750 Jahre Sindelfingen

Jubiläumsfest soll Bürgergesellschaft Flügel verleihen

Festakt "750 Jahre Sindelfingen" mit abwechslungsreichem Programm - Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann feiert in der Stadthalle mit

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    Ein Jubiläumsfest mit vielen Facetten: Stefanie Anhalt moderiert eine Talkrunde mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) und Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer.KRZ-Fotos: Thomas Bischof
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    Ein Virtuose am Klavier: der 14-jährige Jonathan Hanke
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    "Timbaland - Hands in the Air": Die Jazzdancerinnen des Tanzsportclubs im VfL Sindelfingen legten eine flotte Show auf die Bühne

Mit Fanfarenklängen, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und einem facettenreichen Programm feierte die Stadt Sindelfingen am Freitagabend in der Stadthalle ihr 750-Jahr-Jubiläum. OB Dr. Bernd Vöhringer war sich mit dem Landesvater einig, dass Feste wie dieses die Bürgergesellschaft beflügeln.

Artikel vom 22. April 2013 - 14:30

SINDELFINGEN. Zum Auftakt schmetterten Blechbläser der Stadtkapelle Sindelfingen, der Musikkapelle Maichingen und des Musikvereins Darmsheim die eigens von Wolfram Graf komponierte "Sindelfinger Festfanfare" in den Saal. Von vier Seiten beschallten sie das Publikum, sodass Musikdirektor Markus Nau alle Hände voll zu tun hatte, um sie im Zaum zu halten. Moderatorin Stefanie Anhalt war die Erste, die die Showtreppe auf der Bühne der Stadthalle herunterschwebte. Ihr tat es kurz darauf der Gastgeber, Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer, gleich.

Obwohl er der Chef sei, frotzelte Vöhringer, müsse auch er sich an strenge Redezeitvorgaben halten, die ihm die Organisatoren des Festprogramms gesetzt hatten. Dass Sindelfingen gerade im April Jubiläum feiert, kommt nicht von ungefähr, schließlich ist die Urkunde, die ihre Stadtgründung besiegelt, im April 1263 ausgefertigt worden. Die gesamten Jubelfeierlichkeiten sollen nach Vöhringers Willen zu einer Gemeinschaftsaktion möglichst vieler Sindelfinger werden. "Wir wollen das Jubiläumsjahr als Chance für die Stärkung und Weiterentwicklung unserer Bürgergesellschaft nutzen", sagte er. Vöhringers Rede wurde von Applaus unterbrochen, als er das Engagement von Kulturamtsleiter Horst Zecha und der von ihm geleiteten Projektgruppe für das Jubiläum würdigte.

Jonathan Hanke ist 14 und auf dem besten Weg, in die Wikipedia-Rubrik "Berühmte Söhne und Töchter der Stadt Sindelfingen" aufgenommen zu werden. Warum, das zeigte der Pianist, als er Aram Khachaturians "Toccata in Es-Moll" vortrug. "Der Junge", lobte Stefanie Anhalt den Nachwuchskünstler, "ist nicht von seinem Klavier wegzubekommen."

Im Gegensatz zu Bernd Vöhringer betrat Winfried Kretschmann die Bühne von unten. Aus einer Siedlung "im Schatten des Chorherrenstifts" sei Sindelfingen zu "einem modernen, dynamischen und wohlhabenden Mittelzentrum" aufgestiegen. "Nicht eure Martinskirche hat eure Stadt in ganz Baden-Württemberg bekanntgemacht", rief der Ministerpräsident den Zuhörern zu, "sondern dass ihr Zebrastreifen aus Carrara-Marmor habt." Doch habe er sich aufklären lassen, dass die Marmorsteine betriebswirtschaftlich vorteilhaft seien. Deshalb setzte er seinen Gedankengang fort: "Ich habe mir gleich gedacht, dass die Sindelfinger sich sogar noch am Carrara-Marmor in schwäbischer Sparsamkeit üben." Winfried Kretschmann gratulierte den Kommunalpolitikern dazu, dass ihre Stadt so gut dasteht, verhehlte aber nicht, dass auch das Land mit Fördermitteln sein Scherflein dazu beigetragen habe. "Selbst bei der A 81 - wenn auch nur ungern."

Stefanie Anhalt bat Kretschmann und Vöhringer zu einer kleinen Talkrunde. Der OB erzählte davon, mit welch rauschender Party samt Lichtshow im Rathaus die Sindelfinger in ihr Jubiläumsjahr gestartet sind. Und der Ministerpräsident entgegnete auf die Frage, ob er außerhalb Baden-Württembergs immer noch dem Vorurteil begegne, die Schwaben könnten nicht feiern: "Lassen wir sie doch im Glauben, dass wir immerzu schaffen, dann können wir ungestört feiern, auch wenn das manchmal a bissle hehlinge geschieht."

Neben seinem Job als Kulturamtsleiter und oberster Jubiläumsorganisator hat Horst Zecha auch noch das Buch "Sindelfingen und seine Altstadt - ein verborgener Schatz" herausgegeben. Die ersten Exemplare des Werks verehrte seinem Auftraggeber, Dr. Bernd Vöhringer, und Winfried Kretschmann. Bücher, DVDs, Sekt, Schnaps und vieles andere mehr - Jubiläumsdevotionalien priesen auch die Schwätzweiber Katreene und Mariele. Doch sie hatten noch ein ganz spezielles Anliegen. Sie wollen vom "Landesvater

Orden für Frauen, die sich ehrenamtlich engagieren

zom Alanga" einen Batsch, den sie quasi wie einen Orden an alle Frauen weiterzugeben ankündigten, die auf irgendeinem Feld der Bürgergesellschaft ehrenamtlich tätig sind "ond dia sonscht wenig Dankschee kriagat". Der Ministerpräsident schüttelte ihnen nicht nur bereitwillig die Hand, sondern drückte den Schwätzweibern auch noch Küsschen auf die Wangen.

Ehe sich die Bühne in einen alten Schulsaal verwandelte, in dem Dr. Barbara Scholkmann, bis 2007 Professorin für Archäologie des Mittelalters an der Uni Tübingen, die Geschichte Sindelfingens lebendig lassen zu werden versprach, rüttelten die Jazzdancerinnen des Tanzsportclubs im VfL Sindelfingen das Publikum kräftig durch.