750 Jahre Sindelfingen

"Wir sind gekommen, um zu bleiben"

1300 Gäste beim Sindelfinger Neujahrsempfang - Der Geist des Jubiläumsjahrs soll die Stadt auch in Zukunft beseelen

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Artikel vom 07. Januar 2014 - 16:54

SINDELFINGEN (wrh). Einen mächtigen Schlusspunkt hinter ihr Jubiläumsjahr 2013 setzte die Stadt Sindelfingen beim Neujahrsempfang 2014. Doch der (Gemeinschafts-)Geist, der die Stadt im vergangenen Jahr durchwehte, soll nicht verfliegen. Er soll die Einwohner auch künftig beseelen, auf dass immer mehr bekennen: "Sindelfingen isch mei Heimat".

1300 Bürgerinnen und Bürger wollen den Abgesang auf die 750-Jahr-Feier und den Aufbruch in ein neues Jahr miterleben. Den meisten von ihnen schüttelt Oberbürgermeister Bernd Vöhringer persönlich die Hand. Schornsteinfeger Detlef Lissner steckt ihnen einen Glückscent zu. Die großformatigen Fotos von Claudia Stretz, Ingrid Laub-Achterberg und Tarek Musleh, die die Veranstaltungen im Jubiläumsjahr ins Bild setzten, stimmen die Besucher schon im Foyer der Stadthalle auf das ein, was sie später noch erwartet. "Halli, hallo, wir feiern uns're Stadt", singen die Kinder in Peter Carles Film über die Jubiläumsveranstaltungen, von dem ein erstes Häppchen auf die Leinwand projiziert wird. Die Liedzeile wird zum Motto des Neujahrsempfangs.

Geburtstag. Die Stadtkapelle schmettert die Jubiläumsfanfare in den Saal. Die Musiker selbst sorgen dafür, dass in Sindelfingen die Anlässe zum Feiern nicht ausgehen, wird ihr Verein doch in diesem Jahr 125 Jahre alt. Und Horst Zecha, der Kulturamtsleiter, bei dem die Fäden für die Festveranstaltungen 2013 zusammenliefen, feiert an diesem Tag seinen 55. Geburtstag. Der OB holt "Mister Jubiläum" auf die Bühne und schenkt ihm zur Erholung von den Strapazen und Entbehrungen einen Wellness-Aufenthalt.

Was bleibt. Die Verantwortlichen des "großen Festes von Bürgern für Bürger", ruft der OB in Erinnerung, hatten sich vorgenommen, "vor allem das im Auge zu behalten, was über dieses Jahr hinaus wirkt und Impulse für unser weiteres städtisches Zusammenleben geben kann". Der Kuchenritt, der im Jubeljahr seine Wiederauferstehung in neuer Form erlebte, soll fortan regelmäßig wiederkehren. Und auch die Architekturspaziergänge und das Oktoberfest sollen eine Fortführung finden. Darüber hinaus setzt die Stadt darauf, dass die Bürger sagen, wie die Erfahrungen und Ereignisse des Jubiläumsjahrs für die Zukunft nutzbar gemacht werden können. Und ein Satz, den ein Junge in dem Multimedia-Spektakel "Sindolfs Traum" formulierte, ist bereits zu einer PR-Marke der Stadt geworden: "Sindelfingen isch mei Heimat."

Ein bisschen Politik. Aufs Feiern beschränken konnten sich die Sindelfinger 2013 nicht. Die Verhandlungen über den Ausstieg aus dem Klinikverbund Südwest und die Finanzierung des A-81-Deckels wie auch der Kampf für den Weiterbau der Darmsheimer Nordumfahrung kosteten viel Zeit und Energie. Das Gezerre um den Deckel, bekennt Bernd Vöhringer, sei für ihn besonders lehrreich gewesen: "Ich habe gelernt, dass man sich auf Vereinbarungen nicht verlassen kann." Die ursprünglich zugesagte Kostenbegrenzung für Städte und Landkreis sei "aufgrund des Unwillens der kommunalen Partner zu verhandeln" nicht durchzusetzen gewesen, klagt er OB - und meint mit seiner Kritik auch Landrat Roland Bernhard, der im Publikum sitzt.

