Erdhebungen

Erdhebungen: Die Schadensregulierung beginnt

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    Die Schäden in den Häusern sind immens / Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 17. Juli 2017 - 15:24

BÖBLINGEN (mis). Im nördlichen Erdhebungsgebiet tut sich was. Die Allianz Versicherung hat gestern angekündigt, mit der Regulierung der Schäden in diesem Bereich zu beginnen.

Wie berichtet, steht zur Deckung der Schäden eine Summe von fünf Millionen Euro zur Verfügung, hinzu kommen noch zwei Millionen, die auf das nördliche und südliche Hebungsgebiet verteilt werden müssen.

Am Freitag gingen rund 120 Briefe an die betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Die Allianz fordert die Adressaten darin auf, bis zum 15. September die für eine Schadenserhebung notwendigen Unterlagen einzureichen. "Wir wollen jetzt schauen, wer überhaupt Schäden geltend macht", sagte Allianz-Pressesprecherin Sabine Schaffrath. Um diese zu begutachten und festzustellen, hat die Versicherung ein örtliches Ingenieurbüro beauftragt.

Sabine Schaffrath betonte, dass derzeit noch wenige konkrete Schadenersatzforderungen vorliegen. Daher könne ihr Unternehmen auch nicht abschätzen, ob die vorliegende Deckungssumme zur Abwicklung der Schäden ausreicht. Nach Einschätzung von Experten liegt das Gesamtvolumen der Schäden, inklusive des südlichen Hebungsgebietes, bei 20 bis 50 Millionen Euro.

Falls die Summe, die die Versicherung zur Verfügung stellt, nicht ausreicht, muss die Allianz ein so genanntes Kürzungs- und Verteilungsverfahren einleiten. Heißt: Alle Forderungen werden zusammenge-fasst. Aus dieser Summe wird dann ein gesetzlich vorgegebener Prozentsatz ermittelt, den die Geschädigten von ihrem Gesamtschaden ersetzt bekommen.

Ein Verfahren, das vor allem einen Fallstrick birgt: Sobald auch nur einer der Betroffenen diesem Vorgehen nicht zustimmt und gerichtlich dagegen vorgeht, gerät der gesamte Entschädigungsprozess ins Stocken, bis die Gerichte entschieden haben. "Dann ruht das Verfahren erst einmal", erklärte Sabine Schaffrath. Schon aus diesem Grund ist es schwierig, zu spekulieren, wann die Erdhebungsgeschädigten auf Schadenersatz hoffen können. Die Allianz-Sprecherin wollte sich gestern daher auf keine Zeiträume festlegen.

Unklar ist weiterhin, wie es im südlichen Hebungsgebiet weitergeht. Während die beiden Bohrungen im Norden erfolgreich saniert worden sind und die Hebungen dort fast verschwunden sind, kämpfen die Sanierer im Süden weiterhin mit vier Bohrsonden, die sich einer Sanierung widersetzen. Wie berichtet, hat das Spezialunternehmen, das die Sonden abdichtet, jetzt ein neues Verfahren entwickelt, um die restlichen Bohrungen ebenfalls dicht zu bekommen. So lange diese Probleme nicht bereinigt sind macht es auch keinen Sinn, im Süden an die Schadensbehebung zu gehen.

Nicht nur technisch wartet das südliche Hebungsgebiet mit den komplexeren Herausforderungen auf. Die Tatsache, dass es sich dort um 15 defekte Geothermiebohrungen handelt, macht auch die Frage der Versicherungshaftung unübersichtlicher. Denn, ob die undichten Sonden alle zusammen als ein Versicherungsfall bewertet werden sollen, oder ob es sich um jeweils eigenständige Schadensfälle handelt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Kontroverse, die letztendlich großen Einfluss auf die Versicherungssumme hat. Schließlich macht es einen Unterschied, ob die fünf Millionen Deckungssumme pro defektem Bohrloch oder pauschal für alle defekten Sonden ausgeschüttet werden. "Wir werden uns das nochmals anschauen", versprach Sabine Schaffrath gestern.