Auch mit Brio-Modellbahn gehen Shizhen Wang (li.) und Xingyun Felix Liu auf die Suche nach einem besseren Bahnverkehr. Foto: Stefanie Schlecht

Beim Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in Sindelfingen sprühen die Teilnehmer vor Kreativität. Einige erfolgreiche Nachwuchsforscher kommen aus dem Kreis Böblingen.

Vielleicht sollten sich die Verkehrsplaner der Region Stuttgart und die Verantwortlichen der Deutschen Bahn mal mit Shizhen Wang und Xingyun Felix Liu unterhalten. Denn die beiden zehnjährigen Sindelfinger haben sich intensiv mit der Frage beschäftigt, warum die Züge immer so viel Verspätung haben – und darauf eine Antwort gefunden.

Dazu haben sie Zugverbindungen analysiert, unter anderem die Strecke Stuttgart-Böblingen. Ihr Fazit: Es gibt in der Region zu wenig Züge und vor allem zu wenige Gleise. „Das Netz muss ausgebaut werden“, sagt Shizhen. „Und die Panoramabahn in Stuttgart muss ins Netz integriert werden und mehr Gleise bekommen“, ergänzt sein Freund Felix. Dann, so die beiden Schüler, könnten die Züge künftig pünktlich fahren.

Der Sindelfinger OB Markus Kleemann lässt sich von Raphael Maurice Makiesse Eduardo (li.) und Silas Giesing ein Bobbycar mit besonderem Antrieb zeigen.   Foto: Stefanie Schlecht

„Jugend forscht“: Mittel gegen Grünspan in Trompeten

Die beiden Jungs besuchen das Sindelfinger Stiftsgymnasium. Ihre Studie zur Unpünktlichkeit des Öffentlichen Nahverkehrs haben sie als Mitglieder des Jugendforschungszentrums Böblingen-Sindelfingen beim Wettbewerb „Jugend forscht“ eingereicht und am Freitag in der Sindelfinger Stadthalle präsentiert. Bereits zum 20. Mal war die Stadt der Ausrichter des Jugend-forscht-Regionalwettbewerbs Mittlerer Neckar. Zum ersten Mal lief der neue OB Markus Kleeman gemeinsam mit Vertretern der Sponsoren die Stände ab und ließ sich von den jungen Wissenschaftlern und Tüftlern ihre Projekte zeigen und erklären.

96 Jungforscher zwischen zehn und 20 Jahren aus dem Kreis Böblingen, aus Stuttgart, Asperg und Heilbronn stellten ihre Forschungen und Entwicklungen in der Stadthalle vor – 55 Projekte wurden präsentiert. Es ist jedes Jahr aufs Neue erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit die Kinder und Jugendlichen sich in oft monatelange Studien mit wissenschaftlichem Anspruch stürzen. Dabei gibt es junge Leute, die sich ganz aufs Forschen fokussieren wie die elfjährige Polina Radiuk vom Albert-Einstein-Gymnasium in Böblingen.

Grassamen bei „Jugend forscht“ – Welche wachsen am besten?

Sie hat Grassamen aus verschiedenen Ländern eingesät und über Monate hinweg das Wachstum beobachtet. Festgestellt hat sie dabei: „Grassamen aus Deutschland und Frankreich wachsen am besten. Die Samen aus Italien und Spanien, die ich unter den gleichen Bedingungen gegossen habe, wuchsen schlechter und die Erde fing an zu schimmeln.“ Ihre Erkenntnis daraus: Die Samen in Italien und Spanien sind an ihre Bedingungen – heiße Sommer und wenig Wasser – angepasst und vertragen die Verhältnisse in Deutschland nicht. Für diese Studie wurde Polina von der Jury zur Regionalsiegerin bei den Junioren im Fachbereich Biologie gekürt.

Andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs arbeiten an ganz praktischen Problemen. Die 19-jährige Annabell Pscheidt von der Böblinger Mildred-Scheel-Schule spielt seit 11 Jahren Trompete. Ein Problem für Blechblasbläser ist der Grünspan, der sich im Instrument ansetzt. „Er entsteht aus dem Essiggehalt der Atemluft in Verbindung mit dem Kupfer aus der Legierung des Instruments. Und er ist gesundheitsschädlich“, erklärte die Schülerin. Alle drei Monate muss Annabelle daher ihr Instrument zum Reinigen bringen. Das kostet jedes Mal 300 Euro. Ihre Idee, die sie gemeinsam mit ihrem Schulkollegen Francis Mursic umgesetzt hat: Eine Möglichkeit zum Selbstreinigen des Instruments zu finden sowie nach einer Beschichtung für Blechblasinstrumente zu suchen, die das Anhaften des Grünspans verhindert. Beides ist dem Forscherduo gelungen – und es hat sich die Ideen sogar bereits patentieren lassen.

Nachwuchsforscher bei „Jugend forscht“: KI-gesteuerte App für Mülltrennung

Ein Reinigungsgerät haben sie entwickelt, das mit Vitamin-C-Pulver befüllt wird, und mit dem Musiker innerhalb kurzer Zeit ihre Instrumente selbst reinigen können. Zudem haben sie mehrere Beschichtungen gefunden, die dem Anhaften des Grünspans präventiv vorbeugen und zudem das Spielen auf der Trompete verbessert. „Vaseline, Wachs und Wollfett“, erlaubt Annabell einen Blick ins Rezept. Nun planen die beiden, ihr Reinigungsset professionell zu vermarkten. Die Juroren waren begeistert und kürten das Duo zum Sieger im Fachbereich Chemie.

Das Thema Müll war gleich mehrfach vertreten. Die Zwillinge Tim und Julian Gendritzki haben eine KI-gesteuerte App entwickelt, die bei der Mülltrennung hilft. Wenn man wissen möchte, wohin eine Verpackung entsorgt gehört, macht man ein Foto und die App ordnet den Abfall entsprechend zu. Das Besondere an der App: „Wir haben die KI trainiert, und diese lernt ständig dazu. So entwickelt sich auch die App weiter“, erklären die beiden 15-jährigen Tüftler.

„Textil-Tornado“ zum T-Shirt-Falten

Regionalsieger im Bereich Mathematik/Informatik wurden die Neuntklässler des Böblinger Otto-Hahn-Gymnasiums mit ihrer Erfindung. Ihr Mitschüler Fabian Then macht es für Anwender noch einfacher. Er hat eine Mülltrenn-Maschine gebaut. Ein Sensor erkennt, um welche Art von Abfall es sich handelt und transportiert diesen in die passende Box. Die Hardware hat der 16-Jährige eigenhändig gebaut, die Software dazu entwickelt und programmiert.

Die jüngeren Schüler erfanden praktische Dinge wie zum Beispiel einen „Textil-Tornado“ zum automatischen Falten von T-Shirts, ein hybrid mit Strom oder Solarenergie fahrenden Bobbycar und untersuchten Alltagsfragen wie: „Welche Sonnencreme hinterlässt die schlimmsten Flecken auf Textilien?“ Die Antwort: Chemische Sonnencremes bilden Flecken, die sich nicht auswaschen lassen. Mineralische Varianten sind die bessere Wahl.

Der Wettbewerb

Sieger
Die Jury kürte von den 55 eingereichten Projekten insgesamt elf zu Regionalsiegern in den verschiedenen Fachbereichen (fünf bei den Älteren, sechs bei den Junioren bis 14 Jahre). Außerdem gab es weitere Preise und Sonderauszeichnungen.

Landeswettbewerb
Alle Regionalsieger dürfen am Landeswettbewerb teilnehmen und sich mit den Besten der anderen Regionalwettbewerbe in Baden-Württemberg messen. Der Landeswettbewerb findet vom 25.bis 27. März an der Hochschule Aalen statt, für die Junioren vom 7. bis 8. Mai in Balingen. Die Sieger des Landeswettbewerbs fahren dann Ende Mai zum Bundeswettbewerb nach Herzogenaurach.