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Die BMX-Strecke in den Altdorfer Seewiesen nimmt langsam Gestalt an

Die KRZ hat sich unter die junge Arbeiterschar gemischt

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    Nur Fliegen ist schöner: BMX-Fahrer in Altdorf. Foto EER

Seit Januar 2018 tüftelt eine Gruppe junger Männer mit Unterstützung von Jugend- referent Harry Sommer an einer BMX- Strecke in Altdorf. Nun liegen die Arbeiten in den letzten Zügen. Was die Jungs da weitestgehend in Eigenregie auf die Beine gestellt haben, kann sich wirklich sehen lassen.

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Altdorf, BMX-Strecke in den Seewiesen, fleißiges Buddeln. Fahren auf der neuen Strecke
Altdorf, BMX-Strecke in den Seewiesen, fleißiges Buddeln. Fahren auf der neuen Strecke
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Artikel vom 02. August 2019 - 12:55

ALTDORF. Dienstagnachmittag auf einem rund 3,50 Meter hohen Lehmberg in den Altdorfer Seewiesen. In der Nähe rumpeln die Bagger, die derzeit die junge Würm aufhübschen, das Thermometer zeigt lauschige 28 Grad und die Sonne brutzelt fröhlich vom Himmel herunter. Direkt auf den schwarzen, mit blauen und gelben Sternen versehenen Fahrradhelm von Killian Popp. Mithilfe seines Körpers holt der 17-Jährige Schwung - dann saust er auf seinem schwarzen BMX-Rad hinab in die Tiefe.

Seit seinem fünften Lebensjahr verbringt der Altdorfer einen Großteil seiner Freizeit auf dem Rad, ist mittlerweile Mitglied im Rad- und Kraftfahrerverein in Böblingen und trainiert seine diversen Tricks und Stunts so oft es eben geht. "In den Sommerferien sind wir eigentlich jeden Tag hier", erzählt er. Wir - das sind unter anderem Lawrence Fien, Karl Wimmer, Carol Kaluzny, Marc Lenhardt und Timo Preuschhoff. Sie sind, wie man so sagt, der harte Kern, der sich nicht nur zum regelmäßigen BMXen beispielsweise beim Sindelfinger Glaspalast oder auf dem Freizeitgelände in Hildrizhausen trifft, sondern der sich seit 2017 um die Erneuerung der damals ziemlich verlotterten Strecke in Altdorf bemüht.

Mit voll Karacho lehnt sich Killian Popp in die folgende, ziemlich schief liegende Rechtskurve, bevor er sich und sein Rad am Scheitelpunkt des Parkour-Elements ein paar Zentimeter in die Luft katapultiert. Das Geheimnis dabei? Spannung und ein gutes Körpergefühl. Während seine Kumpels am Rand der Strecke anerkennend mit dem Kopf nicken, landet Killians zweirädriges Gefährt wieder auf dem sicheren Boden. Seine Miene: völlig unbeeindruckt.

In einem ähnlich raschen Tempo nahm auch das Projekt Dirtpark (zu deutsch Dreck-Park) Fahrt auf. "Im Winter haben wir unserem Jugendreferenten eine Email geschrieben. Im Frühjahr darauf haben wir mit den ersten Arbeiten angefangen", erzählt Killian Popp begeistert über die schnelle Umsetzung der Idee. Dass der Zeitraum so kurz ausfiel, lag Harry Sommer besonders am Herzen. "Für die jungen Leute ist es wichtig, dass sie sehen, dass sie etwas erreichen können, wenn sie sich einsetzen. Das nennt man Selbstwirksamkeit", sagt er. "Und da sie ein anderes Zeitverständnis haben als Erwachsene, wäre eine zu lange Wartezeit hinderlich gewesen." Ratzfatz erarbeiteten die Jungs ein Konzept, stellten es persönlich den Damen und Herren des Gemeinderats vor - und ernteten für ihr Engagement durchweg Rückenwind seitens des Gremiums, der Verwaltung und der gesamten Gemeinde. Auch das Bauhofteam rückte immer wieder in die Seewiesen aus, um mit dem Bagger insgesamt 220 Tonnen Lehmboden auf der Fläche neben dem Beachvolleyball-Feld aufzuschütten. "Hätten wir diese Unterstützung nicht gehabt und hätten wir alles eigenhändig mit Schubkarren machen müssen, wäre heute noch nicht einmal der erste Hügel fertig", sagt Killian Popp.

Das nächste Hindernis auf seinem Weg ist ein so genannter Table (zu deutsch: Tisch). Ein weiterer Hügel, dessen Spitze seinem Namen entsprechend oben abgeflacht ist. Der junge Mann braust hinauf - wird langsamer - und lässt sein Rad entspannt rückwärts wieder herunterrollen. Ohne sich dabei die Mühe zu machen, sich umzuschauen. Mutig für den Laien, Alltagsgeschäft für die jugendlichen Profis.

