Skater in Altdorf

"An der Jugend hängt doch die ganze Welt"

Abschlussveranstaltung der Waldhaus-Aktion "Was meinscht Du?" mit sechs Jugendreferaten im Altdorfer Bürgerhaus

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Eine hohe Wahlbeteiligung von 16-Jährigen bei den Kommunalwahlen in zwei Wochen ist gern gesehen. Was aber, wenn die Jugend Forderungen aufstellt, mit denen Erwachsene ihre Probleme haben? Spannend, was Jung und Alt am Donnerstagabend im Altdorfer Bürgerhaus zu sagen hatten zum Thema Beteiligung unter dem Motto "Was meinscht Du?"

Artikel vom 10. Mai 2014 - 15:06

ALTDORF. In Schönaich, Weil im Schönbuch, Hildrizhausen, Holzgerlingen, Waldenbuch und Altdorf haben die Jugendreferate an insgesamt 19 Einsatzorten die Meinung der Jugend auf der Schönbuchlichtung eingesammelt. Auf Papierschnipsel, ins Mikrofon und auf Filmchen gebannt gibt es zig Antworten auf Fragen wie "Was kotzt Dich an?" oder "Was gefällt Dir an Deinem Heimatort?" Das Ganze verdichtet in einer 20-minütigen Präsentation. Da ist dann ganz offen viel Lob zu hören. "Das (Holzgerlinger Jugendkulturzentrum) W3 ist cool." Oder nüchterne Feststellungen wie diese: "Es fehlen gute Läden wie in Metzingen." Oder geradezu philosophische Antworten: "Wenn Waldenbuch eine Großstadt wäre, würde das nicht zu Walden-buch passen." Oder klare Aussagen: "Es fehlt ein Fußballplatz." Und in dem Schönaicher Film-Beitrag sagt eine Art maskierter Oberrichter mit verstellter Stimme "Wir lieben unsere Gemeinde."

Die Antworten sind ehrlich und benennen auch klare Problemzonen. Zum vierten Mal in zwölf Jahren haben die Jugendreferate der Gemeinden auf der Schönbuchlichtung, die alle unter dem Dach der Jugendhilfeeinrichtung Waldhaus organisiert sind, dem Meinungsaustausch zwischen Jung und Alt mit einer großen Aktion einen Schub gegeben. Diesmal im Vorfeld der Kommunalwahlen unter dem Titel "Was meinscht Du?" mit dem Oberthema Partizipation.

Als erstes Ergebnis gab es am Donnerstag nach der Präsentation der Meinungsbeiträge der Jugendlichen und jungen Erwachsenen einen ernsthaften und gleichwohl friedlichen verbalen Schlagabtausch zwischen rund 80 Diskutanten: Jung und Alt, Gemeinderäte aus allen sechs Orten sowie engagierte Jugendliche und Jugendreferate.

Schnell wird in der Diskussion klar, dass es für beide Seiten gar nicht so einfach ist, miteinander ins Gespräch zu kommen. Als Moderator Otto Kühnle, Redaktionsleiter der KREISZEITUNG, fragt, wann Ratsmitglieder das letzte Mal im Jugendhaus waren, gesteht Wolfgang Henne aus Altdorf, eigentlich bloß die schriftliche Vorlage des Jugendreferats zu lesen. Was eine Jugendliche aus Schönaich zu einem vielleicht überraschenden Statement veranlasst: "An der Jugend hängt doch die ganze Welt. Da ist es schön, wenn jemand kommen und damit Interesse an uns zeigen würde." Im Waldenbucher Jugendhaus, wo zumindest beim Tag der offenen Tür jede Menge Erwachsene auftauchen, hat man die Vorteile dieser Besucher bereits erkannt: "Die älteren Leute bringen Geld in die Kasse." Wolfgang Henne gibt den Ball an die Jugend zurück: "Ihr Jugendlichen dürft gerne auch nach uns gucken im Gemeinderat."

