Skater in Altdorf

"Frustrierend und beschämend"

Erklärung von Gemeinderätin Miriam Mickeler vor der Abstimmung über die Skateranlage

Artikel vom 03. Juli 2014 - 15:06

ALTDORF (red). Vor der Abstimmung verlas Gemeinderätin Miriam Mickeler folgende Erklärung:

"Zuerst habe ich gedacht, dass eine Schallimissions-Beurteilung am Rande des Misch- und Gewerbegebiets ein schlechter Scherz sein muss. Wo, wenn nicht dort, darf es etwas lauter zugehen? Das Gewerbe ist ja auch nicht nur auf eine Halle beschränkt. Und wenn draußen gearbeitet wird, dann gehört ein gewisser Lärm einfach dazu. Deshalb baut man ja im Misch-und Gewerbegebiet.

Vier Meter hohe Wände rund um die Skateranlage, das ist für mich ein Symbol dafür, wo Jugendliche in unserer Gesellschaft ihren Platz finden. Ich finde es frustrierend und beschämend, dass die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen in unserer Gesellschaft immer weniger Raum haben dürfen und immer weniger Gehör finden.

Auf der einen Seite beklagt man sich, dass sich unsere Kinder viel zu wenig bewegen, zu dick sind und viel zu viel Zeit an den verschiedensten Bildschirmen verbringen. Wenn sie dann aber selber Ideen und Wünsche einbringen, dann können wir es gesellschaftlich nicht umsetzen. Und zwar deshalb, weil die Bedürfnisse des Einzelnen weit über denen unserer Kinder und Jugendlichen stehen. Wir entwickeln uns immer mehr zu einer egoistischen Gesellschaft. Da gibt es auch in Altdorf Beispiele. Zum Beispiel das Fußball-Kleinspielfeld. Es ist in den Außensportanlagen der Schule eingesperrt und darf an Wochenenden und in allen Ferien nie genutzt werden. Sehr zum Unverständnis und zum Frust der Kinder. Oder auch das Beachvolleyballfeld. Wenn nach halb zehn weiter gespielt wird, steht gleich ein Anwohner parat. Da wird auch schon mal die Polizei geholt, um die Jugendlichen zu verscheuchen.

Das schwierige ist, dass man heute alles haben möchte: die Nähe zur Großstadt, kurze Wege zum Arbeitsplatz und dann trotzdem leben wie auf der Schwäbischen Alb. Ruhe muss auf alle Fälle gewährleistet sein. Kompromisse zu schließen oder die Bedürfnisse des anderen zu sehen, ist immer weniger angesagt. Doch eine Gemeinde als Ortsgemeinschaft lebt davon. Ich sehe die Gemeinde trotz allen Widerständen in der Verpflichtung, die Bedürfnisse der Jugendlichen ernst zu nehmen. Wenn nicht wir, wer dann. Wir möchten ja allen Gruppierungen gerecht werden. Dazu gehört eben auch unsere Jugend. Schließlich sollten doch alle in unserer Gemeinde berücksichtigt werden, nicht nur die, die am lautesten schreien."