Die Feiertage sind vorbei, Zeit für eine Geschenkebilanz: Was ging daneben? Was nervt einfach nur? Ein Beitrag aus den „Bonbons“, der wöchentlichen Humorkolumne dieser Zeitung.
Weihnachten ist vorbei, der Alltag hat uns wieder. Ob auf dem Wertstoffhof oder im Kaufhaus – überall reden die Menschen heute darüber, wie sie die Festtage verbracht haben und was es für Geschenke gab. Bei vielen dürfte die Bilanz eher gemischt ausfallen.
Schließlich liegt doch jedes Jahr immer mindestens ein Päckchen unterm Christbaum, das garantiert auf keinem Wunschzettel stand. Zum Beispiel der XXXL-Schlüpfer vom dumpfdösigen Ehegatten, der anscheinend immer noch nicht mitbekommen hat, dass seine Powerfrau sich mit Yoga und Spinning auf Kleidergröße 38 getrimmt hat. Oder der Selbstgebrannte von Onkel Fritz, der sich geschmacklich irgendwo zwischen Brennspiritus und Desinfektionsmittel bewegt. Faszinierend ist auch diese Schachtel mit Schnapspralinen. Hatten wir nicht genau so eine vor einem Jahr schon mal weiterverschenkt, weil wir das Zeug nicht ausstehen konnten? Und jetzt halten wir genau diese Schachtel mit dem von uns abgekratzten Preisschild und dem mittlerweile abgelaufenen Haltbarkeitsdatum schon wieder in den Händen. Muss wohl so eine Art Weihnachtswunder sein.
Manche Geschenke rauben einem den letzten Nerv
Aber gut, es ist ja das Fest der Liebe, also machen wir Jahr für Jahr gute Miene zum gut gemeinten Spiel, lassen die ungewollten Geschenke später heimlich verschwinden oder verschenken sie weiter – in der Hoffnung, dass sie diesmal nicht wieder zu uns zurückkommen.
Während manche Präsente aber einfach nur unpassend sind, gibt es auch die Sorte Geschenk, die einem den letzten Nerv raubt. Für Eltern mit kleinen Kindern sind das zum Beispiel diese furchtbaren Spielzeuge mit penetrant-lauter Musik oder Sprachfunktion. Eine Weile lang ist so etwas vielleicht noch ganz gut zu ertragen, aber spätestens am verkaterten Neujahrsmorgen möchte man das Ding einfach nur noch an die Wand werfen. Leider gibt es diese Sorte Geschenk auch für Erwachsene. In einem Supermarkt im Kreis Böblingen stand zuletzt beispielsweise ein weihnachtlich geschmückter „Tanzender Kaktus mit Sound- und Laberfunktion“ für 9,99 Euro. Das Ding spielt blechern-schrille Weihnachtsmusik aus seinen Billig-Boxen und labert – ganz ähnlich wie ein Papagei – per Aufnahme- und Wiedergabefunktion jeden Satz nach, den man ihm vorsagt.
Mal ehrlich: Wer verschenkt so etwas? Und warum? Eigentlich kann hinter so etwas doch nur reine Bosheit stecken. Oder ein perfider Plan, die beschenkte Person in den Wahnsinn zu treiben. Die Comedian Harmonists hätten vermutlich ihre Freude daran gehabt, denn dieser kleine grüne Kaktus sticht, sticht, sticht – und zwar mitten hinein ins festtagsgestresste Nervenkostüm.