750 Jahre Sindelfingen

Vielfältige Facetten der Stadtgeschichte

Das große Festwochenende zum Jubiläum "750 Jahre Sindelfingen" rückt näher - Kuchenritt, Zeitspaziergang und Sindolfs Traum

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    Die Proben für den Zeitspaziergang liegen in den letzten Zügen: Wilhelm Ganzhorn, der Entdecker der Keltenhügel in Sindelfingen, trifft auf den Alamannen Sindolf (im Vordergrund) und den Kelten Teutates KRZ-Fotos: Simone Ruchay-Chiodi
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    Hightech pur: der Fahrsimulator im Mercedes-Benz Technology Center. Daimler führt ihn am Stadtjubiläums-Wochenende vor KRZ-Foto: Annette Wandel
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    Sindolfs Traum: Kilian und Celine machen eine Zeitreise mit dem Alamannenführer

Das zentrale Jubiläums-Festwochenende rückt näher: Am 20. und 21. Juli wird die Geschichte Sindelfingens in vielfältigen Facetten erlebbar - und zwar weit über jene 750 Jahre hinaus, die es sich offiziell Stadt nennen darf. Was die Zukunft bringt, ist vor allem bei Mercedes-Benz zu sehen. Die Autobauer feiern an beiden Tagen mit.

Artikel vom 12. Juli 2013 - 14:48

SINDELFINGEN. "So viel Geschichte - so viel Zukunft" ist das 750-Jahr-Jubiläum Sindelfingens überschrieben. Dieses Motto gilt ganz speziell für die Ereignisse am Wochenende 20./21. Juli. Kuchenritt, Zeitspaziergang, die Multimedia-Show "Sindolfs Traum" beleuchten die Geschichte der Stadt von allen Seiten.

Am Anfang steht der Neuentwurf einer alten Tradition: des Kuchenritts. Je 100 Dritt- und Viertklässler der neun Sindelfinger Grundschulen ziehen am Samstagmorgen aus verschiedenen Richtungen in den Sommerhofenpark ein. Dort treffen sie mit dem Oberbürgermeister und Stadträten zusammen. Die jüngsten Bewohner der Stadt "bringen Gaben und äußern Wünsche; sie wollen etwas beitragen und bringen, aber auch etwas zurückbekommen", beschreibt Frank Martin Widmaier, der künstlerische Leiter der Veranstaltungen, die Idee, die hinter dieser modernen Form des Aufeinandertreffens von "Obrigkeit" und "Untertanen" steckt. Jede Schule ist einheitlich in eine Farbe gewandet. Der Farbkreis "ist ein Zeichen für Einheit in der Vielfalt, ein Sinnbild für Toleranz und gelingendes Miteinander einer kreativen Stadtgesellschaft", sagt Widmaier.

Etwas miteinander auf die Beine zu stellen und miteinander zu feiern, greift OB Dr. Bernd Vöhringer diesen Faden auf, sei die Grundidee für die Jubiläums-Festivitäten generell. Gerade in den Krisenjahren sei in Sindelfingen ein Netzwerk aus bürgerschaftlichem Engagement und den im Kultur- und Veranstaltungswesen Bediensteten der Stadt geknüpft worden, das sich jetzt bewähre. "Das ist ein großer Reichtum, auf den sich Sindelfingen stützen kann", sagte Vöhringer am Freitag bei einer Pressekonferenz. Allein am großen Festwochenende wirken 1000 Ehrenamtliche mit.

Viele davon beim Zeitspaziergang, einem kompakten Trip durch die Sindelfinger Geschichte. Startpunkt ist der Sommerhofenpark, wo am eigens errichteten Keltenhügel die ältesten Epochen der Stadthistorie veranschaulicht werden. Der Spaziergang führt quer durch die Stadt. Überall werden den Gästen Facetten der Stadtgeschichte in Szenen, musealen Darstellungen und Mitmach-Projekten nähergebracht.

Wer sich durch die Stadthistorie geguckt hat, auf den wartet dann noch ein ganz spezieller Aspekt, der seit fast 100 Jahren untrennbar mit Sindelfingen verbunden ist: das Mercedes-Benz-Werk. Die Autobauer, verspricht Projektleiter Klaus Fischer, gönnen den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen und sie lassen sie in die Zukunft der Mobilität schauen. Ein Shuttle-Bus sammelt Interessierte auf und bringt sie ins Kundencenter. Die Fahrt führt durchs Werksgelände zum Mercedes-Benz Technology Center. Wer dabei ist, lernt die Produktionsmethoden bei Daimler, die Produkte, den Fahrsimulator, die Windklimakanäle, Versuchs- und Innovationsfahrzeuge kennen. Mutige können sich bei Offroad-Simulationen und auf der Einfahrbahn auf den Beifahrersitz setzen. Am Samstag sind Führungen im Presswerk. Und mit so mancher Überraschung warten Fischer und sein Team auch auf. 350 Daimler-Mitarbeiter seien am Jubiläumswochenende im Einsatz, sagt der Organisationschef.

Doch für die Gäste ist noch nicht Feierabend, wenn sie im Shuttle-Bus zurück in die Stadt sitzen. Wenn sich die Dunkelheit über die Stadt senkt, können sie an beiden Abenden auf dem Marktplatz in Sindolfs Traum schwelgen. Bei den beiden 13-Jährigen Kilian und Celine löst eine Handyapp eine Zeitreise aus. Sie werden ins Jahr 263 katapultiert, wo sie den alamannischen Sippenführer Sindolf treffen. Mit ihm zusammen unternehmen sie eine abenteuerliche Reise durch die Zeit. Stadtgeschichte blitzt in Video-Einspielungen, Animationen und Live-Theater auf. "Sindolf", erzählt Frank Martin Widmaier, "verliebt sich am Ende wieder in seine Stadt." Doch die Sache endet tragisch: Die Zeitmaschine holt ihn wieder und schickt ihn ins Jahr 263 zurück.

Kuchenritt, Zeitspaziergang, Sindolfs Traum: Widmaier ist stolz darauf, was da unter seiner Regie entstanden ist. "Da ist nichts von der Stange", sagt er. Kulturamtsleiter und Festkomitee-Chef Horst Zecha ist überzeugt, dass am 20./21. Juli auch das Wetter mitspielt. Er erwartet, dass bis zu 100 000 Gäste nach Sindelfingen strömen, um in die Stadtgeschichte einzutauchen und sich zu vergnügen. Wer meint, er schaffe es nicht, sich das Angebot in seiner gesamten Fülle reinzuziehen, dem rät Zecha, sich wie an einem kalten Büfett zu verhalten: "Sie können sich die zehn Angebote raussuchen, die sie für die besten halten."