750 Jahre Sindelfingen

(Beinahe) Wegen Überfüllung geschlossen

Das Multimedia-Spektakel "Sindolfs Traum" hat am Samstag- und Sonntagabend die Menschen auf dem Sindelfinger Marktplatz begeistert

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    So wie in diesem Bild hat man die Städtische Galerie Sindelfingen garantiert noch nie gesehen - und den Marktplatz vermutlich noch gar nie so voll wie bei "Sindolfs Traum" Fotos: Thomas Bischof

Kann man die Qualität des beleuchteten Rathauses an Silvester und des Festakts in der Stadthalle im April noch steigern? Das haben sich viele Mit-Feierer des Stadtjubiläums in Sindelfingen gefragt. Seit dem Wochenende ist klar: Irgendwas geht immer. Zumindest audiovisuell war "Sindolfs Traum" unschlagbar.

Artikel vom 22. Juli 2013 - 15:24

SINDELFINGEN. Das Multimedia-Spektakel hat am Samstag- und am Sonntagabend Menschenmassen auf den Marktplatz gelockt, wie man sie womöglich die letzten Jahrzehnte nicht mehr im Herzen der Stadt gesehen hat. Eine Sardinenbüchse war nichts im Vergleich zu dem, was sich an den beiden herrlichen Sommernächten vor der Galerie als Projektionsfläche versammelt hat. Stehend an den Rändern, sitzend in der Mitte, auf dem Asphalt hockend direkt vor dem klassizistischen Bau. Beinahe hätte man sagen müssen: wegen Überfüllung geschlossen. Die Galerie-Frontseite bildete gewissermaßen die Dialeinwand für ein Farben-, Formen- und Videospektakel, das seinesgleichen sucht. Frank Martin Widmaier, künstlerischer Leiter des Stadtjubiläums, hat mit der Open-Air-Multimedia-Show und dem Live-Theater (Textfassung: Kai Schubert) ein einstündiges Historien-Spiel inszeniert, das die Menschenmenge in ihren Bann zog.

Zumindest diejenigen, die zeitig genug gekommen waren, um einen direkten Blick auf das "Mittlere Rathaus" zu erhaschen. Sie hatten gewissermaßen Vollformat-Kino mit Logenblick und Breitwand-Cinema. Was "Rathaus-Beleuchter" Fabian Krause samt seinem Team hier filmisch, projektorisch und als 3-D-Animation auf die Beine gestellt und "Sound & Light" aus Leonberg technisch final umgesetzt haben, hat den bisherigen Festlichkeiten zum Stadtjubiläum eine Krone aufgesetzt. Sindolf, der sagenhafte Gründer der Stadt, hat jedenfalls gut geträumt und nicht etwa schlecht geschlafen oder gar einen Albtraum gehabt.

Die Regie dimmt das Scheinwerferlicht herunter: Vorm fast pünktlichen Beginn um 22 Uhr hatten die "Security"-Ordner nochmal alle Hände voll zu tun, störende Querbewegungen vor der riesigen Gala-Leinwand der Galerie zu unterbinden. Dann ging's los mit dem Live-Epos auf der Balustrade und den Sequenz-Einspielungen auf dem gesamten Gemäuer.

Die Geschichte, beginnend im Jahr 263: Celine (Lilian Hild) und Kilian (Stefan Siebert) lösen mittels einer Handyapp ungewollt eine Zeitreise aus. Beam me back, Scotty, würde man im Raumschiff "Enterprise" gesagt haben. Eine Zeitreise, die ein wenig an Jules Verne erinnert. Die allerdings einen Magneten hat, der sich durch all die Epochen durchzieht: "Sindolf", der Stadtgründer, eine legendäre alemannische Kunstfigur, gespielt von Ingo Sika, semiprofessionelles Schauspieltalent, dessen Verkörperung dieser Rolle man kaum hätte steigern können. Unglaublich freilich auch die Textsicherheit und darstellerische Gewandtheit des Jugendlichen-Duos Lilian Hield und Stefan Siebert.

"Eine Stadt, viel schöner als BB" - da klatscht das Publikum und grinst

Herrlich auch die zugespielten Mimen, die man in der Regel nicht an ihrem Äußeren, sondern nur an der Stimme erkannt hat. Ähnlich den Hollywood-Recken im Kino. Ein Schmunzeln wert zum Beispiel Bernd Vöhringer, den man in seiner Kutte mit Bart und Haarpracht im echten Leben kaum - nein: niemals (!) wiedererkannt hätte. Dabei spielte der Stadtchef von heute einen besonders charmanten Part: den Pfalzgrafen Rudolf, den Unterzeichner der Stadturkunde, der über seinen Böblinger Vetter spottete: "Was der gemacht hat, kann ich schon lange - eine Stadt gründen, die viel schöner ist als die in Böblingen" (spontaner Beifall, markantes Gegrinse). Ebenfalls herrlich - ohne die Leistungen aller anderen schmälern zu wollen: Ingrid Balzer als Mechthild und ihr Sohn Eberhard alias Matthias Hanke in Ritterrüstung.

23 Uhr: Das Spektakel ist aus, wir geh'n nach Haus. Sindelfingen kam jedenfalls erneut super raus.