Bonita Grupp, die Tochter des legendären Trigema-Patriarchen, zeichnete in Böblingen ein offenes Bild von ihren Herausforderungen. Ihr Vater spielt dabei nur eine Nebenrolle.
Der Auftritt von Bonita Grupp, der Tochter des Trigema-Patriarchen Wolfgang Grupp, lockte am Mittwoch viele Interessierte zur Industrie- und Handelskammer (IHK) nach Böblingen. Dort war die prominente Nachfolgerin am Abend zu Gast. Das Thema: „Einblicke über Nachfolge, Familienunternehmen und Leadership“. Sicher wird die mediale Omnipräsenz des Übervaters ihren Teil zur Magnetwirkung beigetragen haben. Initiiert hatte den Auftritt die IHK gemeinsam mit der Initiative zukunftsfähige Führung und deren stellvertretenden Vorsitzenden Petra Bösner-Handelmann.
Tatsächlich ist das Thema Nachfolge ein virulentes im Mittelstand: Die Zahl der Betriebe mit Nachfolgeproblemen steigt, die IHK versucht mit zugeschnittenen Beratungsangeboten zu unterstützen. Doch allein demografisch stellt sich die Frage in immer mehr Betrieben. Ganz anders im Hause Grupp in Burladingen auf der Schwäbischen Alb: Mit Bonita und Wolfgang Grupp junior treten gleich beide Geschwister in die übergroßen Fußstapfen dieses Unternehmers alter Schule.
Suizidversuch rücksichtsvoll ausgeblendet
Dessen versuchter Suizid im Spätsommer dieses Jahres beherrschte über Wochen die Schlagzeilen – in Böblingen wurde das Thema rücksichtsvoll ausgeblendet. „Mein Bruder und ich versuchen, einen eigenen Stil in der Öffentlichkeit zu entwickeln, legen dabei aber den Fokus auf die Firma und nicht auf die Familie“, sagte Bonita Grupp im Anschluss an ihren Auftritt. Und: „Man kann meinen Vater nicht kopieren.“ Tatsächlich wurde die Frage, wer von beiden nun die Nachfolge antreten wird, breit in der Öffentlichkeit ausgetreten.
Geschwister-Gespräche auf Autofahrten
Der familieninterne Wettstreit, zu dem die Medien den Vorgang aufgebauscht hätten, sei laut Bonita Grupp aber gar nicht vorhanden: „Eine Konkurrenz mit meinem Bruder gab es nie“, sagt die 36-Jährige. Im Gegenteil: Sie verbinde viel mit ihm, ihr Verhältnis sei sehr gut und „die besten Gespräche führen wir auf langen Autofahrten“, sagt sie. Während Wolfgang junior ein Zahlenmensch sei und die kaufmännische Führung innehabe, habe sie die Bereiche Personalführung, Marketing und den Online-Handel unter sich.
Gegründet wurde das Unternehmen anno 1919 von ihrem Urgroßvater Josef Mayer als Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer, daher: Tri-Ge-Ma. Ihr Vater war es, der das Unternehmen in der Krise 1969 übernahm – und erfolgreich konsolidierte. Grupp: „Nach einer Zersplitterung der Gesellschaftsanteile hat er sie wieder in ihrem Familienstamm gebündelt, um handlungsfähiger zu sein.“ Grupp senior war es auch, der das Unternehmen vom reinen Auftragshersteller zur unverwechselbaren Marke aufgebaut und damit unabhängiger gemacht hat.
Heute bezeichnet sich Trigema als größter Hersteller von Sport- und Freizeitbekleidung in Deutschland, wohin auch 95 Prozent der Produkte gehen. „Im vergangenen Jahr haben wir vier Millionen Teile verkauft“, sagt Grupp. „Bei 83 Millionen Einwohnern ist also noch etwas Luft nach oben.“ Dennoch: die Herausforderungen in der Branche seien enorm. Insbesondere der Mangel an geeigneten Fachkräften treibt die Trigema-Personalchefin um. Sie begegnet dem mit innovativen Methoden.
„In Deutschland sind es ganz überwiegend die Frauen, die den Beruf an der Nähmaschine ausüben“, sagt sie und verweist auf 80 Prozent Frauenanteil im Unternehmen gesamt und 75 Prozent bei den Führungskräften. „Im arabischen Kulturraum ist der Beruf des Schneiders allerdings klar männlich geprägt.“ So sei es ihr gelungen, Zuwanderern von dort Deutschkurse und ihnen einen Arbeitsplatz zu vermitteln.
Überhaupt sei ihr der gute Umgang mit Mitarbeitern als Familienunternehmerin sehr wichtig, bezeichnet Trigema als „Betriebsfamilie mit sicheren Arbeitsplätzen und dem Angebot, Familienmitgliedern einen Arbeitsplatz anzubieten.“ Dass die Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze vernichte, sehe sie keineswegs. Im Gegenteil: „Die KI hat geholfen, unsere Logistikhalle um 60 Prozent effizienter zu organisieren, so brauchen wir keinen Neubau.“
Einen Arbeitsplatz hat die Software aber tatsächlich pulverisiert: Der Trigema-Affe Charly ist mittlerweile KI-generiert, ein neuer Werbespot ging dieser Tage online. „Aus Tierschutzgründen dürften wir gar keinen Affen mehr für einen Dreh vor die Kamera setzen“, sagt Bonita Grupp.
Eckpunkte zu Trigema
Alleinstellungsmerkmal:
Trigema produziert von Stoffen bis zum fertigen Kleidungsstück aus einer Hand am Standort Deutschland, was in der Branche die extreme Ausnahme ist.
Vertrieb
Die Besonderheit im Vertrieb liegt in einer Struktur eigener Testgeschäfte, einem Online-Shop und dem Fachhandel.
Mitarbeiterzahl
Diese liegt nach eigenen Angaben bei derzeit rund 1200. Das Unternehmen gibt an, den Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten.
Führung
Trigema als inhabergeführtes Unternehmen legt einen besonderen Fokus auf soziale Verantwortung. Seit 2022 führen Wolfgang Grupp junior und seine Schwester Bonita die Firma gemeinsam.