Die Entscheidung über den Skatepark in Altdorf zieht sich hin

Allerdings kommen natürlich auch nur dann erwachsene Zuhörer ins Rathaus, wenn sie von einer Entscheidung direkt betroffen sind. Und genau so haben Jugendliche in Altdorf vor kurzem reagiert, als Bewegung kam in das Jahre alte Thema Skatepark: Eine ganze Meute belagerte den Sitzungssaal. Doch die Entscheidung, wo der Skatepark gebaut wird, zieht sich, weil das demokratische Procedere eben nicht so einfach ist. Einer der Altdorfer Jugendlichen hat noch vor der Veranstaltung am Donnerstag den Platz, der nun am östlichsten Ortsrand gefunden wurde, als ideale Lösung bezeichnet. Bürgermeister Erwin Heller weiß jedoch, dass es nun erstmal eine Lärmschutzuntersuchung geben muss, weil auch dort Anlieger nicht begeistert über das Vorhaben sind. Das dauert. Und so hat Moderator Kühnle keine Mühe, den Frust der Altdorfer Jugendlichen offenzulegen. "Es ist deprimierend: Wenn man zum dritten Mal in die Sitzung geht, glaubt man nicht mehr dran," sagt Hannes, einer der Altdorfer Jungs, die sich schon lange für den Skatepark einsetzen. "Immer wieder kommt ein neuer Standort. Der Gemeinderat hat nicht den Mut, mal ein Ende zu machen."

Ein harter Vorwurf. Wobei man dem Altdorfer Rat den Willen, zu einer Entscheidung zu kommen, getrost unterstellen kann. Doch schon bei den vermeintlich kleineren Wünschen der Jugend ist die Lage oft vertrakt. Sich einfach mal irgendwo treffen zu

Ein ungestörter Platz zum Chillen ist schwer zu finden

können zum Chillen, also gepflegtes Nichtstun, wie es auch Erwachsene unter anderen Bezeichnungen anstreben, ist gar nicht so einfach. "So ein Platz, wo man die erste oder die letzte Zigarette raucht, muss möglich sein," sagt der Holzgerlinger Ratsherr Eberhard Binder. Aber auch in Holzgerlingen werden junge Leute oft genug von der Polizei verjagt, sogar Bußgelder seien schon verhängt worden. "Uns fehlen Chillplätze. Einfach eine Wiese mit einer Bank und zwei Mülleimern", kommt es von der Seite der Jugend. "Mal schaukeln auf einem Spielplatz nach 20 Uhr und eine rauchen - die Mütter machen das auch, nur wir dürfen es nicht." Verbotsschilder überall. Beschwerden von Anliegern gibt es sogar auch dann, wenn der Treffpunkt ganz am Ortsrand ist, so die Erfahrung der Jugendlichen.

Wo sollen sie hin, fragen sie sich. Alex Voigt, Leiter des Schönaicher Jugendhauses Urwerk, wartet mit einer Lösung auf, die zumindest eine zeitlang funktioniert hat: Ein Schönaicher Unternehmer stellte der Jugend den Firmenparkplatz im Gewerbegebiet als Treff zur Verfügung. Aber auch Unschönes haben Jugendliche erlebt: Am Chillplatz hat die Gemeinde den Mülleimer entfernt und danach hagelte es Kritik, weil alles vermüllt war. Und Müll, das macht die Jugend deutlich, sieht keiner gern.

Wie man mit Krach am Abend richtig umgeht, sagt ein Anlieger beim Altdorfer Feuerwehrhaus. Er ging nachts um halb eins raus und forderte im Auto sitzende junge Leute auf, ihr Radio leiser zu machen. Mit Erfolg. Wenn man respektvoll miteinander umgeht, geht das, ist seine Erfahrung. Und er hat einen Vorschlag an die Verwaltung: Am Wasserturm, ebenfalls ein beliebter Treffpunkt, wo man ruhig Krach machen könne, sollte ein Mülleimer aufgestellt werden. Der Holzgerlinger Ratsherr Manfred Stäbler hatte eine Anregung zur Güte für beide Seiten: die Toleranzgrenze nach oben setzen und mehr Verständnis für andere Menschen aufbringen.

Leichter gesagt als getan. Die ernsthafte und gleichwohl augenzwinkernde Mahnung von Otto Kühnle ging am Ende an die Entscheider: Wenn sich junge Leute bei einem Projekt einbringen, sollte es umgesetzt werden, bevor die Betroffenen im Rentenalter sind.

In den Rathäusern werden in den kommenden Wochen von den Jugendlichen erarbeitete Stellwände mit den dringendsten Wünschen und Vorschlägen zu sehen sein.