Ein Konzert erster Güte: Tilman Jäger und das Böblinger Vokalensemble in der Stadtkirche Foto: Stefanie Schlecht

Glaube, Liebe, Hoffnung – so ist das dreisätzige Chorwerk übertitelt, das Tilman Jäger und das Böblinger Vokalensemble in der Stadtkirche uraufgeführt haben – und wie.

Die Stadtkirche war am frühen Sonntagabend brechend voll. Keine Überraschung, wenn der Komponist und Pianist Tilman Jäger mit seinem Böblinger Vokalensemble den Kirchenraum mit feinen und strahlenden Klängen füllt. Die Besucher ahnten wohl, dass da Besonderes geboten würde.

Und sie behielten recht! Nicht nur, dass Jäger, der JazzTime-Macher, für seine Komposition den Chor, den er leitet, zur Verfügung hatte, sondern auch hochkarätige Jazzmusiker, die musikalisch breit aufgestellt sind. Als i-Tüpfelchen sozusagen.

Ein gewaltiger Klangkörper

Joachim Staudt (Saxofon), Fried Dähn (Cello), Jakob Jäger (Kontrabass), Florian Vogel (Violine), Michael Späth (Violine) und Anna-Sophia Dreyer (Viola) erwiesen sich als Glücksfall, diesem Werk die nötige Würze zu verleihen. Waren sie doch in der Lage, auch improvisierte Solopassagen kompositionsdienlich einzuflechten. Das Werk entstand über einen längeren Zeitraum (2018 – 2025). „…und hätte der Liebe nicht“ wurde bereits 2019 uraufgeführt, „Songs of Hope“ folgte 2023 und nun mit „Glauben, ohne zu sehen“ die Abrundung, gemäß dem Paulus-Text aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs. „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

Die Reihung ist in Jägers Werk insofern verändert, als dass die Liebe in der Mitte und somit im Mittelpunkt steht. Während der gut einstündigen Aufführung durfte man sich einer großen stilistischen Bandbreite erfreuen. Stephan Bergdolt übernahm das Dirigat, während die, wenn man so will, Jägermeisterei mit Piano und Kontrabass für den Rhythmus- und Harmonie-Teppich sorgte.

Dem jeweiligen Kompositionsabschnitt entsprechend, strich oder zupfte Tilman Jägers Sohn Jakob seinen Bass, beides mit einer Virtuosität, die seine Herkunft verriet. Dessen Mutter war eine der fünf Alt-Stimmen im Chor, somit war die gesamte Familie vertreten. Das Ensemble setzt sich zum einen Teil aus studierten Musikerinnen und Musikern und zum anderen Teil aus versierten Chorsängerinnen und Chorsängern zusammen. In der Summe ein gewaltiger Klangkörper, der von dynamisch bis kraftvoll mit präziser Intonation in Erscheinung trat.

Das Konzert berührt und macht Mut

Textlich, sowie musikalisch schafften es die Akteure eine sakrale Stimmung zu erzeugen und in stürmischen Zeiten zum Innehalten zu führen. Den ersten Teil des Werkes, „Glauben, ohne zu sehen“, hat Jäger seinen Eltern gewidmet und allen Menschen, die den „Weg“ vorausgegangen sind oder ihn mit ihm teilen. „…und hätte der Liebe nicht“ ist für seine Frau Eva und all diejenigen, die erfahren haben, dass die Liebe in all ihren Facetten im Zentrum unseres Tuns stehen darf. „Songs of Hope“ im Finale soll Mut machen – seinem Sohn Jakob und allen jungen Menschen, die eine Welt vorfinden, die nicht immer hoffnungsvoll stimmt.

„Ein sehr reiches und berührendes Konzert; im positiven Sinn auch sehr ungewöhnlich“, resümierte Besucherin Stefanie P. aus Tübingen, die es gerade noch rechtzeitig zu Konzertbeginn aus dem Südschwarzwald geschafft hatte. Besonders das kraftvolle Finale habe sie zuversichtlich gestimmt.

Dem dürften sich sehr viele, wenn nicht gar alle Besucher anschließen. Konnten sie doch ein Konzert erster Güte erleben.