Planung, Design und Gestaltung liegen in der Hand der Jugendlichen

Aber nicht nur die Idee, sondern auch die Gestaltung der einzelnen Lehmberge geht auf das Konto der fleißigen Jungs. Gemeinsam mit Freunden, Familie und anderen interessierten Jugendlichen aus der näheren Umgebung haben sie geschöppt und gebastelt, was das Zeug hält. Haben beispielsweise mithilfe von Böschungsschaufeln aus den aufgeworfenen Dreckhaufen die Wegeführungen modelliert und sie anschließend mit Wasser übergossen, damit die Risse verschwinden und die Strecke durch den glatten Belag an Speed gewinnt. Das kühle Nass haben sie dabei mit Gießkannen aus der neben ihnen plätschernden Würm geschöpft. "Auch die Altdorfer Feuerwehr hat an einem Tag ausgeholfen und das Gelände mit ihren Wasserwerfen abgespritzt", erzählt Harry Sommer. Schließlich lässt sich trockener Lehmboden nicht sonderlich gut formen. "Insgesamt dürften es rund 400 Arbeitsstunden gewesen sein, die alle Beteiligten bislang in das Projekt hineingesteckt haben", rechnet Harry Sommer vor, der "brutal stolz" auf seine Truppe ist. "Zum einen ist es natürlich ein tolles Zeichen, das die Gemeinde für die Jugendlichen gesetzt hat", meint er. "Gleichzeitig zeigt das Projekt aber auch den älteren Menschen, dass es nicht nur doofe Jugendliche gibt."

Noch einmal nimmt Killian Popp Schwung vom Starthügel aus, brettert durch die Kurve und den Table hinauf. Diesmal springt er über die Platte. Oder fliegt vielmehr darüber, denn in den wenigen Sekunden, bevor das Rad wieder auf der Erde aufkommt, hat der 17-Jährige noch Zeit für eine kurze Showeinlage: Etwa einen Meter über dem sicheren Grund zieht er seinen Lenker kurz nach rechts und scheint für einen kleinen Moment in der Luft zu stehen.

Zugegebenermaßen ziemlich beeindruckend, was die BMX-Cracks von der Schönbuchlichtung alles drauf haben. Aber was ist mit all denen, die noch nicht so viel Material in ihrer Trickkiste haben? "Wir haben hier schon alles gehabt, von kleinen Kindern mit ihren Laufrädern bis hin zu Senioren mit ihren E-Bikes", erzählt Killian Popp. Und genau so haben sich die Jungs ihr Projekt auch vorgestellt. "Wir wollten einen Dirtpark, den man auf viele verschiedene Arten nutzen kann, wo jeder was davon hat", sagt er. Deswegen ist vom Pump-Track - einer einfachen Strecke ohne große Sprünge, die nur mithilfe der Auf- und Abbewegung des Körpers auf dem Rad befahrbar ist - bis hin zu komplizierten Elementen, die eine ausgefeilte Technik erfordern, alles dabei. Noch gibt es keine Beschilderung der einzelnen Elemente, daran tüfteln die Jungs aber noch. "Vielleicht machen wir noch kleine Holztafeln, die die Schwierigkeitsgrade anzeigen", verrät Killian Popp.

Wer sich aber traut, auch mal neue Hindernisse und Techniken in Angriff zu nehmen, der kann einfach bei den erfahreneren BMXern nachfragen. "Das läuft bei uns so. Wer nicht genau weiß, wie etwas funktioniert, der fragt einfach die, die es können. Denn irgendwer ist eigentlich immer an der Strecke. Da kommen dann manchmal verschiedene Antworten raus, aber so lernt man's halt", erklärt der 17-Jährige und Harry Sommer fügt hinzu: "Das ist gelebte Jugendkultur. So ist das in dieser Szene."

Das eigentliche Highlight der Strecke kann Killian Popp heute noch nicht vorführen. Denn die so genannte Resi, eine Art großer Table, der auf der oberen geraden Fläche mit Rindenmulch ausgelegt wird, ist noch nicht fertig. "Da können diejenigen, die schon richtig was drauf haben, ihre Tricks üben. Wenn es einen dabei dann mal vom Rad haut, ist die Landung nicht so schmerzhaft", schwärmt der 17-Jährige. Bis dahin dauert es aber noch ein kleines Weilchen, meint Harry Sommer. "Wahrscheinlich werden wir Ende der Sommerferien oder ein bisschen später fertig. Dann gibt's wahrscheinlich auch einen Einweihungscontest."

Bis dahin heißt es für die Jungs: Weiter fleißig die Schaufeln schwingen. Und schon einmal auf den bereits vorhandenen Lehmhügeln testen, was man mit ein wenig Dreck, dem treuen Bike und dem eigenen Körper so alles anstellen kann.