Blutbrustpaviane mit Jungtieren in der Wilhelma. Foto: dpa

Der Zoo in Nürnberg hat gesunde Guinea-Affen getötet. Der Stuttgarter Zoo hält nicht dieselbe Pavianart, sondern Blutbrustpaviane. Was ist in der Wilhelma anders?

Die Wogen gehen hoch, seit bekannt wurde, dass der Zoo Nürnberg einen Teil seiner 43 Paviane getötet hat. Der Zoo hatte, wie berichtet, keine Übernahmemöglichkeit für die Guinea-Paviane gefunden.Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin erklärt zum Vorgehen in Nürnberg, der Zoo dort habe alles geprüft, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP habe keine Plätze für die Tiere frei gehabt. Es sei alles sauber besprochen worden, auch mit dem Veterinäramt in Nürnberg und mit Blick auf die Tötung als logische Konsequenz. „Um so eine Population zu managen, gehört auch eine gewisse Mortalitätsrate dazu“, so der Stuttgarter Zoodirektor. Die Zoos hätten ja keine Beutegreifer, die auf natürliche Weise die Tiere fressen würden. Auch bei der Jagd kämen Tiere ums Leben. Und ein Zoo in Dänemark sucht neuerdings sogar Haustiere zum Verfüttern.

Kölpin: Es gibt vernünftige Gründe für Reservepopulation

Kölpin erklärte, der Tod sei ein emotionales Thema. Es gebe aber vernünftige Gründe, um die Population der bedrohten Art der Guinea-Paviana als Reservepopulation zu erhalten. Und es ergebe Sinn, dass in der Gruppe immer auch Jungtiere sein müssen.


Wilhelma hat im Moment kein Platzproblem

Wären ähnliche Probleme wie in Nürnberg auch in der Wilhelma möglich? Kölpin erklärt dazu, dass derzeit für die 30 Dscheladas – so heißt die Blutbrustpavian-Art, die in der WiIlhelma lebt –, ausreichend Platz in der Anlage vorhanden sei. Aber es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch die Wilhelma einmal Tiere aus dieser Tiergruppe entnehmen müsse, wenn es zu viele seien. Seine Lösung dann: „Wir würden sie dann anderen Tieren verfüttern, wie den Leoparden oder Löwen. Diese fressen sie auch in der Natur“, so Kölpin.

In der Wilhelma werden auch Tiere verfüttert

Dass Tiere an andere verfüttert werden, ist in der Wilhelma gang und gäbe. Im Stuttgarter Zoo, der mit seinen etwa 11000 Tieren zu den artenreichsten Zoos weltweit zählt, gibt es in einem großen Bereich die Fleisch fressenden Raubtiere, die täglich ihr Futter brauchen. Bei der Fütterung greife der Zoo selbstverständlich auch auf die eigenen Bestände zurück, so Kölpin. Das habe viele Vorteile, sagt der Wilhelma-Chef. Etwa bei der Population von Antilopen, Steinböcken oder Rindern. Sie leben im Zoo in einer kontrollierten Umgebung mit ordentlichem Futter. Sie können hier nach Kölpins Auffassung ebenso schmerzfrei und ohne Stress getötet werden, um als Nahrung für die Raubtiere zu dienen. „Es handele sich um bestes Biofleisch.“

Artenschutz spielt bei Verfütterung eine Rolle

Auch der Artenschutz spielt beim Thema Verfütterung eine Rolle. Tierschützer lehnen dies vehement ab und fordern, wie kürzlich bei einer Demonstration der Tierrechtsorganisation Peta vor der Wilhelma, dass die Tiere nicht für Futterzwecke genutzt werden und dass in Zoos auch keine Reservepopulationen geschaffen werden. Kölpin sieht es grundlegend anders: „Wir haben die Verantwortung, denn wir Menschen sind es, die dafür sorgen, dass die Lebensbedingungen oft nicht mehr gut sind für die Tiere, deshalb müssen wir hier Reservepopulationen schaffen.“ Der Zoo sei die einzige Möglichkeit, wo man die Tiere ex situ – also außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraum – gesund erhalten könne. Das könne keine andere Institution. Ungeachtet dessen kritisieren die Tierrechtler die Lösung unter dem Motto „artgerecht ist nur die Freiheit“ und fordern, die Zucht und Gefangenhaltung aller Tiere in Zoos und Tierparks auslaufen zu lassen. Auch jüngst in Nürnberg gab es Proteste bei der Tötung der Paviane.

