Der Sexualstraftäter Epstein hatte seinen Wohnsitz auf der 70 Hektar großen Privatinsel „Little St. James“ in der Karibik. Foto: IMAGO/ZUMA Wire/IMAGO/Emily Michot

Jeffrey Epstein war ein Millionär und verurteilter Sexualstraftäter. Eine schon im Jahr 2024 veröffentlichte Liste gibt die Namen preis, die mit ihm in Verbindung standen. Nun werden es immer mehr.

Die "Epstein-Files", in denen Teile der vermeintlichen globalen Elite kompromittierend erwähnt werden, sorgen aktuell für Schlagzeilen - aber davor gab es schon die "Epstein-Liste". Was genau ist das?

Anfang 2024 waren im Zusammenhang mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein Akten freigegeben worden, die umgangssprachlich als „die Liste“ (Epstein Liste) bezeichnet wurden. Die „Liste“ bezieht sich auf die Namen von fast 200 Freunden, Partnern, Opfern und Gegnern Epsteins. Die veröffentlichten Dokumente waren Teil der Klage von Virginia Giuffre gegen Epstein, die inzwischen verstorben ist.

Nicht nur Trump und Clinton stehen auf Epstein-Liste

Schon vor der damaligen Gerichtsverhandlung kursierten verschiedene Theorien, wer auf der Liste stehe. Bestätigt wurden unter anderem prominente Persönlichkeiten, die einst zu Epsteins Umfeld gehörten – darunter der ehemalige Präsident Bill Clinton und US-Präsident Donald Trump. Dass sein Name in dem Zusammenhang auftauchte, war also im Grunde keine Neuigkeit.

Ebenfalls erwähnt wurde schon früh Andrew Mountbatten-Windsor, ehemaliges Mitglied des britischen Königshauses und Sohn von Queen Elisabeth, der milliardenschwere Hedgefonds-Gründer Glenn Dubin, der Unternehmer Les Wexner und der verstorbene Model-Agent Jean-Luc Brunel.


Epstein-Liste: Immer mehr Namen bekannt

Um viele weitere Prominente kursierten lange Gerüchte und Falschmeldungen. Stars wie Chrissy Teigen, Ellen DeGeneres und Oprah Winfrey wurden online beschuldigt, im Flugprotokoll (zu Epsteins Insel) genannt zu werden. In den veröffentlichten Berichten und Flugprotokollen werden Teigen, DeGeneres und Winfrey jedoch nicht erwähnt.

"Norwegen-Connection" und WEF

Bestätigt wurden Anfang 2026 aber schon länger im Epstein-Orbit kreisende Namen wie Børge Brende (konservativer norwegischer Politiker, WEF-Vorsitzender und Nachfolger von Klaus Schwab), Thorbjörn Jagland (norwegischer Ex-Premier der Arbeiterpartei) oder Peter Mandelson (geistiger Vater von "New Labour"), US-Handelsminister und Zoll-Verfechter Howard Lutnick oder das norwegische Diplomatenpaar Terje Rod-Larsen und Mona Juul, dessen Kinder von Epstein sogar mit einem Millionenerbe bedacht wurden.

Bill Gates, Peter Thiel, Elon Musk & Co.

Mit von der Partie waren offenbar aber auch US-Milliardäre wie Bill Gates, Peter Thiel und Elon Musk, Südafrikas korrupter Ex-Präsident Jacob Zuma, ein Sicherheitsberater und Ex-Außenminister aus der Slowakei oder Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, die mit Epstein eine innige Freundschaft gepflegt haben soll. Unter dem Strich eine unappetitliche Mischung mit bestimmter Schlagseite. Wegen eines Verbrechens im Zusammenhang mit Epstein ist bisher jedoch keiner der Genannten angeklagt.

Die "Norwegen-Connection" ist schon vor Jahren von der Zeitung Dagens Næringsliv recherchiert worden, kocht mit der Veröffentlichung der Epstein-Files Anfang 2026 aber erneut hoch - pünktlich zum Sex-und Drogen-Prozess gegen Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby (29).

Wer war Jeffrey Epstein?

Jeffrey Epstein starb 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle, bevor er sich vor Gericht verantworten konnte. Angeklagt wurde der Finanzier, da er einen Sexhandelsring mit minderjährigen Mädchen und Dutzenden von hochkarätigen Kunden auf seiner Privatinsel „Little St. James“ in der Karibik betrieben hatte. Im Dezember 2021 wurde auch die ehemalige Freundin Epsteins, Ghislaine Maxwell, wegen Sexhandels und der Vermittlung von Teenagern verurteilt. Ghislaines Vater war der zwielichtige Medienmogul Robert Maxwell. 

Epstein selbst soll enge Kontakte zu israelischen und möglicherweise auch russischen Geheimdienstkreisen unterhalten haben. Israels Ex-Premier Ehud Barak zählte angeblich zu seinen Gästen, bestreitet jedoch trotz Gewaltvorwürfen jegliches Fehlverhalten. Die Quellen des Epstein-Vermögens sind bis heute nicht ganz klar, dürften aber mit Milliardär Les Wexner und dessen Dessous-Marke "Victoria’s Secret" zu tun haben. Es wird befürchtet, dass sich noch weitere bekannte Personen in diesem Umfeld kompromittiert und erpressbar gemacht haben.

Epstein-Skandal und mutmaßlicher "Pizza"-Code

Der Begriff "Pizza" könnte im Jargon der Epstein-Files als Chiffre für Treffen mit Kindervergewaltigung gestanden haben, heißt es nun. Die Wörter "Pizza" und "Cheese Pizza" haben laut FBI-Unterlagen in einschlägigen Foren jedenfalls deutlichen Code-Bezug zur Pädophilie. Auch Schläge und Folter standen in dem perversen Epstein-Netzwerk offenbar auf der Tagesordnung. Doch nicht alles in den Files ist gesichert und bestätigt. So hat das FBI zum Beispiel Vergewaltigungsvorwürfe gegen Donald Trump schon vor Jahren als "unglaubwürdig" beziehungsweise nicht überprüfbar eingestuft.

Die rund 70 Hektar große Insel auf den „Virgin Islands“, die auch „Epsteins Insel“ oder „Pädophileninsel“genannt wird, war von 1998 bis zu seinem Tod im Jahr 2019 im Besitz von Epstein.