Luisa Moroff und ihr Vater Martin: Im Oktober beim Ironman auf Hawaii gemeinsam an der Startlinie Foto: privat

Für den Ironman Hawaii hat sich nach Triathletin Luisa Moroff aus Darmsheim auch ihr Vater Martin durch den achten Platz in seiner Altersklasse bei der Europameisterschaft in Frankfurt qualifiziert. Die beiden gehen schon lange gemeinsam auf Wettbewerbe, haben schon viel zusammen erlebt.

Dass die Tochter gemeinsam mit dem Vater auf dem Tennisplatz steht, kommt schon ab und zu vor. Wenn auch eher selten, weil sich die Jugend gerne andere Hobbys sucht als die Eltern. Ganz anders ist das bei den Moroffs aus Darmsheim. Papa Martin und seine Tochter Luisa verbringen viele Stunden in der Woche beim gemeinsamen Training im Schwimmbad, beim Radfahren auf der Straße, beim Lauftraining im Wald oder bei schlechter Witterung im eigens eingerichteten Trainingszimmer.

Beim Schönbuch-Cup hat die komplette Familie mitgemacht

Im Kindesalter ist Luisa bereits beim Schönbuch-Cup mit der kompletten Familie angereist. Gestartet ist sie dann gemeinsam mit den Brüdern bei den Bambini- und Kinderläufen vor oder nach dem Hauptlauf, an dem der Papa teilgenommen hatte, der nach einer längeren Familienpause quasi mit seinen Kids wieder mit dem Ausdauersport anfing.

Premiere beim Trimmathlon des GSV Maichingen

Sport im allgemeinen hatte bei den Moroffs schon immer einen sehr großen Stellenwert. „Der erste gemeinsame Triathlon von mir und meinem Papa war der Trimmathlon vom GSV Maichingen, damals war ich sechs Jahre alt“, weiß Luisa noch genau. Aber das war nur zum Schnuppern. Danach ging es erst einmal zu den Leichtathleten nach Dagersheim und später nach Sindelfingen. Erst nachdem sie aufgrund einer Verletzung alternativ auf dem Rad trainierte, kam der Vater ins Spiel. Gemeinsam wurden erste Ausfahrten auf dem Rennrad absolviert, und relativ schnell fiel die Entscheidung, zum Triathlon zu wechseln. Videos vom Ironman auf Hawaii haben die heute 26-Jährige gefesselt, und 2015 war ihre „Vision 2020“ geboren. „Es war ihr persönliches Ziel. Ich habe Luisa zwar in allen sportlichen Belangen so gut es geht unterstützt, Druck gab es von mir aber nie“, so Martin Moroff. Zu viele Jugendliche hatte er in seiner aktiven Zeit selbst erlebt, die von ihren Eltern oder den Trainern frühzeitig verheizt wurden und schnell den Spaß an der Sache verloren. „Wenn etwas nicht aus eigenem Antrieb heraus passiert, kann es nichts von Dauer werden. Und so ein Traum vom Start beim Triathlon auf Hawaii ist eben eine langfristige Sache“, so der Papa, der sich grundsätzlich mehr als Mentor denn als Trainer sieht. Bei den vielen gemeinsamen Trainingseinheiten wurden Erlebnisse und Erfahrungen weitergegeben, die aus seiner aktiven Zeit (Bestzeit über die Langdistanz 8:48 Stunden) zweifelsohne reichlich vorhanden waren. Und immer noch sind.

Viele tolle gemeinsame Events

„Der Ironman ist ein Monster“, ist ein Satz von vielen, der sich bei seiner Tochter eingebrannt hat. Ein solcher Renntag ist lang, und es kann viel passieren. „Einen Ironman schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel. Man braucht nicht nur viele Trainingskilometer, sondern Jahre, um seinen Körper so weit kennen zu lernen, dass man ihn am Renntag versteht,“ weiß Martin Moroff.

Mit Roth und Klagenfurt hat Luisa Moroff bereits zwei Langdistanzen bewältigt. Immer gemeinsam mit ihrem Vater. Wenn man sich ihre Homepage anschaut, standen zwischen dem Trimmathlon bis hin zum Ironman viele tolle Events auf dem Programm der beiden. „Warum soll ich meine Tochter zu Wettkämpfen begleiten und selbst nicht starten?“ Das war eine Frage, die er sich selbst vor Jahren beantwortet hatte. Die vielen Erfolge motivierten seine Tochter zusätzlich, ihr „Familienbattle“ war auch über Jahre ein Thema, was intern zusätzlich anspornte – aber immer mit einem Augenzwinkern und aus Spaß. „Ich habe mich ehrlich gesagt nie geärgert, wenn Luisa die Nase vorn hatte. Vielmehr war ich stolz, eine so schnelle Tochter zu haben“, sagt der Papa. Auch Luisa weiß es zu schätzen, einen annähernd gleichwertigen Trainingspartner wie ihren Vater stets verfügbar an ihrer Seite zu haben. Eine Symbiose, in der die eine vom anderen profitiert. Und umgekehrt.

Die Mama dabei nicht vergessen

„Bei der tollen Geschichte von uns dürfen wir die Mama nicht vergessen“, beeilt sich Luisa Moroff zu sagen. Ohne die große Unterstützung von Martina Moroff, die sämtliche Trainingslager und Übernachtungen bei Wettkämpfen, Anfahrten und Flüge bucht, wäre das bisher alles nicht möglich gewesen. „Triathlon ist eben doch nicht nur ein Einzelsport, sondern eine Einstellung, die in letzter Konsequenz fast das ganze Jahr gelebt werden sollte“, sagt ihr Ehemann. „Mit Unterstützung der gesamten Familie geht das selbstverständlich viel einfacher.“

Verrücktes Rennen von Martin Moroff in Frankfurt

Nachdem die 26-jährige Luisa mit ihrer Qualifikation für Hawaii in Klagenfurt vergangenen Herbst vorgelegt hatte, ist es ihrem Vater in Frankfurt bei der Ironman-Europameisterschaft am vergangenen Wochenende gelungen, den erhofften Slot zu erkämpfen. „Es war ein verrücktes Rennen mit einem Happy End“, erzählt er. In 9:53 Stunden belegte er den achten Rang seiner Altersklasse (50-54), was für das begehrte Hawaii-Ticket reichte. Wenn man berücksichtigt, dass er zwei Wochen vor Frankfurt den ersten Tag nach seiner Corona-Erkrankung negativ war, versteht man, ohne das Rennen selbst verfolgt zu haben, den Satz, der auch noch hinterher wieder seine Berechtigung hatte: „Der Ironman ist ein Monster“.

Über Dresden nach Hawaii – es sind noch knapp 100 Tage

In Dresden beim Ironman 70.3 steht der nächste gemeinsame Start auf dem Plan. Anfang Oktober wird es dann für Vater und Tochter ernst. Der Traum von Hawaii wird hoffentlich wahr. „Hoffentlich, weil in der aktuellen Zeit nichts mehr sicher und planbar scheint“, weiß Martin Moroff, der es noch immer nicht richtig fassen kann, dass Vater und Tochter auf Big Island gemeinsam an der Startlinie stehen werden. Ein Superlativ, das so nie geplant war und die ganze Familie zurecht stolz macht. „Ob es das in der langen Geschichte von Hawaii schon einmal gegeben?“, fragt sich Luisa Moroff auf ihrer Website zurecht.

Es sind nur noch knapp 100 Tage, bis die Moroffs gemeinsam mit allen weiteren Qualifikanten mit den Worten „It‘s a long, long Day“ auf die Strecke geschickt werden. Aloha!