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Lea Salemi aus Holzgerlingen möchte als jüngstes Mitglied im Kreistag künftig einiges bewegen

"Gebt der Jugend eine Chance!"

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    Seit 2016 ist sie als Jugendgemeinderätin zwischen den Eulen und Raben Holzgerlingens zuhause: Nun wagt Lea Salemi den Sprung auf die Kreisebene - und will dort für einigen frischen Wind sorgen Foto: Sandra Schumacher

Sie ist jung, sie ist weiblich, sie ist politisch engagiert: Innerhalb der lokalen Gremien- landschaft ist Lea Salemi aus Holzgerlingen beinahe so etwas wie das lang gesuchte Einhorn. Als jüngstes Mitglied im Kreistag und Holzgerlinger Jugendgemeinderätin möchte die 18-Jährige so einiges bewegen. Was genau, das hat sie der KRZ verraten.

Artikel vom 19. August 2019 - 16:22

HOLZGERLINGEN. "Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich wirklich in den Kreistag einziehen würde", staunt Lea Salemi noch heute über das Ergebnis der Kommunalwahlen vom 26. Mai diesen Jahres. Insgesamt 4543 Stimmen hatte die Schülerin, die für die Grünen ins Rennen gegangen war, in Holzgerlingen geholt - und verwies damit das langjährige grüne Gremiumsmitglied Jens-Uwe Renz (4095) kurzerhand auf Platz zwei.

Der Kreistag hat einen Altersdurchschnitt von 54 Jahren

"Es war einfach so unwahrscheinlich, dass es tatsächlich klappt. Dass so viele Holzgerlinger mich wählen würden", erklärt sie. Schließlich stellen junge Menschen in diesem Gremium, das einen Altersdurchschnitt von 54 Jahren aufweist, Mangelware dar. "Als junge Frau ist man da schon ein wenig eingeschüchtert, wenn man vor so vielen Männern zwischen 40 und 50 sitzt. Natürlich nicht so arg, dass man sich nicht mehr traut, etwas zu sagen. Aber es ist schon komisch", sagt die 18-Jährige, die sich aber dennoch die Frage stellt, warum die Zusammensetzung ausschaut wie sie eben ausschaut.

Und da hat Lea Salemi auch die eine oder andere Vermutung: "Einerseits hat man als Bürgermeister oder als Mensch mit Doktortitel einfach einen höheren Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung. Und die Kommunalwahlen sind eben vor allem Personenwahlen", meint die Holzgerlingerin. "Das ist ja auch in Ordnung, schließlich bringen diese Menschen auch viel Kompetenz mit", sagt sie. Trotzdem sei es auch wichtig, das die Stimme der Jugend in den Gremien angehört werde. "Ich glaube, dass man sich nur eine Meinung bilden kann, wenn man sich unterschiedliche Standpunkte anhört. Und die verändern sich schließlich mit dem Alter", meint sie und nennt auch gleich zwei Beispiele:

Unterschiedliche Altersklassen haben verschiedene Perspektiven

So mache man sich in jungen Jahren nur wenige Gedanken um Barrierefreiheit, denke also nur selten beispielsweise an Rampen an Zugängen zu Gebäuden. Nicht aus Rücksichtslosigkeit, sondern einfach weil die Perspektive im Alltag fehle. "Andersherum sehen ältere Menschen vielleicht nicht, dass auf bestimmten Verbindungsstrecken ein Ausbau des Busnetzes notwendig ist. Wenn ich immer mit dem Auto fahre, bemerke ich das wahrscheinlich gar nicht", spricht sie ein Thema an, von dem sie weiß, dass es vielen Jugendlichen in Holzgerlingen und im Kreis auf der Seele brennt.

Zwar werde sich die Lage mit vollständiger Inbetriebnahme der Schönbuchbahn weiter entspannen, "aber der ÖPNV wird immer ein aktuelles Thema unter Jugendlichen im Kreisgebiet bleiben". Um eine Verbesserung des Netzes möchte sie sich künftig im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages, in dem sie einen festen Sitz erhalten hat, bemühen und die Perspektive der Jugend einbringen.

Für Lea Salemi ist das Thema Umweltschutz eine Herzensangelegenheit

Eine Altersgruppe, die ihrer Ansicht nach wesentlich politischer ist, als so mancher ihr nachsagt. "Man sieht es ja an der Fridays-For-Future-Bewegung. Dabei handelt es sich nicht um eine Modeerscheinung, es findet gerade eine wirkliche Veränderung in der Gesellschaft statt", meint sie. "Die junge Generation hat verstanden, dass sie etwas tun muss, weil sonst Dinge passieren, die eben nicht so cool sind." Auch für sie persönlich ist das Thema Umweltschutz eine Herzensangelegenheit - für das sie sich im Kreistag künftig stark machen will.

