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Serie "Ausgefallene Hobbys" (2): David Günzler aus Waldenbuch hält sieben afrikanische Riesenschnecken in seinem Terrarium

Schleimige Mitbewohner

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    David Günzler sammelt Riesenschnecken seit er 16 Jahre alt ist - seine ersten Schnecken hat er von einer Züchterin gekauft Fotos: Wolfgang Frank

Die einen lesen gern, die anderen treiben Sport und manche spielen Schach. Hobbies gibt es wie Sand am Meer. Die KRZ hat sich nach ausgefallenen Freizeitbeschäftigungen umgeschaut und ist in Waldenbuch fündig geworden. David Günzler sammelt afrikanische Riesenschnecken. Oder genauer: Achatina fulica.

Artikel vom 06. August 2019 - 15:57

WALDENBUCH. Haustiere mag doch (fast) jeder gern. Ob flauschiger Hund, verschmuste Katze oder stummer Fisch - animalische Mitbewohner erfreuen sich zumeist großer Beliebtheit. Einige aber haben sich ungewöhnlicheren Lebewesen verschrieben. David Günzler aus Waldenbuch zum Beispiel.

Im ersten Stock des elterlichen Eigenheims, direkt gegenüber der Tür des Arbeitszimmers, hat er ein Terrarium eingerichtet. Innerhalb des rechteckigen Kastens sind einige Äste und grüne Pflanzen drapiert. An der seitlichen Glasscheibe zieht sich eine dünne Schleimspur entlang, an der oberen hängt ein etwa handflächengroßer, länglicher und weißlicher Körper mit braun-weiß marmoriertem Gehäuse. Es handelt sich um eine afrikanische Riesenschnecke. Was sie da tut? Eigentlich gar nichts. Und wenn, dann nur ganz, ganz langsam.

Das Gehäuse der Kriechtiere, die den wissenschaftlichen Namen Achatina fulica tragen, kann bis zu 15 Zentimeter groß werden. Zirka fünf Jahre werden die schleimigen Gesellen alt, die ursprünglich vom afrikanischen Kontinent stammen und mittlerweile auch in Südamerika vorkommen. Und - in einigen seltenen Fällen - auch in schwäbischen Terrarien.

David Günzler nimmt eine der beinlosen Zeitgenossen heraus und setzt sie sich auf die Hand. Wie ungehobelt. Scheinbar zutiefst pikiert ob der hinterhältigen Störung zieht sich die Schnecke in ihr Haus zurück. Wo sie sich wahrscheinlich ein wenig Zeit zum Bruddeln lässt. Denn wer sich so langsam bewegt, muss seine To-Do-Liste an einem Tag sorgfältig abarbeiten: Gemüse essen, dann wieder etwas ausruhen, nochmal Gemüse essen und wieder ausruhen. Da kommt eine solch unerwartete Unterbrechung eher ungelegen. Erst nach einer kleinen Weile steckt das Tierchen - ganz gemächlich - ihren Kopf aus dem Gehäuse heraus und fährt die Fühler aus. Neugierig schaut sie um sich, die Aussichtsplattform auf David Günzlers Hand scheint ihr dann irgendwie doch zuzusagen. Er versorgt die Riesenschnecken mit allem, was sie brauchen. "Ich war früher im Waldkindergarten, da waren wir immer draußen und haben Schneckenrennen veranstaltet", erzählt der 23-Jährige, der heute Geowissenschaften in Tübingen studiert. Gemeine Gartenschnecken als Haustiere waren ihm aber nicht genug - etwas Größeres musste her. Vor sieben Jahren besorgte sich David Günzler dann von einer Züchterin vier Riesenschnecken - und ist seiner Leidenschaft bis heute treu geblieben.

Vorsichtig setzt er das Exemplar von seiner Hand wieder ins Terrarium zurück. Direkt neben den kleinen Fressnapf vorne links. Dort liegt bereits ein kleiner Snack bereit - ebenso wie ein weiterer Artgenosse. Zurückgezogen in sein Häuschen hält er wohl nach einem schmackhaften Schmaus ein kleines Verdauungs-Nickerchen. Eine andere Schnecke klebt unweit vom Schauplatz entfernt an der Glasscheibe und streckt die Fühler aus. Vielleicht riecht sie noch ein paar Essensreste, die ihr schleimiger Kumpel übersehen hat. Schnecken haben zwar keine wirkliche Nase, aber einige Zellen, mit denen sie Gerüche aufnehmen können.

Alles, was er über die Haltung der Tiere wissen musste, hat David Günzler in Online-Foren nachgelesen oder auf Fach-Messen erfragt. "Eigentlich sind sie total pflegeleicht", sagt er. Einmal am Tag brauchen sie etwas zu essen - saftiges Gemüse mögen sie besonders gern. Dazu ist ihnen eine Temperatur von 25 Grad am liebsten und Feuchtigkeit ist auch immer willkommen. Wer schleimig sein will, braucht eben viel Wasser.

In dem Terrarium tummeln sich aber nicht nur Schnecken mit einer Größe von 20 Zentimetern. Auch kleinere Exemplare sind mit dabei. Sie sind noch im Wachstum, aber doch schon groß genug, um mit ihren älteren Artgenossen zusammenzuleben. Wenn David Günzler ein paar auserwählte, zwei Millimeter große Eier vom Rest separiert, zieht er sie zunächst in einem anderen Terrarium auf. Erst wenn sie etwas größer sind, dürfen sie in die Schnecken-WG einziehen.

Terrarientiere dürfen nicht ausgesetzt werden

Trotz ihrer majestätischen Optik sind die Tiere in Afrika und auch in Deutschland als Schädlinge eingestuft. Das heißt: Sie dürfen nicht ausgesetzt werden, damit sie sich nicht unkontrolliert fortpflanzen. "Das gilt aber im Prinzip für alle Terrarientiere", erklärt David Günzler. "Wahrscheinlich würden ausgesetzte Schnecken den Winter hier sowieso nicht überleben."

Doch der Waldenbucher lässt trotzdem Vorsicht walten. Mittlerweile hat er sieben Riesenschnecken. Um die Zahl des Nachwuchses unter Kontrolle zu halten, muss er immer wieder nach Gelegen suchen. Denn pro Wurf gibt es 100 bis 200 Eier. "Ich nehme ein oder zwei Eier heraus, den Rest friere ich ein und entsorge ihn dann", erklärt er. Schnecken sind Zwitter. Das heißt sie haben sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsorgane. Während der Paarung werden die Samen ausgetauscht, die die Schnecken speichern. Die Eizellen werden dann mit den gespeicherten Samen befruchtet und in einer Höhle im Boden abgelegt, bevor die kleinen Baby-Schnecken schlüpfen. Die bei David Günzler im Übrigen namenlos bleiben. "Auseinanderhalten kann ich sie aber schon", sagt er.

Nachdem die Schnecke sich auf den unerwarteten Schreck hin ein kleines Leckerli zur Nervenberuhigung gegönnt hat, streckt sie ein paar Minuten ihre Fühler in die Luft. Dann zieht sie sich wieder in ihr Häuschen zurück - ganz, ganz langsam. Von der Aufregung muss sie sich offenbar erstmal erholen.