Zwei erfahrene Räte verlassen den Dagersheimer Ortschaftsrat. Dafür übernehmen bekannte Gesichter, die frischen Wind versprechen.
Die letzte Sitzung des Dagersheimer Ortschaftsrats in diesem Jahr war am Dienstag geprägt von Abschieden. Zwei der zehn Rätinnen und Räte haben ihr Mandat vorzeitig abgegeben – aus unterschiedlichen Gründen. Die Nachrückenden sind keine Unbekannten.
Es kommt nicht alle Tage vor, dass der Böblinger Oberbürgermeister mit Amtskette im Ortschaftsrat des Teilorts Dagersheim sitzt. Doch es gab einen langjährigen Ehrenamtlichen zu verabschieden. Nach 31 Jahren im Dagersheimer Ortschaftsrat ist Jürgen Wilhelm Kienle (Freie Wähler) aus dem Gremium ausgeschieden. Er gibt sein Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen auf. In der Sitzung konnte er nicht dabei sein.
31 Jahre im Ortschaftsrat
„Zwischen Jürgen Kienle und sein Dagersheim passt kein Blatt Papier“, sagte Oberbürgermeister Stefan Belz (Grüne) über Kienle. „Sympathisch, verlässlich, gut vernetzt und gelassen“ beschreibt Belz Kienle. Aber: „Aber er konnte auch laut und deutlich werden, damit eine Sache vorangeht“. Der Malermeister war von 1994 an im Ortschaftsrat, zunächst für die CDU, später fraktionslos, zuletzt bei den Freien Wählern. Themen wie der Erhalt des Hallenbads Rappenbaum und der Dagersheimer Grundschule, der Bau des Edeka in der Albert-Schweitzer-Straße und der Neubau auf dem Volksbank-Areal an der Hauptstraße habe er begleitet. Zwischen 1999 und 2019 gehörte Kienle dem Böblinger Gemeinderat an.
Ebenfalls aus dem Ortschaftsrat ausscheiden muss Tim Göhner (Grüne). Er hat durch seinen kürzlichen Umzug von Dagersheim nach Böblingen seine Wählbarkeit verloren. Er bleibt jedoch im Böblinger Gemeinderat.
Lob für jungen Rat
Göhner gibt neben seinem Platz im Ortschaftsrat auch den Fraktionsvorsitz der Grünen sowie seine Funktion als dritter stellvertretender Ortsvorsteher ab. Seit 2019 sitzt Göhner im Dagersheimer Ortschafts- sowie im Böblinger Gemeinderat.
Sein kommunalpolitisches Engagement habe schon 2017 während des Studiums begonnen, als er bei Recherchen zum Erddeponiestandort F38 einen Rechenfehler gefunden und öffentlich gemacht habe, erzählte Belz. Das habe wesentlich dazu beigetragen, den Standort Dagersheim aus dem Rennen zu nehmen. Auch von Ortsvorsteher Hendrik Queck kam Lob: „Du hast Dein Mandat mit Besonnenheit ausgefüllt, hast auch unbequeme Themen in einen gesamtstädtischen Kontext gestellt und Dich nicht von Einzelmeinungen beirren lassen“, sagte er.
Nachfolger sind Bekannte
Auf Göhner folgt die Wirtschaftsinformatikerin und amtierende Streuobstprinzessin des Landkreises Böblingen, Nadine Haderer (Grüne). Göhners Platz als dritter Stellvertreter des Ortsvorstehers übernimmt – vorbehaltlich der Zustimmung des Gemeinderats – Tobias Kaatze (Grüne). Er wird auch Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Ortschaftsrat.
Kienles Nachfolger, Werner Elsenhans, ist im Ortschaftsrat kein Unbekannter. Er gehörte schon zwischen 2009 und 2014 zum Ratsrund. Kienles Rolle als Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler übernimmt Arthur Bamberger.
OB Belz zeigte einige Herausforderungen der Stadt und des Teilorts auf. Durch die angespannte Haushaltslage mit einem Defizit von 46 Millionen Euro müssten die Gremien überlegen, welche Vorhaben verfolgt werden könnten. In Dagersheim sollen unter anderem das Dachgeschosses der Grundschule für die Ganztagsbetreuung ausgebaut sowie die Erweiterung der Kita Goethestraße erweitert werden. Auch eine neue Freizeitsportanlage im Rübländer ist geplant.