Skater in Altdorf

Pferdehalter als Hürde für Skater

Altdorf sucht nach einem Platz für Skatepark - Standort Schaichhofstraße stößt auf heftigen Widerstand

Seit Jahren sind die Altdorfer auf der Suche nach einem geeigneten Skatepark-Areal für ihre Jugendlichen, immer wieder gab es in der Vergangenheit Anwohnerproteste. Doch auch am zuletzt favorisierten Standort in der Schaichhofstraße hängt ein Pferde- fuß: Pferdehalter vom benachbarten Reiter- hof machen massive Vorbehalte geltend.

Artikel vom 06. Februar 2014 - 15:12

ALTDORF. Für die Altdorfer Jugendlichen soll sich schon bald ein Wunschtraum erfüllen: Ein eigener Skatepark mit ordentlichen Schanzen, Half- und Quarterpipes und Abfahrten soll her. Rund 120 000 Euro will die Gemeinde dafür in die Hand nehmen. Und die Gemeinderäte waren sich am Dienstag in der Sitzung auch weitgehend einig, dass es endlich an der Zeit wäre, etwas für die Jugendlichen im Ort zu tun, nachdem in den Jahren zuvor Interessen vieler anderer Bevölkerungsgruppen bedient worden waren.

Ausgeguckt wurde ein Areal bei der Gemeinschaftsschuppenanlage an der Schaichhofstraße - das Steinlager des Bauhofs. Dabei handelt es sich um den fünften überprüften Standort, der vor allem einen entscheidenden Vorteil mit sich bringt: "Dieser Standort wäre ideal, weil er nicht zu weit außerhalb liegt und doch weit genug entfernt von der Wohnbebauung", so Jugendreferentin Petra Wolf vor dem Ratsgremium. Störenden Lärm von den Jugendlichen hätten die Anwohner dort also nicht zu befürchten (wie in den Seewiesen, beim Bauhof direkt oder zuletzt bei der Peter-Creuzberger-Halle) - weil es schlicht keine Bewohner in unmittelbarer Nachbarschaft gibt. Das Areal befindet sich zudem bereits im Besitz der Gemeinde. Ein weiterer Pluspunkt ist das Geländeniveau. Wie der Ludwigsburger Planer Peter Klucynski, der auch den Skatepark in Holzgerlingen realisiert hat, erläuterte, könnte die 25 auf 16 Meter große Anlage ohne weiteres zwei Meter tief ins Erdreich versenkt werden. Durch Anböschungen, Pflanzungen von Hecken, Wildzäune, hochgezogene Wände und angeschrägte Überdachungselemente könnte die Beschallung des Umfelds weiter eingedämmt werden. Wenn es dann noch gelänge, im Westen einige Quadratmeter Land dazuzuerwerben, könnte auch auf aufwendige Sicherungsbauten zur Schaichhofstraße hin verzichtet werden.

So weit, so gut. Doch in der Ratssitzung wurde heftig auf die Euphoriebremse getreten - und der eigentlich vorgesehene Standortbeschluss gekippt. Ursache dafür ist ein Protestbrief, der als Tischvorlage nachgereicht wurde. Unterzeichnet haben den Brief noch am Montag alle Pferdehalter, die in der benachbarten Pferdepension "Auf Rot" 23 Vierbeiner untergestellt haben.

Die Ställe dieser Pferdepension liegen 90 Meter entfernt vom geplanten Skatepark, doch die Weidekoppeln grenzen im Süden und Westen unmittelbar an das Planungsgebiet an. In dem Schreiben werden heftige argumentative Geschütze aufgefahren, die von der großen Mehrheit der Gemeinderäte als bitterböse "Unterstellungen" (Miriam Mickeler) empfunden und als "Zumutung" (Arnd Rehn) entschieden zurückgewiesen wurden. Etliche Passagen aus dem Brief lesen sich in der Tat wie ein Sammelsurium der ausgemalten Schrecklichkeiten: "Leider gibt es genügend Jugendliche, die eine solche Anlage nicht nur zu ihrem Bestimmungszweck nutzen und einen Anziehungspunkt für meist abendliche Treffen sehen . . . Da wird Alkohol getrunken, laute Musik gehört und so einiges geraucht . . . Der Müll wird in den allermeisten Fällen direkt vor Ort entsorgt. Naheliegend ist das Entsorgen auf den angrenzenden Weiden . . . Zudem kommen (angetrunkene) Jugendliche auch auf dumme Ideen. Vandalismus ist ja auch beim jetzigen Standort an der Sporthalle ein Problem . . . Hier sind das Durchschneiden des Koppelzauns, das Scheuchen der Pferde oder das Öffnen der Pferdeställe nur einige gefährliche Beispiele . . . Bei einem Besuch möglicherweise rauchender Skateanlagennutzer auf unserem Hof besteht Brandgefahr." Weiterhin wird ausgeführt, dass auf dem Reitplatz, angrenzend an die Koppeln, regelmäßig Reitunterricht stattfindet. Pferde seien Fluchttiere. "Schon harmlose Geräusche können der Anlass sein, dass Pferde durchgehen" - dies geschehe oft, wenn die Geräuschquelle nicht einsehbar sei, was beim Skatepark der Fall wäre.

Die Gemeinderäte zeigten sich überwiegend erschrocken von den vielen Unterstellungen gegenüber der Altdorfer Jugend: Er fühle sich an das Lied "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" erinnert, meinte Albrecht Brenner vom Altdorfer Forum. "Wir haben alle Kinder, doch keiner will sie haben", konstatierte Christoph Zipperer (BWV). Jürgen Wurster (BWV) setzte hinzu: "Wir wollen alle seit Jahrzehnten etwas für unsere Kinder tun, aber um Gottes willen nicht vor meiner Haustüre." "Den Verfassern muss der Gaul durchgegangen sein", befand Miriam Mickeler (BWV). Für sie ist es "beschämend", dass es so schwierig ist, einen Platz zu finden. "Aber wenn nachher tatsächlich jemand vom Pferd fällt, waren's die Skater - und das Geschrei ist groß."

Zuletzt wurde nicht, wie vorgesehen, ein Architektenauftrag an Planer Peter Klucynski vergeben; und die Beschlussfassung zur vorliegenden Entwurfsplanung am Standort Steinlager wurde abgesetzt. Stattdessen wurde der Gemeindeverwaltung einstimmig der Auftrag erteilt, nochmals intensiv auf die Suche nach Standortalternativen zu gehen, dabei auch ganz neue Flächen wie das Wasserhäusle im Riedwiesenweg beim Würmursprung, einen Platz beim Kindergarten Erlachaue oder einen Standort beim neu zu bauenden Radweg in der Nähe des Kreisverkehrs in Betracht zu ziehen. Parallel wird Bürgermeister Erwin Heller zeitnah das Gespräch mit den Pferdehaltern und den Betreibern des Pferdehofs suchen und eruieren, ob Vorbehalte ausgeräumt werden können. Ebenso sollen Gespräche mit dem Grundstückseigentümer der Koppel über den Ankauf einer kleinen Teilfläche im Westen geführt werden. "Wir wollen so schnell wie möglich einen Knopf dran kriegen und das möglichst noch im ersten Quartal ausschreiben", ist Heller nach wie vor von der Machbarkeit am Standort Steinlager überzeugt: Das Landratsamt habe eine Genehmigung bereits in Aussicht gestellt.