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Ein Road-Trip von Herr und Hund: Bernd Grünbaum mit Buda in Cuxhaven

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In den Alpen war er schon mit ihm, im Schwarzwald ebenso. Und weil der Aidlinger Bernd Grünbaum und sein Hund Buda jedes Jahr einen gemeinsamen Urlaub machen, sind sie jetzt nach Cuxhaven. Grünbaum auf dem Rad, Buda im Radanhänger. Ein kurioser Road-Trip einer eingeschworenen Paarung.

Artikel vom 13. August 2019 - 12:52

AIDLINGEN. Als Buda ein junger Hund war, ist er mit seinem Herrchen stundenlang durch die Lande gestreift. Laufend. Ob Herrchen joggte, wanderte oder (langsam) mit dem Fahrrad fuhr: Buda, der ungarische Vorstehhund, konnte mithalten. Manchmal hat er sogar geguckt, wo Herrchen eigentlich bleibt. Vorbei. Mittlerweile ist der Rüde der (seltenen) Rasse "Magyar Vizsla" neuneinhalb und hat eine weißgraue Schnauze. Eben mal stundenlanges Rennen geht nicht mehr. Aber deshalb auf Urlaub mit Herrchen verzichten? Geht ja mal gar nicht. Also hat Bernd Grünbaum, den alle Freunde "Greeni" nennen, einen Radanhänger gekauft. Und im Frühjahr hat er sich überlegt, dass Herr und Hund ein Ausflug ans Meer guttun würde, auch wenn (oder gerade weil) die See fast 1000 Kilometer weit weg ist.

Am Donnerstag, 1. August, sind sie losgefahren. Irgendwo im Hohenlohischen zwischen Heilbronn und Tauberbischofsheim. Budas Frauchen und Grünbaums Ehefrau Dani(iela) hat sie zum Startpunkt gefahren. Worüber die beiden Abenteurer froh waren. Nicht jeder kann von sich daheim sagen, er hätte eine so verständnisvolle "Regierung". Der knapp 54-jährige Aidlinger schon. Der hatte schon Urlaub, die Gattin noch nicht. Also ließ sie die beiden Rüden ihres Weges ziehen.

Der Ausdauer-Athlet sitzt im Sattel, der vierbeinige Freund im Anhänger

Wobei ziehen buchstäblich zu verstehen ist. Buda konnte nur noch morgens eine halbe oder dreiviertel Stunde parallel zum Rad laufen, abends nochmal eine halbe Stunde. Dazwischen ließ er sich kutschieren, hinten im Anhänger. Für Bernd Grünbaum auf dem Scott-Zugfahrzeug - ein sogenanntes Gravel-Bike - ein hartes Stück Arbeit bei Tagesetappen um die 100 Kilometer und einem 15er-Schnitt. Denn da kam gewichtsmäßig schon was zusammen.

Das Alurädle zehn Kilo, zwei Trinkflaschen zwei, das Gepäck in zwei Sattel- und einer Lenkertasche 20 Kilogramm. Hinzu kommen das Hundle mit 32 und das Kärrele mit 15 Kilo; Zelt und Unterlage addieren sich auf nochmals sechs. Heißt: 85 Kilo vom Fleck bewegen, deutlich mehr als das (hinzukommende) eigene Körpergewicht.

Was andere vielleicht hätte kapitulieren lassen, schreckt einen gestählten alten Triathleten nicht. Grünbaum war 26 Jahre lang beruflich in militärischen und polizeilichen Spezialeinheiten aktiv und ist jetzt Dozent an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg in Villingen. "Obwohl", grinst Grünbaum, "wenn ich da unterwegs manchmal einen Bahnhof und einen Zug gesehen habe, dachte ich schon mal kurz: Warum tust du dir das eigentlich an?" Doch dann habe er in die Augen seines besten Freundes gesehen und "wusste sofort wieder, weshalb ich das mache". Selbst dann noch, wenn es mal Katzen und Hunde geregnet haben sollte, der Wind dem Gespann ins Gesicht blies und sich Gewitter blitzend entluden. Bernd und Buda lassen sich nicht im Stich. Die sind wie Pech und Schwefel.

Zur Not würden sie, überspitzt gesagt, auch noch das Futter und den Napf teilen. "N bissle Brot und Schinken hat Buda neben seinem Hundefutter immer wieder mal von mir gekriegt", lacht der 53-Jährige. Ist doch klar, dass der Rüde was abhaben will von dem, was der Rudelchef mampft.

Auf dem Deutschlandradweg D 9 sind die beiden Navi-gesteuert über Würzburg am Main entlang, wechselten dann hinüber zum Weserradweg bis Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven. Fulda haben sie binnen neun Tagen auf Achse passiert, Kassel, Hameln - und unter freiem Himmel campiert. Ob am Fluss oder unter Waldbäumen. Buda stets an Herrchen geschmiegt wie zwei Unzertrennliche. Ob Naturpark Hess Rhön, Fähre oder Sightseeing an Fischkuttern: Das Handy blieb ausgeschaltet, die Ruhe wurde genossen, abends relaxt, gechillt, meditiert. Herr und Hund in höchster Harmonie. Gemeinsame Unternehmungen schweißen eben zusammen.

Viele nette Begegnungen mit Menschen, die einen bereichern

Total viele nette, neugierige und erzählfreudige Menschen hätten sie unterwegs kennengelernt, erzählt der sportliche Allrounder. Begegnungen, die einen bereicherten wie der Blick auf die Kaimauer der "Alten Liebe", der letzte Anleger im Hafen von Cuxhaven, über den Hermann Hesse eines seiner vielen Gedichte verfasst hat.

Ob es der letzte gemeinsame Urlaub dieser Art war? "Greeni" Grünbaum, eigentlich ein Fan der Berge, Wanderer und Kraxler im Fels, weiß es nicht, will aber nochmal auf Achse, solange es bei Buda noch geht. Der D-9-Radweg quer durch Deutschland beginnt im Süden eigentlich in Füssen. "Da bleibt fürs Hundle und mich also noch was offen, noch was zu tun", grinst der Abenteurer aus Aidlingen.