Fabian Wohlgemuth hat die Stuttgarter nach vorne gebracht. Jetzt wird über die Verlängerung seines Arbeitspapiers gesprochen. Doch ein Selbstläufer ist die Einigung nicht.
Sein Geschäft ist auch die Zukunft. Fabian Wohlgemuth plant den Kader, verlängert Spielerverträge und verhandelt Transfers. Als Sportvorstand des VfB Stuttgart legt er zudem die Strategie fest. Alles, um den Fußball-Bundesligisten nachhaltig nach oben zu bringen. In den nächsten Wochen wird sich Wohlgemuth aber nicht nur um Clubbelange kümmern, sondern ebenso die persönlichen Perspektiven überprüfen und die eigene Position überdenken. Denn es kommen Verhandlungen über die eigene, vorzeitige Vertragsverlängerung auf ihn zu.
Klar, noch herrscht kein Zeitdruck – und sämtliche Beteiligte können sich entspannt geben, da der VfB auf seinen drei Wegen (Liga, DFB-Pokal, Europa League) gut unterwegs ist. Außerdem wurden wichtige Personalien bereits im vergangenen Jahr von Vorstand und Aufsichtsrat der VfB AG abgearbeitet. Das Vertrag von Trainer Sebastian Hoeneß gilt ohne Ausstiegsklausel bis 2028 und der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle hat einen Kontrakt bis 2030 unterschrieben.
Das schafft Ruhe im Verein und nun soll der dritte Baumeister des Erfolgs langfristig gehalten werden. „Wir befinden uns aktuell mitten in der Saison und wollen weiter erfolgreich sein. Deshalb gilt die volle Konzentration zunächst dem Sport“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende und Präsident Dietmar Allgaier auf Anfrage, und ergänzt: „Wir schätzen die Arbeit von Sportvorstand Fabian Wohlgemuth im Team mit Chefcoach Sebastian Hoeneß und Sportdirektor Christian Gentner sehr und werden zu gegebener Zeit Gespräche mit Fabian Wohlgemuth führen.“
Wohlgemuths Vertrag läuft bis Mitte 2027
Bis Mitte 2027 läuft Wohlgemuths Vertrag und bis Mitte März sollen erste Gespräche mit ihm geführt werden, um vor der kommenden Saison alles geregelt zu haben. Zuvor beschäftigt sich der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung mit dem 46-Jährigen sowie dessen Vorstellungen, wie sich der VfB weiter entwickeln und verbessern soll. Das Signal, das Kontrollgremium und Präsidium aussenden, dürfte aber schon jetzt klar sein: Es soll mit Wohlgemuth weitergehen. Gedacht ist an einen neuen Dreijahresvertrag.
Eine lange Zeit im Profifußball. Doch der VfB strebt Kontinuität auf den wichtigsten Posten an. Denn das dauerhafte Wirken erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit. Seit Dezember 2022 hat Wohlgemuth sein Büro im Clubhaus mit dem roten Dach. Zunächst als Sportdirektor. Im Juli 2024 wurde er nach Monaten des Machtkampfs zum Sportvorstand befördert. Er war vom Zweitligisten SC Paderborn gekommen und mit seinen 1,90 Meter stellte der Ex-Verteidiger eine unbekannte Größe dar. Zweifel umwehten ihn, da die Stuttgarter mit dem damaligen Trainer Bruno Labbadia im Abstiegskampf steckten.
Mit Wohlgemuth gelingt die Trendwende
Dennoch war Wohlgemuth dem Ruf des Traditionsvereins gefolgt. Der Reiz, auch eine Etage höher als zuvor in Paderborn und in Kiel erfolgreich zu arbeiten, war stärker als das Sicherheitsgefühl, das ihm der Standort in Ostwestfalen bot. Und schnell wurde beim VfB deutlich, dass Wohlgemuth nicht nur genau beobachtet und analysiert, sondern: Er handelt entschlossen. Die Labbadia-Trennung wurde vollzogen und im Hintergrund hatte er bereits mit Hoeneß gesprochen.
Es folgte die Trendwende zum Guten, die in eine weiß-rote Erfolgsgeschichte mündete. Klassenverbleib 2023, Vizemeisterschaft 2024, Pokalsieg 2025 – die jüngsten Meilensteine des Vereins für Bewegungsspiele von 1893 sind mit dem sportlichen Führungsduo Wohlgemuth/Hoeneß verbunden. Ein Gespann, das funktioniert und mittlerweile um Gentner ergänzt wurde. Wehrle installierte den langjährigen VfB-Profi ursprünglich und Wohlgemuth baute ihn dann vom Leiter der Lizenzspieler zum Sportdirektor auf.
Wohlgemuth steht bei anderen Vereinen hoch im Kurs
Wohlgemuths Kernkompetenz bleibt jedoch das Transfergeschäft. Er hat in verschiedenen Preismodellen spätere Nationalspieler wie Deniz Undav, Jamie Leweling, Maximilian Mittelstädt und Alexander Nübel verpflichtet. Wohlgemuth verfügt also über einen guten Blick, ist hervorragend vernetzt und kennt die Szene bestens. Was auch daran liegt, dass er nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre im Nachwuchs- und Scoutingbereich tätig war.
Jetzt zählt Wohlgemuth allerdings zu den Topmanagern der Liga. Über den VfB hat er sich – wie Hoeneß – in die oberste Kategorie der Fußballmacher katapultiert. Das weckt Begehrlichkeiten in der Branche. In den vergangenen Monaten erhielt der Berliner regelmäßig Anrufe, wenn irgendwo ein Sportchef gesucht wurde. Verlockend genug waren die Anfragen offenbar nicht. Ein Selbstläufer werden die Vertragsverhandlungen mit Wohlgemuth trotzdem nicht. Der Preis ist mit seiner Aktie gestiegen – und der VfB wird für seine Dienste, wie bei Hoeneß und Wehrle, mehr bezahlen müssen als bisher.