Prosperierende Wirtschaft. Vöhringer erklärt 2013 zum "Jahr der großen privaten Investitionen". Möbel Hofmeister hat eröffnet, Bitzer hat ein Areal für eine neue Hauptverwaltung gekauft. Daimler hat eine Milliarde Euro in den Standort Sindelfingen gesteckt. Die MBtech Group konzentriert ihre Niederlassungen in einem neuen Hauptquartier auf dem Flugfeld. Im "Quartier F" wird eine lange klaffende Baulücke in der Innenstadt geschlossen - unter anderem mit dem Bau einer neuen Zentrale für die Volksbank, was die Perspektive eröffnet, dass die Stadt deren altes Gelände zusammen mit dem angrenzenden Postareal überplant.

Erinnerungen an 2013. Die Akteurinnen und Akteure des Musicals "Sirenen der Heimat" leiten mit dem Song "Bella Italia" und dem "Widerstandslied" zu dem Teil des Abends über, der mit "Jubiläumsendveranstaltung" überschrieben ist. Dann sind auf der Leinwand plötzlich drei Menschen zu sehen, die allen in guter Erinnerung sind, die das "Sindolfs Traum" miterlebten: Die Kinder Celine (Lilly Hild) und Kilian (Stefan Siebert) zeigen Sindolf (Ingo Sika), dem Gründer der Alamannensiedlung, die Sindelfingen den Namen gab, was aus seiner Stadt geworden ist. Der Besucher aus der Geschichte ist tief beeindruckt - vor allem von den "komischen Streitwagen ohne Pferde mit Sternen vorne drauf". Begeistert ist Sindolf auch, als ihm OB Vöhringer auf dem Laptop einen Film über den Festreigen im Jubiläumsjahr zeigt.

Wir bleiben und die Zukunft ist da. Und dann stehen all jene Personen, die das Publikum aus "Sindolfs Traum" kennt, noch einmal auf der Bühne. "Wir sind gekommen, um zu bleiben mit euch in dieser Stadt", singen die "Leitfiguren unserer kraftvollen Stadt, die aus dem Erbe der Vergangenheit Zukunft schöpft". Nach und nach legen Stadtgründer Pfalzgraf Rudolf (Bernd Vöhringer), Mechthild von der Pfalz (Ingrid Balzer), die gemeinsam mit ihrem Sohn Eberhard im Bart mit dem Geld des Sindelfinger Chorherrenstifts 1477 die Universität Tübingen gründete, und die anderen Boten aus der Vergangenheit ihre historischen Kostüme ab und schlüpfen in moderne Gewänder. Grundschüler bringen wie beim Kuchenritt mit ihren bunten Kleidern und Ringen "Farbe in die Stadt". Der Farbkreis wird zum "Symbol für Zukunft, Schönheit, Toleranz, Kultur und Wissenschaft". Vier Mitglieder des 2013 erstmals gewählten Jugendgemeinderats machen mit ihrem Wunsch nach einem Jugendkulturzentrum in der City deutlich, dass die Kommunalpolitiker, die Sindelfingen gern als kinder- und jugendfreundlich preisen, schon noch etwas tun müssen, um diesem Anspruch voll und ganz gerecht zu werden. Da klingelt zum x-ten Mal das Handy des Regieassistenten Daniel Dietrich und diejenige, deren Ankunft sich bereits mehrfach verzögert hat, ist nun endlich da: die Zukunft! Frank Martin Widmaier, der künstlerische Leiter des Jubiläumswochenendes im Juli, hat mit Unterstützung vom Komponist Adrian Werum und Historiker Klaus Philippscheck ein Sinnbild dafür zu schaffen, wie der Gemeinschaftsgeist und die Identifikationskraft, die im Jahr 2013 gewachsen sind, das Stadtleben auch in Zukunft befruchten können.

Feuerwerk. Die Wandlungen auf der Bühne liefern reichlich Gesprächsstoff für den Stehempfang, bei dem sich die Gäste durchs Foyer schieben und gegen eine Spende zugunsten der Weltläden in Sindelfingen und Maichingen einen Happen essen und ein Gläschen trinken können. Dem Feuerwerk auf der Bühne folgt anderthalb Stunden später ein Feuerwerk im Freien. Die Sindelfinger Firma Skyfire verzaubert mit ihrem Farben-, Formen- und Klangspektakel die Gäste an diesem Abend ein letztes Mal.