750 Jahre Sindelfingen

Aufs "Handwerk mit Tradition" legt er Wert

Sindelfingens Jubiläumstaler kommen nicht aus China, sondern aus Renningen - von Münz- und Schaupräger Patrick Simm

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    Silber, Gold, Kupfer, Messing. . . Ob Edel- oder Buntmetall - der Kunde kriegt, was er will
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    Patrick Simm in seinem Büro (linkes Bild) mit seinem Musterkoffer KRZ-Foto: Dannecker
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    Das "Alte Rathaus", perfekt graviert und auf edles Metall geprägt

Man könnte ihn auch aus China beziehen, aber wer will das schon: Sindelfingens Jubiläumstaler zur 750-jährigen Geschichte kommen aus lokaler Nähe. Münzpräger Patrick Simm (40) aus Renningen ist ihr Produzent. Anlass für eine Stippvisite bei ihm in der Werkstatt in der Industriestraße.

Artikel vom 28. März 2013 - 14:24

RENNINGEN/SINDELFINGEN. Wer Geld drucken kann, muss vermögend sein. Sollte man meinen. Doch Patrick Simm winkt sogleich ab. Zwar prägt er kleine Schätze im großen Stil. "Aber glauben Sie mir: Richtig reich werd ich nicht damit", lacht der Mann mit der Kurzhaarfrisur. Klagen tut er indes auch nicht. Die Geschäfte gehen ordentlich. Und das deutschlandweit.

Denn Simm, der in Renningen mit zweieinhalb Leuten unterwegs ist (ihm inklusive) und ein paar Aushilfen hat, hat einen guten Ruf in der Branche. Zwar kommen viele Kunden auch übers Internet (google@word). Zahlreiche aber auch über die Mund-zu-Mund-Propaganda. Der 40-Jährige verspricht nicht nur "Handwerk mit Tradition". Er hält die Garantie offensichtlich auch. "Gucken Sie", zeigt er auf die Münze mit dem Sindelfinger "Alten Rathaus", dessen Vorlage er aus der Stadtverwaltung bekommen hat: "So eine Qualität bekommen Sie aus China nicht."

Gut, auch Patrick Simm hat schauen müssen, wo er Kosten einsparen kann. Deshalb hat er auch einen kleinen Betrieb in Tschechien aufgemacht, wo die Lohnkosten geringer sind, und beschäftigt dort "zwei sehr gut ausgebildete Graveure": Miro Habetinek und Petr Budina. Doch der Sindelfinger Jubiläumstaler ist - Ehrensache - noch komplett "Made in Renningen".

Wie kommt so ein detailliert-anspruchsvolles Motiv auf die Münze? "Das Aufwendigste dafür ist der Prägestempel", sagt Patrick Simm. Dafür müssen erst einmal zwei Kunststoff-Schablonen her - in der dreifachen Größe der späteren Münze. Auf sie werden Vorder- und Rückseite des Münzmotivs hineingeritzt. Dann geht es damit an einen "Panthographen", wie die Kopierfräs- beziehungsweise Prägemaschine im Fachbegriff heißt.

Danach wird das Kunststoffteil mit einem Stift abgefahren und in das (kleinere) Originalprägestück hineingefräst. So entsteht die Vorlage, ein zweidimensionaler Prägestempel. "Jetzt wird dann mit einem Handmeißel die dritte Dimension herausgestanzt. Das ist die eigentliche Kunst. Zumal das ja auch alles spiegelverkehrt passiert", schmunzelt Münzpräger Simm und lässt keinen Zweifel daran, dass er solche Käpsele beschäftigt. Spricht's und zeigt auf eine Maschine, in der ein Korb rotiert: "Da drin werden die Münzen in einem Stahlkugelbad und mithilfe von Polierpaste auf Hochglanz gebracht. Der Laie staunt nur so, was es braucht, bis ein Motiv auf Metall geprägt ist. Zum Beispiel dürfe der Prägestahl dafür weder zu hart noch zu weich sein, gibt der Renninger Münzpräger zu bedenken.

Der kommt weit herum in der Republik, weil er sich längst nicht nur auf den Handel mit der Münzware spezialisiert hat, sondern auch bewusst als Schaupräger durch die Lande tourt. So rund 30 Mal im Jahr geht Simm auf Achse. Bei Stadtjubiläen oder Handwerkermärkten zeigt er sein Können. Oder auch bei Firmengeburtstagen, wo die stolzen Beschäftigten eine geprägte Erinnerung mit nach Hause nehmen können sollen. Dann lässt der Handwerker vor Ort ein Eisenteil niedersausen, das zwar kaum größer ist als eine Ein-Liter-Trollinger-Flasche. Aber dieser Fallhammer ist satte 40 Kilo schwer.

Was beim Firmenjubiläum vergleichsweise Massenware, kann woanders ein Unikat sein. Zum Beispiel die Ehrenmedaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die jedes Jahr - 78 Millimeter Durchmesser - einmal an einen herausragenden Physiker verliehen wird. "Da gibt es nur einen Stempel und eine Prägung", sagt Patrick Simm. Auch für herausragende Mediziner an der Berliner Charité oder für den Zentralrat der Juden in Deutschland ist der Renninger Fachmann regelmäßig im Einsatz, wenn es Auszeichnungen zu verleihen gilt.

Das (Edel-)Metall kommt aus der Schmuckstadt Pforzheim

Mit der 200-Tonnen-Prägepresse in Renningen können Münzen bis drei Zentimeter Durchmesser hergestellt werden; mit der Presse in Tschechien, die 600 Tonnen Kraft entfalten kann, bis zu acht Zentimeter große. Das (Edel-)Metall, das der 40-Jährige als Rohstoff verwendet, kommt zumeist aus der Schmuckstadt Pforzheim.

Qualität und Termintreue - das, sagt Patrick Simm, seien zwei seiner entscheidenden Vorzüge in einem Geschäft, in dem es an Mitbewerbern keineswegs mangelt. Aber die Firma Simm ist ein flexibles Unternehmen, wie ihr Chef versichert. Zum Beispiel dann, "wenn der Chef vom TSV Hintertupfingen vergessen hat, rechtzeitig Medaillen für seine Sportlerehrung zu ordern und in zwei Wochen schon ist der Termin. Dann geht mit China nix mehr. . ."

Patrick Simm braucht freilich nicht nur viel Muskelkraft (beim Schauprägen). In seinem Metier ist auch kaufmännisches Köpfchen gefragt. Doch kein Problem: Simm hat (siehe "Zur Person") nicht nur einen Metallberuf von der Pieke auf gelernt, sondern auch Betriebswirtschaft studiert.