Dinner im Dunkeln: Zur „Nacht des offenen Denkmals“ ging es in den Seilerturm. Am Sonntag öffneten weitere Denkmale ihre Tore.
Weil der Stadt ist reich an bedeutenden Zeugnissen der Vergangenheit. Beim bundesweiten Tag des offenen Denkmals präsentierten sich am Sonntag zahlreiche Sehenswürdigkeiten: Der Storchenturm, die Schatzkammer und die Heilig-Kreuz-Kapelle in der Peter und Paul-Kirche waren geöffnet, am Keplerdenkmal wurden Kurzführungen angeboten, in Schafhausen ein Ortsrundgang sowie Führungen durch die Merklinger Kirchenburg.
Wer aber nicht bis Sonntag warten wollte, um auf Tuchfühlung mit der Weiler Historie zu gehen, konnte schon am Samstagabend bei bestem Spätsommerwetter zur ersten „Nacht des offenen Denkmals“ den Seilerturm erklimmen.
Dorthin hatte die Schmidt-Adler-Stiftung eingeladen, die das historische Gasthaus Rössle gleich nebenan betreibt. Durch das Seilerstüble geht es hinauf zum Turm und zum Wehrgang auf der Stadtmauer. Auf die Besucher warten dort Tische, Stühle und Verpflegung, sowie Weiler Geschichte pur.
Unten harrten die Gefangenen aus
Hans-Josef Straub, früherer langjähriger Bürgermeister der Stadt, und seine Mitstreiter von der Stiftung, versorgen die Gäste mit mittelalterlich anmutenden Eintöpfen sowie mit Geschichten über das Gebäudeensemble mit Stadtmauer, Seilerturm, der laut Straub einzigen denkmalgeschützten Scheuer und dem Gasthaus Rössle. Der markante Turm mit dem spitzen Dach, dessen rote Ziegel erst kürzlich von der Stadt teilweise erneuert wurden, entstand ebenso wie der nördliche Teil der Mauer im 15. Jahrhundert. Damals brauchte die freie Reichsstadt mehr Platz für ihre Bewohner und schuf sich mit der Renninger Vorstadt ein neues Viertel. Die Würm fließt direkt am Fuße von Mauer und Turm entlang.
Ganz unten im Seilerturm mussten lange Zeit die Gefangenen der Stadt in einem Verlies ausharren. Noch heute ist das Loch in der Decke zu sehen, durch das sie hinuntergelassen wurden. „Wenn die Würm viel Wasser führte, drückte das dort hinein“, zeigt Straub auf den Boden. Und die Gefangenen hatten keine Möglichkeit, auszuweichen. Derzeit präsentiert das Kunstforum Weil der Stadt in dem dunklen Raum die Installation „Lichtrad“ – ein Lichtblick an diesem düsteren Ort.
Ganz oben brüten im Frühjahr Turmfalken
Heute geht es heiterer im Seilerturm zu. Ganz oben brüten im Frühjahr Turmfalken. Hans-Josef Straub erzählt begeistert von den ersten Flugversuchen der Jungen zwischen Turm, Stadtmauer und den alten Gebäuden. Im ersten Stock des Turms geben sich gelegentlich Brautpaare das Ja-Wort, was der Ex-Bürgermeister als Traustandesbeamter beurkundet. Der Tisch steht dabei direkt über dem Loch, in das die Gefangenen hinabgelassen wurden. Auf die Gasse hinunter geht es wieder durch das Seilerstüble, ein Gebäude, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit Steinen aus der Stadtmauer gebaut wurde und in dem laut Straub früher eine Brauerei war. Dort hätten die weniger Betuchten gern ihr Feierabendbier getrunken, weil es dort billiger gewesen sei als im benachbarten Rössle.
Geschichten gibt es noch viele allein von dieser Ecke der Stadt, etwa die vom Feierabendeinlass, einem kleinen Törle, durch das späte Heimkehrer noch in die Stadt kommen konnten – vorausgesetzt, der Wachhabende auf der Mauer erkannte sie und öffnete ihnen das Tor.