Skater in Altdorf

Skater-Kids suchen Auswege aus dem Frust

Ein Horde von zwei Dutzend Altdorfer Kids rütteln an dem Nein des Gemeinderats zu Flächen für Skater im Ort

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    Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahren, die gerne mal mit dem Skateboard fahren, haben sich am Sonntagabend vor der Peter-Creuzberger-Halle versammelt, um zu demonstrieren: Wir sitzen nicht nur vor dem PC, sondern haben Spaß daran, uns draußen zu bewegen Fotos: Jan Stefany

Man kann es sich vorstellen: Die Altdorfer Jugendliche, die sich seit einigen Jahren für den Bau eines Skaterparks eingesetzt haben, sich echt gefrustet. Im Gespräch mit der KREISZEITUNG zeigen sie kein Ver- ständnis dafür, dass der Gemeinderat letzte Woche fast einstimmig die Suche nach Platz für einen Skatepark aufgegeben hat.

Artikel vom 09. Juli 2014 - 15:00

ALTDORF. Hannes, sein Bruder Frieder und Jan sitzen in der Redaktion. Die drei 14- und 15-Jährigen haben sich zusammen mit einigen Freunden seit über sechs Jahren dafür eingesetzt, dass in ihrem Wohnort Altdorf Rampen und Lines für Skateboarder aufgestellt werden. Weil ihnen dieser Freizeitsport Spaß macht, ihnen und über zwei Dutzend Kumpels, die gerne mal über den Asphalt sausen. So wie man vor ein paar Jahrzehnten Roller gefahren ist, Rollschuh und später Rollerskates. Warum jetzt gar nichts mehr gehen soll in Altdorf, wo doch der Gemeinderat zumindest in seiner großen Mehrheit bis zuletzt hinter dem Projekt Skatepark gestanden sein will, verstehen sie nicht. Und nicht, dass auch nur einer den Mut hatte, gegen den Strom zu stimmen. Und auch nicht, dass der Lärm so unerträglich sein soll: "Wir sind doch keine Autobahn", sagt Frieder.

Und tatsächlich bleiben etliche Fragen hinter dem ausnahmslosen Nein des Gemeinderats in der vergangenen Woche zu dem Grundstück am östlichen Rand des Gewerbegebiets. Und zu dem einmütigen Beschluss des Gremiums, dass sich in Altdorf kein geeigneter Standort finden lässt. Fragen, die Hannes, Frieder und Jan stellen. Die Immissionsberechnung hat ergeben, dass im benachbarten Wohngebiet die Richtwerte nur in den Ruhezeiten überschritten werden. Was, wenn die Ruhezeiten eingehalten werden? Eine Überschreitung wurde auch außerhalb der Ruhezeiten festgestellt, allerdings nur im angrenzenden Mischgebiet und da liegt der gemessenen Wert im Bereich von 57 bis 74 dB(A9, im Mittel also rechnerisch genau auf Höhe des Richtwerts von 65 dB(A). Darf ein Richtwert eigentich gar nicht überschritten werden? Und was wäre, wenn man mit den zwei, drei betroffenen Eigentümern im Gewerbegebiet reden würde und die Malerfirma und der Gartenbauer würden sagen: Für uns ist der Geräuschpegel okay?

Die auf dem Rathaus haben zu schnell die Flinte ins Korn geworfen

Da müsste man auf dem Rathaus doch nachhaken, und nicht gleich die Flinte ins Korn werfen, meinen die Jugendlichen. Da müsste man doch zuerst mit den Leuten reden, meinen die Jugendlichen, und nicht gleich zur Abstimmung schreiten. Weil in dieser Hinsicht keiner für ihre Sache gekämpft hat, zumindest nicht nach außen sichtbar, sind sie eigentlich davon überzeugt, dass nicht wenige Ratsmitglieder ganz froh sind, dass aus dem 120 000-Euro-Projekt nichts wird. Entsprechend ist die Stimmung der Kids: "Wir sind demotiviert und echt enttäuscht", sagt Hannes. Zumal seit letzte Woche auch der letzte Skatepark-Rest an der Creuzberger-Halle abmontiert ist.

Die Jugend hat das Vertrauen zu den Gemeindevätern- und müttern verloren. Keine der Parteien habe im Wahlkampf den Skaterpark auf ihre Fahnen geschrieben. In dem Gespräch in der Redaktion wird die Vermutung geäußert, dass das Thema "runtergeschwiegen" wurde, um es nach der Wahl begraben zu können. Die Jugendlichen ärgern sich auch, dass gerade in der schwierigen Situation die Jugendreferentin Petra Wolf nach Schönaich wechselte und sie vom Nachrichtenfluss abgeschnitten waren: Sie habe immer geschrieben, wenn eine wichtige Sitzung des Gemeinderats war, vor der Sitzung letzte Woche aber, die mit einem einmütigen Nein endete, gab es keine Info.

Und was jetzt? Was passiert mit den Spenden vom Golfplatz und von den Gartenfreunden für den Skatepark? "Das Hingehalten-werden ist ganz schlimm", sagen die Jungs. Auf keinen Fall sollte die Verwaltung jetzt eine billige Lösung aus dem Hut zaubern. "Wir wollen was Richtiges, keine klappernde Holz- oder Metallkonstruktion sondern etwas, das lange hält und Spaß macht", sagt Hannes. Noch vor den Sommerferien soll ein Trostpflaster für die Jugendlichen beschlossen werden, versprach gestern noch einmal Hauptamtsleiter Roland Narr gegenüber der KREISZEITUNG. Die Rampe an der Creuzberger Halle soll ersetzt werden und vermutlich übernächste Woche soll es ein Gespräch mit den Skatern zusammen mit Jugendreferentin Laura Sennock geben.