Stuttgarter Zoo ermöglicht Tieren soziales Zusammenleben

Der Stuttgarter Zoo will den Tieren nach eigenem Bekunden ein soziales Zusammenleben ermöglichen. Sie sollen dort ihrem natürlichen, meist starken Fortpflanzungstrieb nachgehen dürfen und als Eltern die Nachzucht aufziehen, so Kölpin. Dies sei ebenso wichtig für die Lebensqualität der Tiere und für den Arterhalt. Würden Tiere aus der Population herausgenommen, dann in dem Alter, in dem es auch in der Natur geschehe, erklärt Kölpin.

Bei Jungtieren sei das in dem Alter, in dem sie auch in der Natur die Eltern verlassen. Bei der Verfütterung spielen der Schutz bedrohter Arten und das Ziel, die Reservepopulation gesund zu halten, ebenso eine große Rolle. „Würde die Zucht bei bedrohten Tierarten etwa durch Verhütung stillgelegt, gefährden wir die Population“, sagt Kölpin. Denn es könne sein, dass dann nicht mehr genügend Nachkommen gezeugt werden könnten.

Wilhelma verfüttert keine Gorilla-Babys

Die Wilhelma verfüttert nur gesunde Tiere, wie etwa Zebras und Giraffen beispielsweise an Löwen. Tote Paviane werden von Leoparden gefressen. Krokodile bekommen Ratten und Mäuse. Der Stuttgarter Zoo habe aber auch seine ethischen Grenzen, so würden keine halbwüchsigen Gorillas als Nahrung verwendet. „Menschenaffen verfüttern wir nicht, die bewerten wir positiver als beispielsweise Zwergziegen“. Der kranke Giraffenbulle Tilodi mit seiner Darmverschlingung, der kürzlich gestorben ist, kam übrigens in die Pathologie. Er wurde also nicht als Nahrung für andere Tiere verwendet.

Stuttgarter Zoo: Tiere schmerzfrei und ohne Stress töten

Jeder Zoo müsse für sich entscheiden, wie er das Thema regelt. Kölpin sagt: „Wenn, dann werden die Tiere hier in der natürlichen Umgebung schmerzfrei und ohne Stress getötet.“ Es würden etwas mehr Tiere gezüchtet, damit es genügend Fleisch gebe. Zebras und Antilopen seien Futtertiere. „Denn, wir wollen schon viel über den eigenen Kreislauf abdecken“, so das Ziel des Zoodirektors. Doch die eigenen Futtertiere reichen nicht aus. „Wir müssen immer noch Pferde- oder Rindfleisch bestellen, aber die Qualität des eigenen Futters ist höher.“ Die Tiere seien dadurch viel aktiver. Auch die Verfütterung ganzer Tiere sei dabei wichtig, nicht nur wegen der Mineralien. Die Amurtiger bekommen Huftiere, die Seelöwen bekommen Fisch, auch mal eigene Aquariumsfische. Insgesamt eine große Anzahl von Tieren, genaue Zahlen nennt Kölpin nicht.

Auch bei den Fütterungszeiten und den Wilhelma-Talks erklären die Pfleger, warum der Zoo so vorgeht. „Ich bin zufrieden, wenn die Besucher die Gründe nachvollziehen können“, sagt Kölpin.

Dieser Artikel erschien erstmals am 30. Juli 2025 und wurde am 31. Juli aktualisiert.