Dass junge Leute trotzdem so selten den Weg in die Partei- und Gremienarbeit finden, liege nicht etwa daran, dass die Politik bei ihnen nicht hoch im Kurs stehe. "Aber die Schwelle, aktiv seine Stimme zu erheben, ist schon ziemlich hoch. Viele haben Angst, nicht ernst genommen und nicht angehört zu werden." Sie selbst hingegen habe schon immer vieles kritisch hinterfragt und gerne ihren Standpunkt vertreten. Ein Vorbild sei da mit Sicherheit auch Mama Antonietta Scarano-Salemi gewesen, die in diesem Jahr für die BNU für den Holzgerlinger Gemeinderat kandidiert hatte.

"Deshalb liegt mir die Politik einfach", fasst Lea Salemi zusammen. Und deshalb habe sie auch mit ihrer Kandidatur ein Zeichen setzen wollen. "Ich will vor allem zeigen, dass die junge Generation da ist und mitbestimmen möchte. Natürlich können Entscheidungen auch ohne uns getroffen werden, besser wäre es aber, man würde uns miteinbeziehen", sagt sie und appelliert an die ältere Generation: "Gebt der Jugend eine Chance, wir werden sie nutzen."

Wenn Frauen sich gegenseitig stärken

Mit ihrem Einzug in den Kreistag senkt Lea Salemi aber nicht nur den Altersdurchschnitt, sie erhöht auch die Frauenquote, die im aktuellen Gremium bei 21,5 Prozent liegt. "Es ist ja nicht so, dass Frauen sich in unserem Kreis weniger engagieren", sagt sie. Vielmehr sei es der politischen Landschaft und in gewissem Maße auch dem Wahlverhalten geschuldet, dass der Frauenanteil niedriger ausfalle, als der der Männer. "In unserem Kreis dreht sich viel um die wirtschaftlichen Themen. Dementsprechend lassen sich viele Leute aufstellen, die einen eigenen Betrieb haben, und das sind eben meistens Männer." Abhilfe gegen diesen überproportional großen Männer-Anteil könnten, meint Lea Salemi, vor allem Projekte wie die FRIDA-Initiative des Landkreises schaffen. Dieser überparteiliche Zusammenschluss von Frauen setzt sich mithilfe von Vorträgen und Infoveranstaltungen dafür ein, einen höheren Frauenanteil in den Parlamenten zu erwirken.

"FRIDA ist super!", sagt Lea Salemi. Bei einer dieser Veranstaltung sei sie gewesen - und habe dabei zum ersten Mal die Idee gehabt, für den Kreistag zu kandidieren. "Eine der anderen Frauen hat mir das vorgeschlagen. Da habe ich mich wirklich ermutigt und durch die Gemeinschaft gestärkt gefühlt", sagt sie, fügt aber gleich hinzu, dass sie sich bisher sowohl als Jugendgemeinderätin in Holzgerlingen als auch als frisch gebackenes Kreistagsmitglied wertgeschätzt und gut aufgehoben fühle. Dennoch hält sie das FRIDA-Konzept sowie Mentoring-Programme von Frauen für Frauen für sinnvolle Konzepte, um den Frauenanteil in der Politik zu erhöhen - egal, ob auf Lokal-, Landes- oder Bundesebene.

Die Holzgerlingerin bleibt ihrem Ort weiterhin als Jugendgemeinderätin erhalten

Aber auch, wenn sie sich momentan in zweifacher Hinsicht in der Unterzahl befindet, so möchte Lea Salemi für einen gehörigen frischen Wind in den kommenden fünf Jahren im Kreistag sorgen. "Ich versuch' alles, ich bin bereit", sagt die selbstbewusste junge Frau, die den Holzgerlingern aber weiterhin als Jugendgemeinderätin erhalten bleiben will.

Weshalb sie nicht für den Holzgerlinger Gemeinderat kandidiert hat? "Das hätte sich mit meiner Arbeit als Jugendgemeinderätin ja irgendwie gedoppelt, deshalb habe ich mich für den Kreistag entschieden", sagt sie und betont: "Ich möchte auch zeigen, dass sich auch auf größerer Ebene etwas verändert, wenn man sich einsetzt. Und ich hoffe, dass jetzt auch andere und vor allem mehr junge Leute mitziehen."

► Hier geht es zum Kommentar von Sandra Schumacher