750 Jahre Sindelfingen

Stadtbild wie bei der Fußball-WM erwünscht

16 Künstlerinnen und Künstler haben Fahnen zum 750-Jahr-Jubiläum der Stadt Sindelfingen gestaltet - Kleinere Variante geht in den Verkauf

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    Kulturamtsleiter Horst Zecha (links) und Galerieleiter Otto Pannewitz bei der Präsentation des Projekts - im Vordergrund liegen die gestalteten Fahnen von Annerose Wald (links) und Lee Lichterloh KRZ-Foto: Simone Ruchay-Chiodi

Im Sindelfinger Jubiläumsjahr ist nicht nur viel Programm geboten, auch das Stadtbild soll entsprechend gestaltet sein. Deshalb haben 16 lokale Künstlerinnen und Künstler individuelle Jubiläumsfahnen entworfen, die den öffentlichen Raum, aber auch Privathäuser schmücken sollen.

Artikel vom 06. April 2013 - 14:24

SINDELFINGEN. Die eigentliche Jubiläumsfahne mit dem Festlogo hängt bereits seit Anfang des Jahres an zahlreichen Stellen in der Stadt. Jetzt kommen im öffentlichen Raum rund 100 weitere große Fahnen mit insgesamt 16 Motiven hinzu - gestaltet von lokalen Künstlerinnen und Künstler mit jeweils typischen Motiven.

"Wir wollten die Sindelfinger Kunstschaffenden auf diese Weise in das Jubiläum einbeziehen", erläutert Kulturamtsleiter Horst Zecha, "so können wir auch zum Ausdruck bringen, dass es da ein funktionierendes Netzwerk gibt." An die 30 potenziellen Teilnehmer habe man vor gut einem Jahr kontaktiert. "Dass nun mit 16 mehr als die Hälfte dabei sind, zeigt doch auch, dass von Künstlerseite ein großes Interesse da ist."

Spannend ist zu sehen, wie die Akteure ein für sie typisches Motiv eingearbeitet haben. Da fällt die Collagentechnik von Joachim Kupke sofort ins Auge, das Kleinteilig-Fantastische von Klaus Kugler oder der bunte Fensterglas-Stil von Sabina Hunger. Klaus Olbert hat eine Art Scherenschnitt gestaltet, Felix Sommer stilisiert Bühnenskizzen, Karl Heger zeigt den Buchstaben "S" als Stroh-Gebilde. Eine besonders pfiffige Variante kommt vom Grafiker Rolf Spiess: Er hat die erste Silbe des Stadtnamens an die dritte Stelle geschoben und einen neuen Begriff erfunden: "Del-fin-sin-gen" steht da in breiten Lettern.

Die Gestaltung des Jubiläumsprogramms durch Akteure vor Ort ist das eine, die intensive Beteiligung der Bevölkerung am Jubiläum das andere. Wie wichtig das der Stadt ist, zeigt auch dieses Projekt. Denn die gestalteten Fahnen sollen nicht nur an den neuralgischen Punkten des öffentlichen Raums hängen, sondern werden in einer Fenster-Variante den Bürgerinnen und Bürgern zum Kauf angeboten. "Wir hoffen auf einen Effekt wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft", sagt Horst Zecha, "auf dass aus allen Fenstern die Fahnen hängen."

Die Idee für die Aktion hatte Otto Pannewitz. "Ich finde es spannend, wenn das Stadtbild durch einen künstlerischen Eingriff verändert wird", erläutert der Sindelfinger Galerieleiter. Und da ein Projekt mit Skulpturen oder ähnlichen Objekten zu aufwendig gewesen wäre, legte man sich auf die Produktion von Fahnen fest, was Pannewitz schon einmal bei einer Aktion in Rottweil gesehen hatte. "Zum einen sind die Banner persönlich gestaltet", betont Pannewitz, "zum anderen werden sie in Gruppen an Orten stehen, die in der Nähe des Wohnorts des Künstlers liegen oder etwas mit ihnen zu tun haben." So würden die Akteure quasi eine Spur in der Stadt hinterlassen.

Als verbindendes Element setzten die Macher bei allen Fahnen einen knallgelben Rahmen - auch hier mit einem inhaltlichen Hintergedanken. "Wir haben Reseda-Gelb verwendet", erläutert Pannewitz, "das war früher der Gelbton der Gerber." Womit ein zusätzlicher Bezugspunkt zu Sindelfingen als Weberstadt geschaffen wäre.

Fahnenstangen von der Nagolder Landesgartenschau abgekauft

Insgesamt 220 Fahnenstangen hat die Stadt Sindelfingen zu Verfügung, nachdem sie einen gewaltigen Posten von der Landesgartenschau in Nagold übernehmen konnte. "Das war ein Glücksfall", betont Horst Zecha, "sonst hätten wir gut und gerne 30 000 Euro Mehrausgaben gehabt." Jeweils sieben Fahnen eines Projektteilnehmers werden in einer Gruppe zusammenstehen - macht insgesamt 112. Die weiteren mehr als hundert Stangen sind von den Bannern mit Jubiläumslogo besetzt. Außerdem gibt es 160 Fensterfahnen, die für fünf Euro beim i-Punkt gekauft werden können.

Wichtig war den Verantwortlichen zudem, dass die Künstlerinnen und Künstler nicht umsonst arbeiten - für den Entwurf und die Rechte gab es selbstverständlich ein Honorar. Hinzu kamen die Kosten für die Produktion und die Fahnenstangen aus Nagold - summa summarum an die 30 000 Euro. "Das haben wir gerne investiert", sagt Horst Zecha, "denn ich sehe in diesem Projekt viel vereint, was das Jubiläum in der Stadt insgesamt ausmacht."