750 Jahre Sindelfingen

Festakt mit furiosem Final-Feuerwerk

"Was ihr hier mit eigenen Akteuren auf die Bühne zaubert . . .": Sindelfinger Jubiläumsabend begeistert auch Partnerstadt-Delegationen

Lang war er, der Festaktabend zum Sindelfinger 750-Jahr-Jubiläum in der Stadthalle. Fünf Stunden Programm. Doch Langeweile kam unter den 1000 Gästen keine auf. "Bewundernswert, was ihr hier mit eigenen Akteuren auf die Bühne zaubert", begeisterte sich Raphael Rohner.

Artikel vom 22. April 2013 - 14:00

SINDELFINGERN. Das Mitglied der Stadtregierung aus Sindelfingens Partnerstadt Schaffhausen war auch am Tag darauf noch hin und weg. Der 55-jährige promovierte Baureferent fand den Festakt "sehr gut organisiert", die ganze Schweizer Delegation "wunderbar empfangen" und er bewunderte "all diese Darbietungen von Einheimischen, wo sich andere ihre Cracks einfach einkaufen".

Motto gelungen. Der Ansatz, dass Sindelfinger Vereins- und Kulturmacher mit und für ihre Bevölkerung feiern, scheint also voll gelungen. Was einem Mann recht gibt, der im Hintergrund "nebenbei" die Fäden des Festprogramms zieht, das ein Jahr lang 100 Aktivitäten umfasst: Horst Zecha. Der Schul- und Kulturamtsleiter bekam mehrfach den Beifall des Auditoriums. Ein Applaus, der dem Schaffer und Macher beinahe unangenehm war. Schwäbische Bescheidenheit.

Applaus, Applaus. Doch noch einer hat die Festgesellschaft mit seiner Verve nachhaltig beeindruckt: Stadtmusikdirektor Markus Nau. Dass der wie ein Derwisch dirigieren kann, wissen Konzertgänger schon lange. Nun wissen es noch sehr viel mehr. Musik ist sowieso der beste Botschafter unter Menschen und Kulturen, wie es am Freitagabend hieß.

Menschliche Moderation. Einen weiteren Glücksgriff hatte die Stadt mit SWR-Moderatorin Stefanie Anhalt getan. Nau hatte sie zuletzt beim Daimler-Mitarbeiterfest zum 125. Jubiläum des Automobils im Festzelt erlebt und für den Fest- und Kraftakt vorgeschlagen: "Warum nehmt ihr nicht die?" Ein Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. "Unprätentiös", "unaffektiert", "genau richtig. Eine sympathische Frau", hieß es über die Rundfunkmacherin. Auch bei den Proben am Donnerstagabend habe sie stundenlang alles mitgemacht, lobte Horst Zecha. Der durfte bei der Gelegenheit übrigens den Ministerpräsidenten mimen. Der OB dagegen mimte den OB. So was nennt man authentisch.

Stadtchef auf der Showtreppe. Als der OB als Gastgeber die rote Showtreppe hinab schritt, lästerte eine Journalistin: "Na ja, nicht jeder ist ein Harald Schmidt." Leicht gesagt. Der hat ja auch jahrelange Übung. Am Rednerpult noch etwas steif (wie so oft, wenn er am Manuskript "hängt"), wirkte Bernd Vöhringer beim Talk in freier Rede wie ausgewechselt. Apropos freie Rede. Die sonst oft locker-flockig-spitzen "Schwätzweiber" Sabine Duffner und Gudrun Hornikel muteten auch ein wenig wie mit angezogener Handbremse an. Stimmt's, was kolportiert wurde: dass ihre Konversation zuvor einen städtischen Filter passieren hat müssen? Dieses Duo muss man schwätzen lassen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Starke Einspieler. Bei Technik und Konzeption einer solchen Veranstaltung darf man dagegen nichts dem Zufall überlassen. Frank Martin Widmaier als "Regisseur" des Abends und seine Crew haben ganze Arbeit geleistet. Aber auch die Macher von Sim TV mit starken Einspielern - etwa den fotounterlegten Videobotschaften aus den Partnerstädten. Deren Glückwünsche zum Stadtjubiläum Sindelfingens kamen wunderbar sympathisch rüber. Da schwang sicher die Wertschätzung für eine Kommune mit, die Weltoffenheit pflegt. Die Mischung aus Bodenständigkeit, Verwurzelung und Internationalität lobte auch Daimler-Werkleiter Dr. Willi Reiss in der Talkrunde. Das gebe dem Standort Sicherheit, so Reiss, der unter Beifall lobte: "Wir haben eine klasse Belegschaft da draußen." Sehr nett auch, dass die Auftritte der wunderbar fluffigen "Suzuki-Strings" der Jugendmusikschule und des hochkarätigen Kammerorchesters mit Mozarts "Kleiner Nachtmusik" von Rundflug-Projektionen über die Stadt begleitet wurden.

Fulminanter Funkenregen. Gegen Mitternacht ging es, als die STB-Big Band mit federnden Jazzrhythmen zum krönenden Höhepunkt überleitete, der beinahe noch ins Wasser gefallen wäre. Den aber "Skyfire" rettete. Die Feuerwerks- und Sprengtechnik-Spezialisten aus dem Hinterweil hatten kurzfristig einspringen müssen, weil der ursprüngliche Anbieter ausgefallen war. Eine Fahrzeug-Havarie, die nicht einfach behebbar war, weil ja Gefahrgüter bewegt wurden. Halb fünf war es, als Harald Wochelen, einer der beiden Chefs von "Skyfire", aus der Stadthalle den Anruf bekam, ob er sieben Stunden später dem städtischen Festakt das Sahnehäubchen aufsetzen könne. Wer eine Ahnung davon hat, was es heißt, die Batterien aufzustellen, die elektronische Steuerung zu programmieren und zu Händels Feuerwerksmusik sieben Minuten 46 Sekunden lang Effekte sekundengenau synchron abzuschießen, kann über die Leistung der Sindelfinger nur staunen. Wochelen: "Das war das schnellste Feuerwerk, das wir je hatten. Coole Aktion. Keiner hat was gemerkt." Der Kracher, gewissermaßen.

Holz und Stolz. Zuvor waren drinnen noch alle Aktiven des Abends zum großen Gruppenbild auf die Bühne gekommen, um zusammen mit Chorsängern aus dem Publikum zur "Freude-schöner-Götterfunken"-Melodie Horst Zechas Jubiläumslied als bewegenden Schlussakkord aus vollen Kehlen gemeinsam zu schmettern:

"Lasst uns eine Stadt gestalten

Die ein Herz und eine Seele hat

Blühe, unser Sindelfingen

Blühe, uns're Heimatstadt.