf der majestätische Baum beim Waldkonzert der Musikschule den Melodien lauschen, die die kleinen Gitarren-, Flöten- und Gesangsspezialisten unter Anleitung von Musikschulleiterin Susanne Staiger-Böttinger hier erklingen lassen.

Eine Burg für Räuber und Piraten

Auch die Minis des Waldkindergartens lassen sich öfter hier blicken und toben um den Baum herum. Deswegen hat die Stadt erst vor kurzem das gesamte Areal erneuert und eine hölzerne Sitzgruppe, eine Brücke über den Tümpel und eine lustige Holzmaske hier aufgestellt. Zudem haben einige Daimler-Azubis die Burg Sternenwald aufgebaut. Zugegeben, eine richtige Burg ist es nicht. Aber zumindest eine Vorderfront, die den Häuserkulissen in diversen Filmstudios nicht unähnlich ist. Und die geradezu dazu einlädt, sich einen Räuber- oder Piratenhut überzustreifen und einen hölzernen Degen vom Boden aufzulesen, um die Festung zu erobern. "Wir wollten hier extra keinen fertigen Spielplatz bauen, hier sollen die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf lassen", erklärt Achim Klausner.

Aber nicht nur kleine Abenteurer finden am Alten Steinbruch ein Paradies vor, auch große und kleine Entdecker können sich auf eine Forschungstour begeben. Dazu müssen sie nur dem mit Hackschnitzeln ausgelegten Pfad ein paar Meter weiter in den Wald hinein folgen. Auf einer Lichtung in Sichtweite der Weihdorfer Wiese haben Achim Klausner und einige Waldarbeiter erst im Frühjahr einen neuen See angelegt, der vor allem Amphibien eine neue Behausung bieten soll.

Zwischen raschelndem Schilf, fliederfarbenen Distelblüten, summenden Bienen, brummenden Hummeln und leuchtend bunten Schmetterlingen spiegelt sich die Sonne an diesem Morgen in der still daliegenden Wasseroberfläche. Die momentan zugegebenermaßen eine seltsame Farbgebung aufweist. "Noch ist das Wasser braun, weil bei der Befüllung der Boden aufgewirbelt wurde. Und der ist sehr tonhaltig", erklärt Achim Klausner. Erst im kommenden Frühjahr werde sich der Teich wohl endgültig geklärt haben. Was für das menschliche Auge derzeit also einer matschfarbenen Brühe gleicht, wirkt auf einige Waldbewohner allerdings wie ein großes Einladungsschild. "Einige Grünfrösche sind hier bereits eingezogen, und auch Bergmolche habe ich schon gesehen", verrät Klausner, der große Hoffnungen hegt, dass sich auch der eine oder andere Laubfrosch hierher verirren wird. "Vielleicht spricht es sich ja in der Froschzeitung herum, dass hier noch einige Immobilien frei sind", sagt er und grinst.

Ein Scherz, der nur wenige Sekunden später gar nicht mal mehr so weit hergeholt erscheint. Ein Laubfrosch ist zwar weit und breit noch nicht zu sehen, dafür allerdings ein anderer, in der Region selten gewordener Gast, den Klausner hier nicht unbedingt erwartet hätte. Innerhalb des Gewässers zieht an diesem Morgen nämlich eine junge Gelbbauchunke ihre Bahnen. "Normalerweise mögen sie große Teiche nicht sonderlich", sagt der Holzgerlinger Förster. "Allerdings bevorzugen sie neu angelegte Gewässer, weil es darin im ersten Bestandsjahr noch keine Libellenlarven gibt." Denn die wiederum fressen die unkenden Kaulquappen, die aus diesem Grund an diesem Ort im kommenden Jahr wahrscheinlich nicht mehr beobachtet werden können.

Einer der Gründe, weshalb Naturfreunde sicherlich über die noch nicht in voller Schönheit erstrahlende Wasserfarbe hinwegsehen und stattdessen von der hölzernen Traumliege am Teichufer oder vom Holzsteg im Wasser aus die Naturschauspiele beobachten können. Nur eine Bedingung stellt Förster Achim Klausner an die Erholungssuchenden: "Das Gewässer ist weder ein Bade- noch ein Anglerteich und muss unbedingt fischfrei bleiben!" Ein Appell, der nicht von ungefähr kommt, denn immer wieder finden er und seine Kollegen ausgesetzte Goldfische in den Tümpeln und Teichen des Schönbuchs. Ein Todesurteil für die dort lebenden Amphibien.

Neuer Teich muss fischfrei bleiben

Deshalb, so Achim Klausners Plan, soll künftig ein Holzschild auf das Problem hinweisen. "Vielleicht mit einem durchgestrichenen Goldfisch und einem Frosch darauf über dem ein Totenkopf schwebt. Auf jeden Fall etwas, das jeder versteht", sagt er und betont: "Aber ich bin ja Förster und kein Zeichner." Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja unter den Abenteurern und Entdeckern des Alten Steinbruchs und des neuen Amphibien-Paradieses noch ein findiger Künstler, der Förster, Laubfröschen und Gelbbauchunken mit dem Zeichenstift ein wenig unter die Arme greift. Damit auch in Zukunft noch heisere Unkenrufe und kehlige Quak-Geräusche Spaziergänger und Wanderer in die kleine Idylle im Holzgerlinger Forst locken.

  Noch sind die Stadt Holzgerlingen und Forstrevierleiter Achim Klausner auf der Suche nach einem Namen für das Biotop hinter dem Alten Steinbruch im Holzgerlinger Forst. Auch die KRZ-Leser dürfen sich an der Namensfindung beteiligen und ihre kreativen Vorschläge an die Email-Adresse schoenbuch@krzbb.de einsenden. Wer sich vor Ort noch Inspiration holen möchte, kann über den Holzweg oder eine verkürzte Route (rot) zu dem kleinen Idyll gelangen.