Es gibt immer mehr Menschen im Kreis Böblingen, aber weniger als gedacht. Foto: dpa/Jan Woitas

Bislang wurde die Bevölkerungszahl einfach fortgeschrieben, doch die Volkszählung zeigt: Es leben weniger Menschen im Kreis Böblingen als angenommen.

Das Statistische Bundesamt hat die Ergebnisse des Zensus 2022 vorgestellt. Zum Stichtag am 30. Juni 2022 lebten demnach im Landkreis Böblingen genau 389 650 Menschen, also 7783 weniger Einwohner als auf Grundlage des Zensus 2011 zu erwarten gewesen wäre, ein Minus von rund zwei Prozent. Erst im Sommer 2023 hatte das Statistische Landesamt auf Basis des Zensus 2011 die Einwohnerzahl für den Landkreis auf über 400 000 fortgeschrieben. Diese Zahl war zu hoch gegriffen, wie sich nun anhand der Volkszählung aus 2022 zeigt.

400 000 Einwohner im Jahr 2027

Bereits beim Zensus 2011 hatte der Landkreis in einer ähnlichen Größenordnung daneben gelegen und 7672 Einwohner weniger verzeichnet als angenommen. Damals lag die gezählte Bevölkerungszahl bei 363 950. So hat der Landkreis in den Jahren zwischen 2011 und 2022 ein Wachstum von 25 700 Einwohnern verzeichnet, was etwa sieben Prozent entspricht. Trotzdem wächst die Bevölkerung im Kreis Böblingen, wenn auch langsamer als angenommen, sodass spätestens 2027 die runde Marke von 400 000 Einwohnern auf Basis der neuen Volkszählung erreicht werden dürfte.

Dass die Einwohnerzahl an den meisten Orten korrigiert werden muss, erklären sich die Statistiker mit den nicht immer geordneten Migrationsströmen. So würden zumeist Ausländer, die in Deutschland vorübergehend Schutz gesucht haben, oftmals ohne Abmeldung das Land wieder verlassen. Die Bevölkerungszahl wurde nun um diese „Karteileichen“ bereinigt.

Das Minus verteilt sich unterschiedlich

Das Minus im Landkreis Böblingen verteilt sich auf die Städte und Gemeinden unterschiedlich. Während in der Stadt Böblingen die Einwohnerzahl nur um 720 nach unten korrigiert werden musste, verliert die Stadt Sindelfingen 4358 gemeldete Einwohner, das sind 6,7 Prozent. Auch in Leonberg, das ein Minus von 954 Einwohnern verzeichnet, fällt die Korrektur weniger stark aus. Nur Herrenberg ist die Ausnahme. Als einzige Große Kreisstadt gewinnt sie sogar 1085 Bürger hinzu, ein Plus von 3,4 Prozent. Mehr Einwohner verzeichnen auch Rutesheim, Weil der Stadt, Gärtringen und Holzgerlingen. Die übrigen 18 Kommunen müssen ihre Einwohnerzahl zwischen 0,6 und 3,2 Prozent nach unten korrigieren.

Was die Demografie betrifft, lebten zum Stichtag im Landkreis 2736 mehr Frauen als Männer, 113 273 Menschen mit Einwanderungsgeschichte, davon 74 288 Ausländer. Über 70 000 Menschen sind 67 Jahre und älter, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren werden mit einer Zahl von 74 721 angegeben. 156 650 Menschen sind ledig und 22 663 verwitwet, während 183 493 verheiratet leben. Es gibt 64 421 Single-Haushalte, 9120 alleinerziehende Mütter und 2425 alleinerziehende Väter. In 40 621 Haushalten leben ausschließlich Senioren. Etwa 46 000 Paare leben ohne Kind, 48 628 Paare leben mit wenigstens einem Kind im Haushalt.

Der Blick auf den Wohnungsmarkt ist spannend. Von 186 147 Wohnungen im Kreis stehen 7 484 leer, rund die Hälfte davon seit mindestens einem Jahr. Rund 83 000 Wohnungen befinden sich in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Rund 99 000 Wohnungen werden von den Eigentümern bewohnt, fast 80 000 Wohnungen werden vermietet.