Reihenweise Geisterfahrer: Die Umleitungsreglung wegen der Tunnelsperrung in Darmsheim lässt Auto- und Motorradfahrer reihenweise rebellisch werden. Foto: edi

Humor: Wie eine Tunnelsperrung in Darmsheim Auto- und Motorradfahrer reihenweise zu Rebellen werden lässt.

Ziviler Ungehorsam – das ist der Geist, der eine Gesellschaft voranbringt. Ob Gandhi beim Widerstand gegen die britische Kolonialherren, Rosa Parks, die im Bus ihren Platz nicht für einen weißen Fahrgast freimachen wollte oder Nelson Mandela im gewaltlosen Kampf gegen Apartheid. Dieser Geist des zivilen Ungehorsams ist auch heute noch sehr lebendig. Man muss dafür gar nicht weit schauen. Ähnlichen Heldenmut kann man derzeit zum Beispiel tagtäglich in Darmsheim beobachten.

Ja, richtig gelesen: Hier in dem beschaulichen Sindelfinger Stadtteil, der in diesen Tagen von dem erbarmungslosen Schicksal einer Tunnelsperrung heimgesucht wird. Genau hier wehren sich gerade unzählige Auto- und Motorradfahrer gegen die grausame und herzlose Willkür einer Obrigkeit, die die von Gott und dem ADAC gegebenen Rechte motorisierter Verkehrsteilnehmer mit Füßen tritt, indem sie ein „Durchfahrt verboten“-Schild auf der ehemaligen Ortsdurchfahrt platziert und aus Richtung Grafenau eine gotteslästerliche und widernatürliche Einbahnstraßenregelung verordnet hat. Und das, obwohl da doch eigentlich zwei Spuren wären und damit Platz genug, um unbeirrt in die Gegenrichtung zu preschen.

Zeichen setzen mit dem Gaspedal

Und genau das tun sie dann auch, diese Helden des zivilen Ungehorsams. Sie setzen ein Zeichen und lassen ihr Gaspedal sprechen. „Genug ist genug“, sagen sie und lachen allen hämisch ins Gesicht, die doof genug sind, sich diesen Straßenverkehrsordnungsfetischisten zu beugen. Gut, am Ende der alten Trasse wird es zwar wegen der ganzen Absperrungen ein bisschen eng und dabei kommt es immer wieder zu potenziell katastrophalen Beinahezusammenstößen mit dem Gegenverkehr – aber von solchen Kleinigkeiten lassen sich große Geister(fahrer) doch nicht aufhalten. Auch nicht von Verkehrskontrollen, die tatsächlich gelegentlich dort stattfinden und bei denen die Asphaltrebellen – wie zuletzt am Donnerstagnachmittag – reihenweise den willfährigen uniformierten Erfüllungsgehilfen dieser bösen Umleitungsdiktatur ins Netz gehen.

Die Bestrafung erdulden sie wie echte Helden. Schließlich ist das doch der Preis der Freiheit, oder nicht? Wobei es am Ende womöglich doch jemand anders sein könnte, der für die Freiheit dieser geisterfahrenden „Helden“ den ultimativen Preis bezahlt. Unfälle passieren nun mal – besonders da, wo Menschen meinen, sich nicht an Regeln halten zu müssen.

Ein Beitrag aus den „Bonbons“, der wöchentlichen Humorkolumne dieser Zeitung.