Skater in Altdorf

Altdorfer Rat begräbt Skaterprojekt für Jugendliche

Gemeinderat stellt einmütig fest: In Altdorf gibt es keinen geeigneten Standort - Schallimmissionen für benachbarte Gewerbefläche wären zu groß

  • img
    Am Rand des Gewerbegebiets Benz III in der Verlängerung des Weilemer Wegs schien im April eine allseits akzeptierte Fläche (schraffiert) gefunden zu sein. Doch der unumgängliche Schallschutz brach der Lösung wegen hoher Kosten das Genick Foto: Volker Winkler

Im Mai bei der großen Diskussion über Jugendbeteiligung im Altdorfer Bürgerhaus brach schon der Frust aus einigen Jugendlichen, dass sich die Entscheidung über den Skatepark so lange hinzieht. Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Es wird keinen Skatepark geben.

Artikel vom 03. Juli 2014 - 15:06

ALTDORF. Das Bedauern im Gemeinderat war wortreich und ehrlich. Das Ergebnis einer über zweijährigen Suche nach einem geeigneten Standort für eine Skateranlage ist frustrierend für alle Beteiligten - zuvorderst vermutlich für einige Jugendliche, die sich auch bei einigen Gemeinderatssitzungen für ihre Sache stark gemacht haben. Sie müssen für ihr Hobby wie bisher nach Holzgerlingen ausweichen - oder auf ruhige Computerspiele oder Taschenjojo umsatteln. Bürgermeister Erwin Heller: "Mir tut es auch leid: Wir haben in Altdorf keinen geeigneten und akzeptierten Platz."

Heller rekapitulierte in der Ratssitzung die unerquickliche Geschichte einer Standortsuche nüchtern. Demnach war als Ausgangslage der Wunsch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen an die Gemeinde herangetragen worden, ein Angebot für Skater, Inline- und BMX-Fahrer zu machen. Erstes Ergebnis waren einige mobile Elemente, die vor der Peter-Creuzberger-Halle aufgestellt wurden. Die Jugendlichen brachten sich dabei auch ein. Als dann aber eine Stahlkonstruktion aufgestellt wurde, war nach wenigen Tagen Schluss: Für die Anlieger zu laut. Im Sommer vor zwei Jahren fasste man dann zusammen mit dem Landschaftsarchitekten Peter Kluczynski das große Projekt Skatepark ins Auge - "der Traum unserer Jugendlichen".

Die Standortsuche schleppte sich hin. Im Februar diesen Jahres wurde dann intensiv im Gemeinderat und mit Bürgern diskutiert. Verworfen wurde ein Grundstück beim Bauhof, weil sich zum einen die Pferdeeinsteller des nahen Pferdehofs beschwerten und das Grundstück dann auch zu klein schien wegen einer unterirdischen Starkstromleitung, die nicht überbaubar ist. Mehr Grunderwerb war laut Heller nicht machbar.

Lärmschutzwand hätte weitere Kosten verursacht

Andere innerörtliche Standorte schieden wegen Lärmproblemen aus, außerörtliche wegen Bauverbot, das nur für die Landwirtschaft aufgehoben werden kann.

Der Standort am nordöstlichen Rand des Gewerbegebiets kam ins Visier. Im März gab der Gemeinderat mehrheitlich das grundsätzliche Okay. Um sicher zu gehen, dass die Anlage auch genutzt werden kann, beauftragte die Gemeinde das Ingenieurbüro Dr. Schäcke und Bayer mit einem schalltechnischen Gutachten. Und das brach dem Projekt jetzt das Genick. Laut Gutachten werden die Lärm-Immissions-Richtwerte zwar außerhalb der Ruhezeiten sowohl im nahen Wohn- als auch im Mischgebiet eingehalten, nicht aber in der direkten Nachbarschaft des eingeschränkten Gewerbegebiets. Dort ergibt sich bis zu einem Abstand von 30 Metern zur Skaterfläche eine Überschreitung: Erlaubt sind 65 dB(A), der rechnerische Pegel liegt bei 57 bis 74 dB(A). Auch der Richtwert innerhalb der Ruhezeiten (60 dB(A)) wird hier um bis zu 6 dB(A) und in den anderen Gebieten ebenfalls leicht überschritten. Laut den Fachleuten ist die Einhaltung der gesetzlichen Werte nur mit einer vier Meter hohen Lärmschutzwand auf der West- und Südseite erreichbar. Für Heller ist das Vorhaben damit gestorben: "120 000 Euro für die Skateranlage plus Baukosten für die Lärmschutzwand plus Grunderwerb sind finanziell nicht darstellbar." Sein Fazit: "Es hat einfach nicht sollen sein."

Als Notlösung schlug Heller vor, sich jetzt zusammen mit der neuen Jugendreferentin Laura Sennock und den Jugendlichen Gedanken über "Alternativen oder einfachere Angebote" zu machen. Laura Sennock meldete sich gleich im Zuhörerbereich zu Wort und setzte sich dafür ein, "die Jugendlichen jetzt nicht aus dem Augen zu verlieren: Das muss jetzt zackig gehen", sagte sie und hofft, dass die 120 000 Euro jetzt nicht in den Straßenbau gesteckt werden.

Außer Gemeinderätin Miriam Mickeler (siehe unten stehenden Artikel "Frustrierend und beschämend") drückte auch Wolfgang Wurster (beide BWV) sein Bedauern aus: "Uns sind die Hände gebunden. Alle wären guten Willens gewesen, aber der wurde durch das Gutachten durchkreuzt." Albrecht Brenner (AF) fassungslos: "Dass ein schwerer Lkw nachts um drei am Fenster vorbeirauscht, geht, aber mittags um eins kann man nicht skaten." Trotzdem gab es zu dem Beschlussvorschlag keine Gegenstimme (Stimmeenthaltung Mickeler): Vom Bau der Skateranlage wird abgesehen und es wird festgestellt, dass sich in Altdorf dafür kein geeigneter Standort finden lässt.