750 Jahre Sindelfingen

Schlechtes Gewissen und ein notwendiger Diskurs

Petrus Ceelen fordert zum Engagement für "Menschen im Schatten" auf - Ehrenamtliches Engagement bei Christen und Muslimen

  • img
    Erwin Teufel mit Kirchentags-Logo

Artikel vom 01. Juli 2013 - 14:39

SINDELFINGEN. Petrus Ceelen war Gefängnis- und Aidskrankenseelsorger und er hilft mit dem Verein "Die Brücke" Menschen am Rande der Gesellschaft. "Ich bereite den Leuten, die mich einladen, ein schlechtes Gewissen", sagt er am Ende seines Auftritts beim "Rathausforum" im Rahmen des Kirchentags. Die Zuhörer sind betroffen, als er davon erzählt, wie die Würde von Junkies, Prostituierten, Aidskranken, Bettlern und anderen "Menschen im Schatten" jeden Tag mit Füßen getreten wird. "100 helfende Hände, aber nicht ein erhobener Zeigefinger", anerkennt er zwar das karitative Engagement der Kirchen, vermisst aber deren Protest gegen Missstände.

Christine Arndt, CVJM-Vorsitzende und Koordinatorin der außerunterrichtlichen Angebote an einer Grundschule, anerkennt zwar, dass es in Sindelfingen ein enges soziales Netz gibt, das viele Menschen auffängt, aber sie kennt auch Familien, die durch dessen Maschen fallen. Mit ein bisschen Fantasie und Kreativität, legt sie OB Dr. Bernd Vöhringer ans Herz, mit ein bisschen weniger Beharren auf Paragrafen und Richtlinien "ließe sich da helfen, wo die Strukturen versagen". Arndt will den Wind, der mit dem Kirchentag entfacht wurde, mitnehmen, damit sich die Kirchen "gemeinsam für die Ärmsten in der Stadt einsetzen und dem OB in bestimmten Punkten auf die Füße treten".

"Kirche darf durchaus unbequem sein", gesteht Bernd Vöhringer zu, schiebt dann aber nach: "Auch wenn man nicht alles machen kann, was sie sagen." Er fordert Protestanten, Katholiken, Methodisten und Baptisten auf, den gesellschaftspolitischen Diskurs fortzusetzen, den sie mit dem Kirchentag angestoßen haben.

Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel stellt in seinen Ausführungen zum Kirchentags-Motto "Kirche findet Stadt" fest, dass die christlichen Kirchen "mehr Verbindendes als Trennendes" hätten. Er fordert sie auf, den eingeschlagenen Weg weiterzubeschreiten, denn "die ökumenische Eintracht stärkt die Glaubwürdigkeit der Kirchen in der Öffentlichkeit". In ihre gemeinsame Suche nach der Stadt Bestem schlossen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen auch die Muslime ein. "Freiwillig engagiert für Gott und Menschen" war eine Talkrunde überschrieben, in der Christen und Muslime über ihre Beweggründe für ehrenamtliches Engagement sprachen. "Für mich ist das ein großer seelischer Gewinn. Es macht mein Leben komplett", sagt Mariam Hijazi von der Islamischen Kulturgemeinschaft. Und der evangelische Kirchengemeinderat Albrecht Schäfer nannte seinen Glauben als Triebfeder für sein Engagement: "Wir haben von unserem Schöpfer den Auftrag, das Licht in die Welt hinauszutragen." Christine Arndt rief die Christen und Muslime dazu auf, die Religion der anderen nicht nur zu tolerieren, sondern zu akzeptieren.