750 Jahre Sindelfingen

Fulminant ins Jubiläumsjahr gestartet

Silvesterparty und Lichtshow im Sindelfinger Rathaus stimmt 650 Gäste auf den 750. Geburtstag der Stadt ein

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    650 Partygäste feiern im Innern des Rathauses
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    Mit Raketen wird das Sindelfinger Jubiläumsjahr begrüßt
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    Eine Lichtinstallation verwandelt das Sindelfinger Rathaus in eine leuchtende Betonskulptur Fotos: Karin Rebstock

"Let's have a party - ooohh, let's have a party!" Rockabilly-Sängerin Wanda Jackson könnte Patin gestanden haben für die Silvesterparty, mit der Sindelfingen ins 750-Jahr-Jubiläum gestartet ist. Im Rathaus steppte der Bär, und das Haus strahlte in Farben wie nie zuvor.

Artikel vom 02. Januar 2013 - 19:24

SINDELFINGEN/KREIS BÖBLINGEN. "Lichtinstallation - mit diesem nüchternen Begriff ist nur unvollkommen umschrieben, was pünktlich ab 0 Uhr den Rathausplatz in ein Farbenmeer getaucht hat. Gelb, rot, grün, blau, lila, türkis und alle möglichen Schattierungen dazwischen blinkte es aus den Fenstern des riesigen Verwaltungsbaus. Mal war die Betonburg aus dem Jahr 1970 unifarben geflutet, mal flackerten die Fensterrahmen wie Farbkästchen einer digitalen Videoshow-Wand. Und das letztlich alles zu den Beats der Bee Gees und von Michael Jackson, aber auch zu gregorianischen Gesängen oder Jean-Michel Jarres ehemaligem Ultrahit "Oxygene".

Als zum Höhepunkt noch Raketen in den klaren Sindelfinger Nachthimmel stiegen, war das Glück bei dem zuvor mit einem Glas Sekt versorgten Partyvolk perfekt. "Wunderbar", "ein Einstieg nach Maß", "So äbbes hosch no nie gsäha" - die Kommentare lauteten unisono, dass die Lightshow ein einmaliges Erlebnis gewesen sei. "Absolut singulär!", staunte beispielsweise ein applaudierender Stadtmusikdirektor Markus Nau.

Der Mann, der hernach eine Art Ritterschlag entgegennehmen durfte, heißt Fabian Krause, ist 30 und als Veranstaltungstechniker bei der Stadt angestellt. Ein 50-Prozent-Job, der im Jubeljahr auf 100 Prozent aufgestockt worden ist. Vielleicht bleibt es sogar dabei. Krause jedenfalls hat zusammen mit neun weiteren Mitstreitern aus dem Haus und Freunden das Lichtspektakel inszeniert: Robin Müller, David Coulon, Cousin Daniel Krause, Vater Wilhelm Krause, Tom Grobauer, Steffen Bunk, Christian Geißendörfer, Uwe Schulmann und Marcel Tillmann haben in einem Arbeitsmarathon 70 Rathausräume auf acht Stockwerken mit LED-Scheinwerfern ausgestattet und alle diese mit Kabeln verbunden, sodass jede Lichtquelle über PC gezielt angesteuert werden konnte.

Scheinwerfer in 70 Räumen

Damit dieser technische Wahnsinn System bekam, testete das Team zuvor seine Software im Probelauf. Fabian Krause: "Wir haben vom Rathaus ein 3-D-Modell angefertigt und in Echtzeit eine Simulation abgespielt." Und so wurde aus der Simulation schließlich eine Inszenierung mit "Summa cum laude"-Note. "Ein Feuerwerk abbrennen kann jeder. Das machen wir an unserem Nationalfeiertag auch", lachte der Schweizer Wolf Amstad, einer von sechs spontan aus der Partnerstadt Schaffhausen angereisten Freunde der Daimlerstadt: "Aber was hier heute Abend geboten wurde, ist für uns Spitzenklasse. Ich sage: ,Chapeau!'"

Doch auch die Party im Rathausfoyer war ganz nach dem Geschmack der Silvesterfeiernden, die an der Cocktailbar aufs neue Jahr anstießen oder sich in der Chill-Out-Lounge amüsierten. "Das ist hier heute ein echter Bürgertreff, zu dem die Leute freudigst kommen. Da muss man keinen herprügeln, lachte SPD-Gemeinderats-Original Heinz Bix über die zwanglose Party, die trotz der großen Resonanz nicht zur Drucketse geriet. Feuerpolizeilich hatte man bei 650 Personen vorsichtshalber "abgeriegelt, wo 750 angesichts des Geburtstags passend(er)gewesen wären. Weggekriegt hätte man die Karten dafür gewiss auch noch. Die 650 Karten für die Sause waren binnen weniger Tage unter den Sindelfingern verkauft. Auf den Rathausplatz strömten gewiss noch ein paar Hundert Menschen mehr.

Nach der halbstündigen Rathausfassaden-Fulminanz ging die Nacht dann drinnen weiter, wo die Disk-Jockeys "S." und "Three-P." dem Tanzvolk mit Hits der 80er und 90er Jahre einheizten. Das Gezappel auf dem vollen Dancefloor war auch um 2 Uhr längst nicht vorbei, sondern höchstens auf die Zielgerade eingebogen. Mittendrin nahm ein ausgelassener OB ein (Tanz-)Bad in der Menge. Und viele waren der Meinung: So eine Rathaus-Silvesterparty bräuchte es öfter, gerne auch für ein paar Euro Eintritt. Vielleicht ja zum Abschluss des 750sten Geburtstags-Jahrs? Da blieben zwölf Monate Zeit für die Vorbereitung. Und gäbe es im nächsten Jahr eine Fortsetzung, wäre das Event gar rasch eine Tradition...

Weitere Silvester-Partys

Auch in anderen Städten und Gemeinden des Kreises luden Silvester-Partys zum feiern: In Böblingen herrschte in der Kongresshalle Ball-Atmosphäre, das Sensapolis lud zur legeren Familien-Sause und im City-Center lud das "Flair" zur Tanz-Party. Ganz traditionell ging es in der Holzgerlinger Stadthalle zu: Dort sorgten die Banater Schwaben für einen schwungvollen Jahreswechsel.