750 Jahre Sindelfingen

Jubiläumsgeist soll Langzeitwirkung entfalten

"750 Jahre Sindelfingen": Rund 50 000 Menschen erlebten am Wochenende Kuchenritt, Zeitspaziergang und "Sindolfs Traum" mit

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    Neun Lanzen, neun Ringe, neun Farben: Der neu konzipierte Kuchenritt hat auch ein neues Symbol KRZ-Foto: Thomas Bischof

In Sindelfingen kehrt nach dem Jubiläums-Wochenende wieder der Alltag ein. Doch die für Kuchenritt, Zeitspaziergang und "Sindolfs Traum" Verantwortlichen wollen gar nicht, dass die Stadt wieder ganz in ihren normalen Betriebsmodus zurückfällt, sondern dass der Geist des Jubiläums möglichst lange nachwirkt.

Artikel vom 23. Juli 2013 - 15:30

SINDELFINGEN. Montagvormittag um halb zehn auf dem Marktplatz. Dass sich hier an den beiden Abenden zuvor jeweils etwa 7000 Menschen drängten, um das Multimedia-Spektakel "Sindolfs Traum" zu bestaunen und zu feiern, lässt sich nur noch erahnen. Techniker auf einem Hubarbeitsbühne sind dabei, das Equipment zu bergen, mit dem die Show an die Fassade der Galerie projiziert worden war. Mitarbeiter der Wirte, die den Hunger und den Durst der Gäste stillten, klappen Biertischgarnituren zusammen. Berge von Leergutkisten zeugen davon, dass ein in doppeltem Sinne heißes Wochenende hinter ihnen liegt. Von der Bühne am unteren Marktplatz werden die Scheinwerfer abmontiert. Schülerinnen und Schüler räumen die Container in der Planie aus, in denen sie für den Zeitspaziergang Aspekte der jüngeren Stadtgeschichte präsentiert hatten.

Auf dem Parkplatz an der Martinskirche steht eine einsame Kühltruhe. Im Probsteigarten ist wieder himmlische Ruhe eingekehrt. Der Schaffhauser Platz ist bereits abgeräumt und scheint auf das nächste Fest zu warten. Axel Finkelnburg biegt noch ziemlich geplättet in die Untere Vorstadt ein. Er war am Wochenende in vielfältigen Rollen zu sehen: Als Stadtrat verteilte er beim Kuchenritt im (schweißtreibenden) historischen Gewand Laugenkringel an die Schüler. Dann schlüpfte er ins Kostüm des alamannischen Sippenführers Sindolf und erinnerte beim Daimler, der sich ebenfalls am Zeitspaziergang beteiligte, die Besucherinnen und Besucher an den Namensgeber der 750-jährigen Stadt. Und in "Sindolfs Traum" am Abend gab er den Mönch Kilian, der die Gegend um Sindelfingen christianisierte. "Eine Nacht noch, dann geht's wieder", sagt er und stapft weiter.

Die Siedlungen der Steinzeitmenschen, der Kelten, Römer und Alamannen im Sommerhofenpark sind verschwunden. Nur Infotafeln erinnern noch an das rege Treiben, das am Samstag und Sonntag dort herrschte. Auch die Ehrentribüne für den Kuchenritts ist abgebaut. Im dürren Gras ist nur noch der Kuchen markiert, in dessen neun Segmenten sich die Schüler aus neun Grundschulen am Samstagvormittag gesammelt hatten. In seinen Mitte stecken noch die neun weißen Lanzen mit je einem bunten Ring, das Symbol des neu konzipierten Kuchenritts.

Frank Martin Widmaier, der künstlerische Leiter des Stadtjubiläums, ist "glücklich, dass alles so wahnsinnig gut gelaufen ist". Überall in der Stadt habe eine entspannte Atmosphäre mit begeisterten Menschen geherrscht. Die Organisatoren schätzen, dass am Wochenende rund 50 000 Besucher bei den Veranstaltungen waren. Doch nicht allein die Masse macht's. "Ich hatte das Gefühl, dass sich die Leute für die Geschichte Sindelfingen interessieren", sagt Widmaier. Diesen Eindruck bestätigt Horst Zecha, der Leiter des Kulturamts und der Organisationskomitees fürs Jubiläum. "Die Besucher haben es als außerordentlich positiv wahrgenommen, dass sie auf ein Fest mit Inhalt kamen, auf dem es nicht nur ums Essen und trinken ging", berichtet er.

"Eine völlig neue Dimension" habe Sindelfingen mit "Sindolfs Traum" beschritten, sagt Zecha. Bei diesem Multimedia-Spektakel seien Licht- und Toneffekte nicht um Light und Sound willen eingesetzt worden, sondern um Inhalte zu vermitteln. "Geschichte", sagt Frank Martin Widmaier, "wird nur über Emotionen transportiert."

Horst Zechas Wunsch, dass am Jubiläumswochenende "ein Fest von Sindelfingern für Sindelfinger" gefeiert wird (bei dem natürlich auch Auswärtige nicht wieder heimgeschickt worden sind), hat sich erfüllt. Und auch das Konzept des Zeitspaziergangs sei aufgegangen, zieht er Bilanz: "Die Be-

Kuchenritt "herrliches Spektakel"

sucher wurden dorthin geführt, wo Sindelfingen am schönsten ist: in den Sommerhofenpark, in den Stiftsbezirk, in die Altstadt." Viele Gäste seien erstaunt darüber gewesen, Sindelfingen auf eine Weise kennenzulernen, wie sie die Stadt bisher nicht kannten.

Als "herrliches Spektakel" hat der Orga-Chef auch den neu inszenierten Kuchenritt erlebt. "Die Idee ist gut; auf ihr kann man aufbauen - wenn wann will", deutet Zecha an, dass dies nicht der letzte Kuchenritt gewesen sein könnte. Doch über eine Fortführung der alten Tradition in neuer Form "müssen andere entscheiden". Bei den Verantwortlichen setzt man darauf, dass der Geist, der die Stadt im Jubiläumsjahr durchweht, eine Langzeitwirkung entfaltet. "Es wäre schön, wenn das Gefühl ,Sindelfingen ist unsere Heimat gestärkt würde", sagt Zecha.